HAW-Professur: Voraussetzungen, Praxisjahre, Weg und Alltag

Für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften brauchen Sie keine Habilitation. Verlangt werden eine Promotion und fünf Jahre Berufspraxis, davon drei außerhalb der Hochschule – so steht es etwa in § 36 des Hochschulgesetzes Nordrhein-Westfalen, die anderen Länder regeln es ähnlich. Was Ausschreibungen darüber hinaus wirklich fordern, zeigt unsere Zählung von 102 Anzeigen: Lehrerfahrung in 89, Führungserfahrung in 5. Gelehrt wird in der Regel 18 Semesterwochenstunden; wer forschen will, findet Forschungsprofessuren, die das Deputat bis zur Hälfte senken. Hier lesen Sie, was zählt, wie der Weg über Lehrauftrag oder Tandem-Programm läuft und was in Ihrem Land gilt.

Von Aktualisiert: 7. Oktober 2026 · Quellenstand 10/2026
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Professor hält eine Vorlesung im Hörsaal einer Hochschule für angewandte Wissenschaften

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Was ist eine HAW-Professur – und für wen passt sie?

Eine HAW-Professur ist eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften: Sie lehren und forschen anwendungsnah, und verlangt werden in der Regel eine Promotion und Berufspraxis statt einer Habilitation.

Hochschulen für angewandte Wissenschaften bilden in Studiengängen aus, die nah an Berufen liegen: Ingenieurwesen, Informatik, Wirtschaft, Gesundheit, Soziale Arbeit, Gestaltung. Ihre Professorinnen und Professoren bringen deshalb zweierlei mit: in der Regel eine Promotion als Nachweis wissenschaftlicher Arbeit und Jahre in der Berufspraxis, aus der sie in die Lehre holen, was Studierende später brauchen. Wer an einer HAW lehrt, erklärt nicht nur ein Fach, sondern auch, wie es draußen angewendet wird.

Die Hochschulen sind groß. Zum Stichtag 1. Dezember 2024 zählte das Statistische Bundesamt 21.975 hauptberufliche Professorinnen und Professoren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (ohne Verwaltungshochschulen), bei 52.078 Professorinnen und Professoren insgesamt. Mehr als jede dritte Professur in Deutschland liegt damit an einer HAW.

Für wen sie passt. Die Professur passt zu Menschen, die promoviert haben, danach in einem Unternehmen, einer Behörde, einer Klinik oder einem Büro gearbeitet haben und nun gern lehren. Sie passt weniger zu jemandem, der den Großteil seiner Zeit in die Grundlagenforschung stecken möchte; dafür ist die Universität gebaut. Dazwischen liegen Forschungsprofessuren und Technologiecampusse, an denen auch an einer HAW geforscht wird (Abschnitt Forschung).

Unsere Einordnung: Wer Lehre mag und aus der Praxis kommt, ist an einer HAW richtig. Wer vor allem forschen will, braucht eine Forschungsprofessur oder die Universität. Das sagen wir so deutlich, weil die Entscheidung Jahre trägt: Eine Professur wechselt man nicht leicht.

Was muss ich für eine HAW-Professur mitbringen?

Für eine HAW-Professur brauchen Sie in der Regel eine Promotion, pädagogische Eignung und fünf Jahre Berufspraxis, davon mindestens drei außerhalb der Hochschule; eine Habilitation brauchen Sie nicht.

Die Landesgesetze sind sich in diesem Kern einig, formulieren ihn aber verschieden. Das Hochschulgesetz Nordrhein-Westfalen nennt als Einstellungsvoraussetzungen ein abgeschlossenes Hochschulstudium, pädagogische Eignung und die „besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, die in der Regel durch die Qualität einer Promotion nachgewiesen wird“ (§ 36 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 HG NRW). Für Professuren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften kommen besondere Leistungen aus der Praxis hinzu, erbracht „während einer fünfjährigen berufspraktischen Tätigkeit, von denen mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs ausgeübt worden sein müssen, auf einem Gebiet …, das ihren Fächern entspricht“ (§ 36 Abs. 1 Nr. 5 HG NRW).

Brauche ich eine Habilitation?

Nein. Das Gesetz verlangt die Habilitation für eine HAW-Professur nicht: In Nordrhein-Westfalen sind Habilitation und Juniorprofessur nur bei Professuren an Universitäten als Wege zu den „zusätzlichen wissenschaftlichen Leistungen“ genannt (§ 36 Abs. 1 Nr. 4 HG NRW); für die HAW tritt an ihre Stelle die Praxis (Nr. 5). Eine Habilitation schadet nicht, ersetzt die Berufspraxis im Regelfall aber nicht; besondere Ausnahmefälle regelt das Landesrecht. In unserer Zählung von 102 HAW-Ausschreibungen erwähnen nur 4 die Habilitation, und keine verlangt sie.

Auch die Promotion ist „in der Regel“ verlangt, nicht ausnahmslos. In künstlerischen und gestalterischen Fächern oder bei herausragender Praxis gibt es Wege ohne Doktorgrad; was dafür gilt, steht im Artikel Professur ohne Promotion.

Welche Berufserfahrung zählt?

Gezählt wird Berufspraxis nach dem Studium, die zu dem Fach der Professur passt. Fünf Jahre sind die Regel, mindestens drei davon außerhalb der Hochschule. Die anderen zwei Jahre dürfen Sie auch an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung verbracht haben, etwa als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter während der Promotion.

Bayern rechnet enger. Art. 57 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BayHIG verlangt ebenfalls Leistungen „in einer mindestens fünfjährigen beruflichen Praxis, die nach Abschluss des Hochschulstudiums erworben sein muss und von der mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs ausgeübt worden sein müssen“. Zusätzlich gilt dort eine Grenze, keine Vergünstigung: Zeiten als Referendarin oder Referendar und als wissenschaftliche Mitarbeitende „können insgesamt nur bis zu zwei Jahren angerechnet werden“. Bayern nennt diesen Deckel ausdrücklich im Gesetz. Den bundesrechtlichen Rahmen setzt § 44 Hochschulrahmengesetz; er spricht von einer mehrjährigen beruflichen Praxis, die Zahl der Jahre legen die Länder fest. Die Regeln aller Länder vergleicht der Artikel Wie wird man Professor?.

Welche Tätigkeit „außerhalb des Hochschulbereichs“ zählt, prüft die Berufungskommission im Einzelfall. Typisch sind Stellen in Industrie, Beratung, Verwaltung, Kliniken, Verbänden oder eine eigene Selbstständigkeit. Wichtiger als der Arbeitgeber ist, dass Sie dort wissenschaftliche Methoden angewendet oder weiterentwickelt haben, und dass Sie das in der Bewerbung belegen: mit Projekten, Verantwortung, Ergebnissen.

Beispiel (fiktiv): Eine Ingenieurin hat nach dem Masterabschluss vier Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin promoviert und danach drei Jahre in der Entwicklung eines Maschinenbauers gearbeitet. Die drei Jahre außerhalb der Hochschule hat sie damit, für die fünf Jahre insgesamt fehlen zwei. Die bekommt sie nur, wenn die Berufungskommission mindestens zwei Mitarbeiterjahre als einschlägige Praxis anerkennt, also als Arbeit, in der sie wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden angewendet oder entwickelt hat. Das prüft die Kommission im Einzelfall, in Nordrhein-Westfalen wie in Bayern; Bayern rechnet ohnehin höchstens zwei solcher Jahre an. Hätte sie nur zwei Jahre in der Industrie gearbeitet, fehlte ihr in beiden Ländern ein Jahr außerhalb der Hochschule – und genau dafür gibt es die Tandem-Professur (Abschnitt Weg).

Was Ausschreibungen tatsächlich nennen

Das Gesetz nennt das Minimum, die Ausschreibung den Wunsch der Hochschule. Wir haben im September 2026 102 Ausschreibungen für HAW-Professuren aus unserer Stellensuche vollständig gelesen und gezählt, welche Anforderungen sie nennen:

Anforderung in der Ausschreibunggenannt in
Lehrerfahrung oder Hochschuldidaktik89 von 102
Promotion87 von 102
Forschung, Drittmittel oder Transfer64 von 102
Berufspraxis mit Angabe der Jahre44 von 102
Zusammenarbeit mit Unternehmen19 von 102
Führungserfahrung oder Leitungsfunktion5 von 102
Habilitation (nur erwähnt, nie verlangt)4 von 102

Drei Dinge fallen auf. Erstens nennen die Anzeigen Lehrerfahrung häufiger als die Promotion. Zweitens nennen fast zwei Drittel Forschung, Drittmittel oder Transfer. Drittens nennen nur 44 Anzeigen die Praxisjahre ausdrücklich mit Zahl, weil viele auf das Landesgesetz verweisen; verlangt werden die Jahre trotzdem.

Unsere Einschätzung zur Führung: Leitungserfahrung, etwa als Projekt- oder Teamleitung oder in der Geschäftsführung, ist in Berufungsverfahren gern gesehen, wird aber selten genannt: Nur 5 von 102 Anzeigen nennen sie. Erwähnen Sie sie, wenn Sie sie haben; machen Sie sie nicht zum Kern Ihrer Bewerbung.

Bleibt Zeit für Forschung? Lehrdeputat, Forschungsprofessuren, Technologiecampusse

Ja, aber Sie müssen sie sich organisieren: In der Regel lehren Sie 18 Semesterwochenstunden, Forschungsprofessuren und Ermäßigungen senken diese Last, und einige Hochschulen forschen in eigenen Instituten und Technologiecampussen.

Wie viel lehrt eine HAW-Professorin oder ein HAW-Professor?

Das Lehrdeputat steht nicht im Hochschulgesetz, sondern in der Lehrverpflichtungsverordnung jedes Landes. In Bayern sind es 18 Semesterwochenstunden (§ 4 Abs. 1 AVBayHIG), in Nordrhein-Westfalen 18 (§ 3 Abs. 1 Nr. 3 LVV NRW), in Niedersachsen 18 Lehrveranstaltungsstunden (§ 5 LVVO NI). Sachsen-Anhalt setzt 16 Lehrveranstaltungsstunden an (§ 4 Abs. 4 LVVO LSA). Eine Universitätsprofessur lehrt in Nordrhein-Westfalen 9 Stunden; der Unterschied prägt den Alltag. Wie die Stunden berechnet werden, erklärt der Artikel Lehrdeputat.

Achtzehn Stunden heißen nicht achtzehn Stunden Arbeit. Zu jeder Stunde im Hörsaal kommen Vorbereitung, Betreuung von Abschlussarbeiten, Prüfungen und die Arbeit in Gremien. Wer neu beginnt und Vorlesungen erst aufbaut, braucht in den ersten Semestern deutlich mehr Zeit als später.

Forschungsprofessuren: weniger Lehre auf Zeit

Mehrere Länder erlauben Professuren mit Schwerpunkt Forschung, deren Lehrdeputat sinkt. Am deutlichsten regelt es Brandenburg: Hochschulen für angewandte Wissenschaften dürfen Professuren mit Schwerpunkt in der Forschung einrichten, deren Lehrverpflichtung „maximal 50 Prozent unter der Lehrverpflichtung“ der übrigen Professuren liegt; bis zu 20 Prozent der Professuren einer Hochschule dürfen so ausgestaltet sein (§ 50 Abs. 3 BbgHG). Bei 18 Lehrveranstaltungsstunden (§ 6 Abs. 1 LehrVV BB) sind das bis zu 9 Stunden weniger. Die Hochschule in Potsdam schreibt auf ihrer Karriereseite zu Forschungsprofessuren, dass ihre Forschungsprofessuren auf höchstens fünf Jahre vergeben werden, mit einem Deputat von 9 bis 12 Stunden; 14 Professorinnen und Professoren arbeiten dort derzeit so.

Bayern erlaubt Hochschulen für angewandte Wissenschaften ausdrücklich, „Forschungsprofessuren oder Schwerpunktprofessuren“ einzurichten (Art. 59 Abs. 1 BayHIG); die Schwerpunktprofessur kann Forschung und Entwicklung, Lehrinnovation, Kooperationen oder Transfer betreffen. Eine feste Stundenzahl nennt das Gesetz nicht. Bezahlt wird die Ermäßigung aus einem Deputats-Budget: Bayerische HAW dürfen 5 Prozent und zusätzlich 7 Prozent der Lehrstunden ihres Lehrpersonals für Ermäßigungen einsetzen, Universitäten ohne Universitätsklinikum 3 Prozent (§ 7 Abs. 2 AVBayHIG). Für Ermäßigungen steht an bayerischen HAW damit ein größerer Anteil der Lehrstunden bereit als an diesen Universitäten.

In unserer Durchsicht von 149 aktuellen HAW-Ausschreibungen im September 2026 trug keine die Bezeichnung „Forschungsprofessur“. In Potsdam erhalten in der Regel bereits berufene Professorinnen und Professoren die Forschungsprofessur, befristet auf höchstens fünf Jahre. Fragen Sie deshalb in der Berufungsverhandlung nach den Regeln Ihrer Hochschule.

Technologiecampusse und Forschungsinstitute

Einige HAW forschen in eigenen Instituten und Außenstellen, auch gemeinsam mit Unternehmen der Region. Ein Beispiel ist die Technische Hochschule Deggendorf, die seit 2009 Technologiecampusse in Ostbayern aufbaut, in enger Zusammenarbeit mit Landkreisen und Kommunen. Ihre Liste nennt 17 Schwerpunkte an 15 Orten, darunter Grafenau (Digitalisierung, KI und Big Data), Cham (intelligente Produktion und Robotik), Spiegelau (Glastechnik) und Teisnach (Präzisions- und Hochfrequenztechnik).

HochschuleEinrichtungSchwerpunkt
TH Deggendorf (Bayern)Technologiecampusse, u. a. GrafenauDigitalisierung, KI, Produktion, Werkstoffe
Hochschule in Aachen (Nordrhein-Westfalen)Solar-Institut JülichSolarthermie, Energiespeicher, Wasserstoff
Hochschule Reutlingen (Baden-Württemberg)Reutlingen Research InstituteMobilität, Nachhaltigkeit, Produktion
Hochschule Mittweida (Sachsen)LaserinstitutLasermikrobearbeitung, additive Fertigung
Ostfalia (Niedersachsen)Center for Hydrosystems and HealthWasser und Gesundheit

Im Jahr 2023 warben die Hochschulen für angewandte Wissenschaften 1,06 Milliarden Euro Drittmittel ein, alle Hochschulen zusammen 10,65 Milliarden Euro (Statistisches Bundesamt, Finanzen der Hochschulen 2023). Dazu kommt das Promotionsrecht: In 14 Ländern gibt es inzwischen eine Rechtsgrundlage, nach der HAW-Einrichtungen selbst promovieren dürfen, in 9 Ländern ist bereits ein Doktorgrad verliehen worden (Karte unten). Aktuell ausgeschriebene Promotionsstellen an Hochschulen (HAW) stehen auf einer eigenen Seite.

Unsere Einordnung: Wer forschungsstark ist, für den ist eine HAW-Professur eine echte Option, wenn die Hochschule Forschung ernst nimmt. Prüfen Sie vor der Bewerbung, ob es Institute, Forschungsprofessuren oder ein Promotionszentrum in Ihrem Fach gibt, und verhandeln Sie Ermäßigung und Ausstattung, bevor Sie zusagen. Ohne Ermäßigung bleibt es beim Regeldeputat Ihres Landes, meist 18, in Sachsen-Anhalt 16 Lehrveranstaltungsstunden.

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HAW oder Universität: Was unterscheidet die Professuren wirklich?

Der Unterschied liegt weniger im Rang als in der Gewichtung: An der HAW zählt die Praxis und die Lehre wiegt schwerer, an der Universität zählt die wissenschaftliche Leistung und die Forschung hat mehr Raum.

MerkmalHochschule für angewandte WissenschaftenUniversität
ZugangPromotion (in der Regel), pädagogische Eignung, fünf Jahre Praxis, davon drei außerhalb der HochschulePromotion (in der Regel), pädagogische Eignung, zusätzliche wissenschaftliche Leistungen: Habilitation, Juniorprofessur oder Gleichwertiges
Lehrdeputat (Beispiel NRW)18 Semesterwochenstunden9 Semesterwochenstunden
Besoldungmeist W2; W3 in einigen Ländern möglich (15.800 W2, 512 W3)meist W3, oft auch W2 (13.492 W3, 6.806 W2)
Forschunganwendungsbezogen, über Drittmittel; Forschungsprofessuren mit weniger Lehre möglichgleichrangige Dienstaufgabe, auch Grundlagenforschung
Promotionen betreuenkooperativ mit einer Universität oder über ein Promotionszentrum, je nach Landeigenes Promotionsrecht
Drittmittel 20231,06 Mrd. Euro9,50 Mrd. Euro

Die Besoldungszahlen stammen aus der Personalstatistik zum 1. Dezember 2024 (Statistisches Bundesamt, Tabelle 21341-05). Sie widerlegen zwei verbreitete Annahmen: Die HAW-Professur ist nicht auf W2 festgelegt. Bayern führt das Amt der Professorin und des Professors an einer HAW in der Besoldungsgruppe W 3 (BayBesG, Anlage 1), Brandenburg ebenso (Besoldungsordnung W des BbgBesG). Und auch an Universitäten ist W2 vertreten: Dort stehen 6.806 W2-Professuren 13.492 W3-Professuren gegenüber.

Was das Gesetz unterscheidet. Bei der HAW-Professur misst das Gesetz die Praxis in Jahren, bei der Universitätsprofessur verlangt es ein Urteil über die wissenschaftliche Leistung. Bayern beschreibt diese Leistung als Befähigung „zu selbstständiger Forschung und Lehre mit einem dem Amt der Professorin oder des Professors entsprechenden wissenschaftlichen Gewicht“ (Art. 57 Abs. 1 Satz 3 BayHIG). Dazu passt die Aufgabe: An bayerischen HAW bildet die anwendungsbezogene Lehre den Schwerpunkt, Forschungs- und Schwerpunktprofessuren ausgenommen (Art. 59 Abs. 1 BayHIG).

Berufspraxis als Schlüssel. Für die HAW-Professur zählen die Jahre beruflicher Praxis, drei davon außerhalb der Hochschule. Für die Universitätsprofessur verlangt das Gesetz stattdessen zusätzliche wissenschaftliche Leistungen, etwa aus einer Juniorprofessur oder einer Habilitation (§ 36 Abs. 1 Nr. 4 HG NRW). Prüfen Sie deshalb zuerst, welche der beiden Voraussetzungen Sie heute schon erfüllen.

Unsere Einordnung: Eine HAW-Professur ist nicht „weniger“, sondern anders gewichtet: mehr Lehre, mehr Praxisnähe, Forschung vor allem anwendungsnah. Wer gern unterrichtet und Fragen aus der Praxis erforschen will, ist hier richtig. Wer den größeren Teil seiner Zeit forschen will, hat an der Universität mehr Raum dafür, in Nordrhein-Westfalen mit 9 statt 18 Semesterwochenstunden Lehre.

Was verdient ein Professor an einer HAW?

HAW-Professorinnen und -Professoren werden meist nach W2 besoldet, in einigen Ländern auch nach W3; die Beträge unterscheiden sich je Land und hängen von verhandelten Leistungsbezügen ab.

Das Grundgehalt legt jedes Land in seinem Besoldungsgesetz fest; dazu kommen Leistungsbezüge, die Sie bei der Berufung verhandeln, und in einigen Ländern Erfahrungsstufen. Wie viel netto bleibt, hängt außerdem davon ab, ob Sie verbeamtet werden. Rechnen Sie Ihren Fall im Gehaltsrechner für W2 (vorbelegt mit Nordrhein-Westfalen) durch und stellen Sie dort Ihr Land ein. Alle Grundgehälter, Zuschläge und Beispielrechnungen stehen im Artikel Gehalt von Professoren.

Gegenüber einer Leitungsstelle in der Wirtschaft kann das Gehalt niedriger liegen. Rechnen Sie deshalb nicht nur das Brutto, sondern auch Pension, Beihilfe, Sicherheit der Stelle und die Möglichkeit genehmigter Nebentätigkeiten ein. Wer verhandelt, sollte die Leistungsbezüge kennen; der Artikel Leistungsbezüge erklärt sie.

Wie wird man HAW-Professorin oder -Professor?

Der Weg führt über die Praxis; unsere Empfehlung: Berufserfahrung sammeln, einen Lehrauftrag übernehmen und sich bewerben, sobald Ihr Profil steht.

Der Lehrauftrag als Einstieg

Unsere Empfehlung für den Einstieg ist ein Lehrauftrag. Sie lehren neben Ihrem Beruf eine Lehrveranstaltung im Semester und sammeln genau die Lehrerfahrung, die 89 von 102 Ausschreibungen nennen. Als Lehrbeauftragter lernen Sie nebenbei das Kollegium kennen, sehen, wie Studierende reagieren, und merken, ob Ihnen die Arbeit liegt. Fragen Sie beim Studiengang Ihres Fachs direkt nach, ob Lehraufträge zu vergeben sind.

Tandem-Professur und Qualifizierungsprogramme

Wer promoviert ist, aber die drei Jahre Praxis außerhalb der Hochschule noch nicht hat, kann sie in einer Tandem-Professur erwerben. Nordrhein-Westfalen hat sie zum 4. August 2026 ins Hochschulgesetz geschrieben: Die Hochschule schließt mit einem Unternehmen oder einer anderen Einrichtung außerhalb der Hochschule eine Vereinbarung, die einen „mindestens hälftigen Beschäftigungsumfang an der Einrichtung“ sichert; dort erwerben Sie die fehlende Praxis, an der Hochschule lehren und forschen Sie (§ 38b HG NRW). Baden-Württemberg kennt die Tandem-Professur ebenfalls (§ 47 Abs. 3 LHG BW); eine abgeschlossene Tandem-Professur kann dort die Praxis belegen. Berlin und Hessen setzen das Lehrdeputat der Tandem-Professur an HAW auf 8 Lehrveranstaltungsstunden fest (§ 5 Abs. 3 LVVO Berlin, § 3 Abs. 5 LVerpflV HE).

Gefördert werden solche Wege auch aus einem Bund-Länder-Programm, mit dem Bund und Länder die Gewinnung von Professorinnen und Professoren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften fördern: bis zu 431,5 Millionen Euro über zehn Jahre, 98 geförderte Hochschulen (Gemeinsame Wissenschaftskonferenz). Einzelne Hochschulen bieten eigene Programme an, etwa Schwerpunktprofessuren, Kooperationsplattformen mit Unternehmen oder Nachwuchsstellen. Suchen Sie auf der Karriereseite der Hochschule nach „Tandem“ oder „Professurenprogramm“.

Wann Sie sich bewerben sollten. Unsere Empfehlung: Bewerben Sie sich, sobald Ihr Profil steht – Promotion, die gesetzlich verlangten Praxisjahre und Lehrerfahrung, die Sie belegen können. Warten Sie nicht auf die perfekte Ausschreibung in Ihrer Stadt; jede Bewerbung und jede Probelehrveranstaltung ist auch Übung für die nächste. Achten Sie dabei auf die Altersgrenze der Verbeamtung in Ihrem Zielland (Abschnitt Regeln je Land): Sie kann den Zeitpunkt stärker bestimmen als der Lebenslauf.

Bewerbung, Probelehrveranstaltung, Berufung

Professuren werden in der Regel öffentlich ausgeschrieben. Ihre Bewerbung enthält in der Regel Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweise der Praxis, ein Lehrkonzept und oft ein Forschungs- oder Transferkonzept; die Einzelheiten stehen im Artikel Bewerbung auf eine Professur. Wer in die engere Wahl kommt, hält eine Probelehrveranstaltung vor Kommission und Studierenden. Üben Sie sie vor echtem Publikum; im Lehrauftrag haben Sie die Gelegenheit dazu.

Am Ende stellt die Berufungskommission eine Liste auf, die Hochschulleitung erteilt den Ruf, und Sie verhandeln Ausstattung, Leistungsbezüge und gegebenenfalls eine Deputatsermäßigung. Den Ablauf schildert der Artikel Berufungsverfahren.

Was gilt in meinem Land? Lehrdeputat, Promotionsrecht, Verbeamtung

Regel-Lehrdeputat, Promotionsrecht und Altersgrenze der Verbeamtung legt jedes Land selbst fest; die Tabelle zeigt die ersten beiden je Land, die Links führen zu den Normen.

LandRegel-Lehrdeputat HAWPromotionsrecht HAW
Baden-Württemberg18 SWSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Bayern18 SWSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Berlin18 LVSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Brandenburg18 LVSRechtsgrundlage (Promotionskolleg)
Bremen18 LVSRechtsgrundlage
Hamburg18 LVSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Hessen18 LVSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Mecklenburg-Vorpommern18 LVSRechtsgrundlage
Niedersachsen18 LVSkooperativ mit Universitäten; Reform in Beratung
Nordrhein-Westfalen18 SWSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Rheinland-Pfalz18 LVSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
SaarlandLehrverpflichtungsverordnung SaarlandRechtsgrundlage
Sachsen18 LVSkooperativ mit Universitäten
Sachsen-Anhalt16 LVSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Schleswig-Holstein18 LVSeigenes Promotionsrecht, erste Promotion verliehen
Thüringen18 LVSRechtsgrundlage

SWS steht für Semesterwochenstunden, LVS für Lehrveranstaltungsstunden; gemeint ist in beiden Fällen eine wöchentliche Lehrstunde in der Vorlesungszeit. „Rechtsgrundlage“ heißt: Das Land erlaubt HAW-Einrichtungen das Promovieren, eine erste Verleihung war beim letzten Stand unserer Länderartikel noch nicht öffentlich belegt. Die Einzelheiten je Land stehen in der Übersicht Promotionsrecht an HAW.

Verbeamtung und Altersgrenze. Professorinnen und Professoren an staatlichen HAW können verbeamtet werden, aber nur bis zu einem Höchstalter, das das Landesrecht festlegt. In Nordrhein-Westfalen darf in ein Beamtenverhältnis eingestellt werden, „wer das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet hat“; die Grenze erhöht sich unter anderem um Zeiten der Kinderbetreuung und Pflege (§ 39a Abs. 1 und 2 HG NRW). Ausnahmen sind möglich, etwa bei erheblichem dienstlichem Interesse; darüber entscheidet die Hochschule (§ 39a Abs. 5 HG NRW). Sonst kommt oberhalb der Grenze eine Beschäftigung als Angestellte oder Angestellter in Betracht. Klären Sie die Grenze Ihres Ziellandes, bevor Sie sich bewerben; sie entscheidet über Pension und Netto.

Wo gibt es offene HAW-Professuren? Stellen nach Fachgebiet

Die meisten offenen HAW-Professuren gibt es in den Ingenieurwissenschaften; die Tabelle zeigt den Stand unserer Stellensuche am 7. Oktober 2026.

Fachgebietoffene HAW-Professuren
Ingenieurwissenschaften34
Informatik17
Wirtschaft17
Naturwissenschaften15
Medizin und Gesundheit13
Geisteswissenschaften7
Sozialwissenschaften6
Recht4

Eine Professur kann mehreren Fachgebieten angehören; die Zeilen ergeben deshalb mehr als die Gesamtzahl. Die meisten Stellen suchen Hochschulen in den Ingenieurwissenschaften, in Informatik und Wirtschaft, also dort, wo Praxis besonders gefragt ist. Alle aktuellen Stellen mit Bewerbungsfrist finden Sie unter HAW-Professuren (128).

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Häufige Fragen zur HAW-Professur

Braucht man für eine HAW-Professur eine Habilitation?

Nein. Die Hochschulgesetze verlangen für eine HAW-Professur in der Regel eine Promotion, dazu pädagogische Eignung und Berufspraxis, aber keine Habilitation. In unserer Zählung von 102 HAW-Ausschreibungen verlangte keine einzige eine Habilitation.

Welche Berufserfahrung braucht man für eine HAW-Professur?

In der Regel fünf Jahre Berufspraxis nach dem Studium in einem Gebiet, das zum Fach passt, davon mindestens drei Jahre außerhalb der Hochschule. Bayern rechnet Zeiten als wissenschaftliche Mitarbeitende oder im Referendariat höchstens mit zwei Jahren an.

Wie viele Semesterwochenstunden lehrt ein HAW-Professor?

In fast allen Ländern 18 Semesterwochenstunden, in Sachsen-Anhalt 16 Lehrveranstaltungsstunden. Forschungsprofessuren senken das Deputat; in Brandenburg darf es bis zu 50 Prozent niedriger liegen.

Gibt es W3-Professuren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften?

Ja. Bayern und Brandenburg führen die HAW-Professur auch in der Besoldungsgruppe W 3. Zum 1. Dezember 2024 zählte das Statistische Bundesamt 512 W3-Professuren an HAW, gegenüber 15.800 W2-Professuren.

Kann man ohne Promotion HAW-Professor werden?

In Ausnahmefällen ja. Das Gesetz verlangt die Promotion „in der Regel“; vor allem in künstlerischen Fächern oder bei herausragender Praxis gibt es Wege ohne Doktorgrad. Die Einzelheiten stehen im Artikel Professur ohne Promotion.

Was ist eine Tandem-Professur?

Eine Tandem-Professur verbindet eine Professur an einer HAW mit einer Stelle in einem Unternehmen oder einer anderen Einrichtung außerhalb der Hochschule, damit Sie dort die fehlenden Praxisjahre erwerben. Nordrhein-Westfalen regelt sie seit August 2026 in § 38b HG NRW, Baden-Württemberg in § 47 LHG.

Quellen

Rechtsgrundlagen, amtliche Statistik und Hochschulseiten, auf die sich dieser Artikel stützt; die Normen je Land stehen in den verlinkten Länderartikeln.