Berufungsvortrag und Lehrprobe sicher vorbereiten
Im Berufungsvortrag zeigen Sie, welche Forschung Sie voranbringen und wie Ihr Profil zur ausgeschriebenen Professur passt. In der Lehrprobe – auch Probelehrveranstaltung genannt – zeigen Sie, wie Sie Studierenden ein Thema vermitteln. Beide Formate können zum selben Vorstellungstag gehören. Für Ihre Vorbereitung sind vor allem Auftrag, Publikum, Zeitrahmen und die anschließende Diskussion entscheidend.
Offene Professuren ansehen (435)Zum Inhalt
Was Sie zeigen
- Forschung: Eine klare Frage, ausgewählte Ergebnisse und eigene Ideen machen Ihr wissenschaftliches Profil sichtbar.
- Lehre: Lernziel, verständliche Erklärung und eine passende Aufgabe zeigen, wie Sie Studierende beim Lernen unterstützen.
- Passung: Stellen Sie den Bezug zum ausgeschriebenen Fach und zu den Aufgaben der Professur her.
Was Sie zuerst klären
- Auftrag: Thema, Sprache und verfügbare Zeit aus der Einladung übernehmen; Vortragszeit und Diskussion getrennt prüfen.
- Publikum: Die Kommission sitzt immer im Raum; ob weitere Studierende dabei sind, für welches Semester und mit welchem Vorwissen, klären Sie vorab.
- Organisation: Vorabunterlagen, Technik, Ablauf und Reisekosten vor dem Termin mit der Hochschule klären.
Offene Professuren ansehen (435)
Inhalt
Berufungsvortrag, Lehrprobe und Gespräch: Was wird erwartet?
Der Fachvortrag zeigt Ihre Forschung, die Lehrprobe Ihre Lehre; das Kommissionsgespräch verbindet beides mit den Aufgaben der Professur.
Wer zu einem Vorstellungstag eingeladen wird, hat die erste Hürde genommen: Die Berufungskommission hat die Unterlagen gelesen und will die Person nun erleben. Bewertet wird an diesem Tag nicht ein einzelner Auftritt, sondern das Zusammenspiel. Ein starker Forschungsvortrag hilft wenig, wenn die Lehrprobe an den Studierenden vorbeigeht; eine lebendige Lehrprobe ersetzt keine erkennbare Forschungsperspektive. Das Gespräch mit der Kommission greift beides auf und fragt, wie Sie die Professur ausfüllen würden.
Die drei Formate im Vergleich. Welche Teile Sie vorbereiten, nennt die Einladung. Die Tabelle zeigt, worin sie sich unterscheiden:
| Format | Zweck | Inhalt | Vorbereitung |
|---|---|---|---|
| Berufungsvortrag (Fachvortrag) | zeigt Ihr Forschungsprofil und Ihre Pläne für die Professur | Fragestellung, eigener Beitrag, ausgewählte Ergebnisse, nächste Vorhaben | roten Faden festlegen, Bezug zur Denomination herstellen, Diskussion üben |
| Lehrprobe (Probelehrveranstaltung) | zeigt, wie Sie ein Thema vermitteln | ein eingegrenztes Thema mit Lernziel, Erklärung, Aufgabe und Sicherung | Vorwissen klären, Lernziel formulieren, Ablauf planen, Zeit testen |
| Kommissionsgespräch | prüft Passung, Pläne und Zusammenarbeit | Forschungs- und Lehrkonzept, Aufgaben in der Fakultät, Rückfragen | Antworten auf typische Fragen ordnen, eigene Fragen vorbereiten |
Probevortrag, Probevorlesung, Job Talk, Vorsingen: was die Begriffe meinen
Die Hochschulen benennen dieselben Bausteine unterschiedlich, und nicht jedes Wort meint dasselbe:
- Berufungsvortrag oder Fachvortrag ist der wissenschaftliche Vortrag über Ihre Forschung und Ihre Pläne. Die TH Köln nennt ihn in ihrer Berufungsordnung „Forschungsvortrag“.
- Probevortrag wird an manchen Hochschulen für den Fachvortrag verwendet, an anderen für die Lehrprobe. Die HAW Hamburg fasst Lehrprobe und Fachvortrag gemeinsam als „Probevorträge“ zusammen. Lesen Sie in der Einladung nach, was gemeint ist.
- Lehrprobe, Probelehrveranstaltung oder Probevorlesung bezeichnen eine echte oder nachgestellte Lehrveranstaltung vor der Berufungskommission, manchmal mit weiteren Studierenden im Raum.
- Job Talk ist der englische Ausdruck für den Fachvortrag in internationalen Verfahren.
- Vorsingen ist ein umgangssprachliches Wort für den ganzen Vorstellungstag mit Vortrag, Lehrprobe und Gespräch. In Ordnungen kommt es nicht vor; verwenden Sie es in Ihrer Kommunikation mit der Hochschule nicht.
Der gesamte Vorstellungstag ist mehr als der Forschungsvortrag. Wer nur den Vortrag vorbereitet, steht in der Lehrprobe und im Gespräch ohne Plan da. Was vor der Einladung liegt, also Unterlagen, Anschreiben und Forschungskonzept, erklärt der Artikel Bewerbung auf eine Professur; das ganze Verfahren von der Ausschreibung bis zum Ruf steht unter Berufungsverfahren.
Was die Kommission schon von Ihnen kennt. Wer eingeladen wird, ist kein unbeschriebenes Blatt: Die Kommission hat Lebenslauf, Publikationsliste, Lehrnachweise und oft ein Forschungs- und Lehrkonzept gelesen. Der Vorstellungstag soll deshalb nicht wiederholen, was in den Unterlagen steht, sondern zeigen, was Papier nicht zeigen kann: wie Sie denken, erklären, zuhören und auf Einwände reagieren. Unsere Empfehlung: Lesen Sie Ihre eigenen Unterlagen vor dem Termin noch einmal, damit Vortrag, Konzept und Gespräch zueinander passen. An der TH Köln etwa geht das strukturierte Gespräch ausdrücklich auf die eingereichten Lehr- und Forschungskonzepte ein (§ 12 Abs. 6).
Was steht in der Einladung – und wie läuft der Tag ab?
Ihre Einladung legt fest, welche Formate Sie vorbereiten müssen und welche Vorgaben dafür gelten.
Ein typischer Vorstellungstag besteht aus einem Vortrag mit anschließender Diskussion, gegebenenfalls einer Lehrprobe, dem Gespräch mit der Kommission und manchmal weiteren Gesprächen, etwa mit Studierenden, der Gleichstellungsbeauftragten oder der Hochschulleitung. Die Reihenfolge ist von Hochschule zu Hochschule verschieden. An der HAW Hamburg beginnt das Auswahlverfahren nach der Berufungsordnung mit der Lehrprobe und dem Fachvortrag, danach folgt das Gespräch; an anderen Hochschulen steht das Gespräch zuerst oder alle Kandidatinnen und Kandidaten tragen an einem gemeinsamen Termin vor.
Der Einladungscheck: sieben Fragen vor der ersten Folie
Bevor Sie mit dem Vortrag beginnen, sollten Sie diese sieben Punkte aus der Einladung herausschreiben. Manche Ordnungen legen fest, was die Einladung enthalten muss: An der Hochschule für Künste Bremen nennt sie die Formen und gegebenenfalls Themen der Anhörung, den Termin mit der verfügbaren Zeit oder einem Ablaufplan und gegebenenfalls die Aufforderung, ein Thesenpapier oder Lehrkonzept vorzulegen (Berufungsordnung 2024, § 9 Abs. 3). Fehlt eine Angabe, fragen Sie bei der Kommissionsvorsitzenden oder der Berufungsbeauftragten nach.
- Thema: Ist das Thema frei, aus einer Liste zu wählen oder vorgegeben? An der TH Köln etwa legt die Kommission Art, Thema und Dauer der Probelehrveranstaltung fest.
- Zeit je Teil: Wie lange dauern Vortrag und Lehrprobe, und wie viel Zeit ist für die Diskussion vorgesehen? Vortragszeit und Diskussionszeit getrennt notieren.
- Zielgruppe: Sitzen neben der Kommission weitere Studierende im Raum? Für welchen Studiengang und welches Semester planen Sie die Lehrprobe? Welches Vorwissen dürfen Sie voraussetzen?
- Sprache: Deutsch, Englisch oder beides? Die Sprache kann für Vortrag und Lehrprobe verschieden sein.
- Fristen für Unterlagen: Müssen Sie vorab ein Lehr- oder Forschungskonzept, Folien oder eine Kurzfassung einreichen?
- Öffentlichkeit: Ist der Vortrag hochschulöffentlich, fakultätsöffentlich oder nur für die Kommission?
- Technik und Format: Präsenz oder online, eigener Rechner oder Hörsaalrechner, welche Anschlüsse, Tafel, Beamer, Mikrofon?
Vorab verlangte Unterlagen ernst nehmen. Ein Thesenpapier, ein Lehrkonzept oder ein Forschungskonzept, das vor dem Termin eingereicht werden muss, kann Grundlage des Gesprächs sein; an der TH Köln ist das ausdrücklich so geregelt (§ 12 Abs. 5 und 6). Unsere Empfehlung: Halten Sie die Frist genau ein, schreiben Sie knapp und konkret, verweisen Sie im Vortrag auf das Papier, statt es zu wiederholen, und nehmen Sie eine ausgedruckte Fassung mit, um im Gespräch darauf zurückgreifen zu können.
Fünf Hochschulen, fünf Vorgaben
Wie unterschiedlich die Vorgaben ausfallen, zeigen fünf Beispiele aus den Ordnungen und Informationsseiten der Hochschulen selbst. Die rechte Spalte übersetzt die Regel in einen Vorbereitungsschritt.
| Hochschule | Was dort vorgesehen ist | Was das für Ihre Vorbereitung bedeutet |
|---|---|---|
| TH Köln (Berufungsordnung 49/2024, § 12) | Probelehrveranstaltung, deren Art, Thema und Dauer die Kommission festlegt, in der Regel auf Deutsch; zusätzlich ein Forschungsvortrag, der auf Englisch gehalten werden soll. Einladung drei bis fünf Wochen vorher; Lehr- und Forschungskonzept spätestens zwei Tage vor dem Termin schriftlich. | Zwei Sprachen und zwei Konzepte einplanen; das schriftliche Konzept ist kein Anhang, sondern Grundlage des strukturierten Gesprächs. |
| HAW Hamburg (Berufungsordnung vom 10.06.2021 in der Fassung vom 24.07.2025, § 7) | Lehrprobe vor Studierenden von mindestens 45 Minuten und ein getrennter Fachvortrag von mindestens 30 Minuten; Studierendengruppe und fachliches Niveau werden vorab mitgeteilt; einer der beiden Vorträge soll auf Englisch sein; nach der Lehrprobe Fragebogen der Studierenden. | Die Lehrprobe genau auf die genannte Gruppe zuschneiden und im Gespräch begründen können, warum Sie sie so aufgebaut haben. |
| HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen (Informationsseite Berufungsverfahren) | Probelehrveranstaltung mit Studierenden der Hochschule; die Studierenden sprechen danach ein Votum aus, das für die Kommission besondere Bedeutung hat; anschließend Vorstellungsgespräch. | Die Studierenden sind ein eigenes Urteilsgremium: Aktivierung und Verständlichkeit zählen sichtbar mit. |
| Universität Göttingen (QS-BV-O, Fassung vom 31.03.2023, §§ 6, 11) | Mindestens ein hochschulöffentlicher Probevortrag mit Aussprache, in dem Forschung und Lehre zur Sprache kommen sollen; danach Fragen der Kommission in nicht öffentlicher Sitzung. Vorträge finden grundsätzlich in Präsenz statt; mit qualifizierter Mehrheit und im Einvernehmen mit dem zuständigen Präsidiumsmitglied kann die Kommission sie ganz per Videokonferenz oder als Mischform nach Wahl der Kandidatin oder des Kandidaten ansetzen. | Rechnen Sie mit Präsenz, prüfen Sie aber, ob die Einladung eine Onlineteilnahme anbietet; ein Vortrag sollte dann auch am Bildschirm funktionieren. |
| Universität Siegen (FAQ zu Berufungsverfahren) | In der Regel werden mindestens sechs geeignete Personen zu einem Probevortrag mit anschließendem persönlichem Gespräch eingeladen; danach holt die Hochschule auswärtige vergleichende Gutachten ein. Den Stand der Bewerbung zeigt das Stellenportal. | Mit mehreren Mitbewerbenden rechnen; der Vortrag entscheidet mit, wer in die Begutachtung kommt. |
Gleiche Bedingungen für alle. Viele Ordnungen verlangen, dass alle Eingeladenen unter vergleichbaren Bedingungen antreten. Die TH Köln schreibt vor, dass alle Probelehrveranstaltungen „unter gleichen Bedingungen“ stattfinden, ausdrücklich mit Blick auf Vorbereitungszeit, Art der Lehrveranstaltung und Themengestaltung; die HAW Hamburg verlangt, dass das Gespräch bei jeder Person vergleichbar lang dauert. Für Sie heißt das: Fragen nach Zeit, Technik oder Zielgruppe sind legitim, und die Antwort gilt in der Regel auch für alle anderen.
Beispiel (fiktiv) für einen Vorstellungstag an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften: Am Vormittag halten Sie die Lehrprobe vor einer Gruppe aus dem dritten Semester, danach füllen die Studierenden einen Fragebogen aus. Nach einer kurzen Pause folgt der Fachvortrag mit Diskussion vor der Hochschulöffentlichkeit. Am frühen Nachmittag sprechen Sie nicht öffentlich mit der Kommission über Ihr Lehr- und Forschungskonzept und darüber, wie Sie die Lehrprobe aufgebaut haben. Zum Schluss gibt es ein kurzes Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten und eine Führung durch die Labore.
An einer Universität kann derselbe Tag ganz anders aussehen: mehrere Kandidatinnen und Kandidaten tragen nacheinander vor, die Lehrprobe entfällt oder findet an einem anderen Tag statt, und das Gespräch wird am Abend geführt. Planen Sie deshalb Ihre Kräfte für den ganzen Tag, nicht nur für den Vortrag.
Präsenz oder online. Ob ein Vortrag per Videokonferenz stattfinden kann, ergibt sich aus der Ordnung der Hochschule und der Einladung. In Göttingen finden Anhörungen und Vorträge grundsätzlich in Präsenz statt; die Kommission kann aber mit der Mehrheit ihrer Mitglieder und der Mehrheit ihrer Professorinnen und Professoren im Einvernehmen mit dem zuständigen Präsidiumsmitglied beschließen, sie ausschließlich per Bild- und Tonübertragung oder als Mischform durchzuführen, bei der jede Kandidatin und jeder Kandidat frei zwischen Präsenz und Übertragung wählt. Die Hochschulöffentlichkeit wird dann über eine Anmeldung hergestellt, eine Aufzeichnung ist unzulässig (QS-BV-O, § 11). Andere Ordnungen ziehen eine engere Grenze: Die HfK Bremen erlaubt externen Kommissionsmitgliedern eine digitale Zuschaltung, aber gerade nicht bei den Anhörungen (§ 4 Abs. 8). Wer dort aus Gründen, die er nicht zu vertreten hat, nicht erscheinen kann, kann einen weiteren Termin erhalten; wer ohne Begründung fehlt, scheidet aus (§ 9 Abs. 4). Ist ein Onlinetermin vorgesehen, testen Sie Kamera, Ton und Bildschirmfreigabe vorab mit der Hochschule und halten Sie eine Telefonnummer für den Notfall bereit.
Wie bauen Sie einen überzeugenden Berufungsvortrag auf?
Ein guter Berufungsvortrag verbindet Ihre bisherige Leistung mit einer nachvollziehbaren Perspektive für die ausgeschriebene Professur.
Die Kommission will nach dem Vortrag zwei Fragen beantworten können: Was hat diese Person wissenschaftlich geleistet, und was wird sie an dieser Hochschule voranbringen? Der Berufungsvortrag ist deshalb kein normaler Konferenzvortrag. Auf einer Tagung zeigen Sie ein Ergebnis vor Spezialisten; hier zeigen Sie ein Forschungsprogramm vor einem gemischten Publikum, in dem neben Fachkolleginnen auch Mitglieder aus Nachbarfächern, wissenschaftliche Mitarbeitende und Studierende sitzen.
Der rote Faden: Frage, Beitrag, Ergebnisse, Perspektive
Ein bewährter Aufbau folgt einer einzigen Linie vom Problem zur Zukunft. Die folgende Gliederung ist ein redaktionelles Beispiel, keine Vorgabe einer Hochschule:
- Ausgangsproblem: Welche Frage bearbeiten Sie, und warum ist sie für das Fach wichtig? Nach den ersten Minuten sollte das Publikum wissen, worum es geht.
- Eigener Beitrag und wichtigste Ergebnisse: eine kleine Auswahl von Arbeiten, die zeigen, was Sie selbst herausgefunden haben. Machen Sie Ihren Anteil an gemeinsamen Projekten sichtbar.
- Nächster Forschungsschritt: Was folgt aus den Ergebnissen? Welche Frage wollen Sie als Nächstes beantworten, mit welchen Methoden und Daten?
- Anschluss an Fach und Standort: Wie passt das Vorhaben zur Denomination, zu Studiengängen, Zentren und möglichen Kooperationen der Hochschule?
- Klarer Schlusspunkt: eine These oder eine Leitfrage, an der die Diskussion ansetzen kann.
Weniger ist dabei mehr. Eine vollständige Publikationschronik ermüdet und verdeckt Ihr Profil; ausgewählte Ergebnisse mit erkennbarem Zusammenhang zeigen es. Methoden erklären Sie so tief, wie die Kernbotschaft es verlangt: genug, damit Fachkolleginnen die Belastbarkeit einschätzen können, aber nicht so tief, dass Nachbarfächer den Faden verlieren. Ein guter Test ist, ob eine fachfremde Kollegin nach dem Vortrag Ihre Forschungsfrage in einem Satz wiedergeben kann.
Für ein gemischtes Publikum bauen. Ein hilfreiches Prinzip ist der Aufbau in zwei Ebenen. Jeder Abschnitt beginnt mit einem Satz, den alle im Raum verstehen, etwa „Wir wissen nicht, warum Betriebe Altteile lieber entsorgen als aufbereiten“. Danach folgt die Ebene für die Fachleute: Daten, Methode, Ergebnis. Wer aus einem Nachbarfach kommt, verliert so nie den Faden, und die Fachkolleginnen bekommen die Tiefe, die sie erwarten. Am Ende jedes Abschnitts fassen Sie in einem Satz zusammen, was das Publikum mitnehmen soll, und leiten zum nächsten Schritt über.
Folien als Stütze, nicht als Skript. Eine Folie trägt eine Aussage; die Überschrift kann diese Aussage als Satz formulieren. Abbildungen und Daten zeigen Sie so groß, dass sie in der letzten Reihe lesbar sind. Was Sie für Nachfragen brauchen, etwa Robustheitsprüfungen oder Zusatzanalysen, legen Sie in einen Anhang hinter die Schlussfolie, damit Sie in der Diskussion gezielt darauf springen können.
Beispiel (fiktiv): Eine Ingenieurin bewirbt sich auf eine Professur „Nachhaltige Produktion“. Sie beginnt mit dem Problem, dass Altteile aus der Produktion meist entsorgt statt aufbereitet werden. Dann zeigt sie zwei eigene Arbeiten: ein Verfahren, mit dem sich der Zustand gebrauchter Bauteile schneller prüfen lässt, und eine Studie zu den Kosten der Aufbereitung. Ihr nächster Schritt ist ein Vorhaben, das beides verbindet, gemeinsam mit regionalen Zulieferern. Zum Schluss nennt sie, welche Laborausstattung der Hochschule sie dafür nutzen würde und in welchem Modul des Masterstudiengangs die Ergebnisse auftauchen könnten.
So wird in wenigen Minuten sichtbar: Originalität (ein eigenes Prüfverfahren), eigener Anteil (zwei Arbeiten unter ihrer Leitung) und ein realistisches Vorhaben, das an diese Hochschule passt.
Die Forschungsagenda und der Bezug zur Professur
Die Denomination, also die fachliche Widmung der Professur, ist der Maßstab des Vortrags. Wer sich auf „Empirische Bildungsforschung“ oder „Digital Health“ bewirbt, sollte zeigen, wie das eigene Profil dieses Gebiet künftig ausfüllt, und nicht nur, was bisher erforscht wurde. Eine tragfähige Agenda verbindet drei Ebenen:
- Bisherige Leistung: Welche Arbeiten belegen, dass Sie das Gebiet wissenschaftlich tragen können?
- Laufende Grundlage: Welche Projekte, Daten, Methoden oder Kooperationen bringen Sie mit?
- Vorhaben am neuen Ort: Welche Forschung entsteht an genau dieser Hochschule, und wie finanzieren Sie sie?
Eine Agenda überzeugt, wenn sie konkret genug ist, um glaubwürdig zu sein, und offen genug, um mehr als ein einzelnes Projekt zu tragen. Eine feste Zahl an Projekten, Folien oder Drittmittelanträgen schreibt keine Ordnung vor. Behauptete Kooperationen oder Förderzusagen, die Sie nicht belegen können, schaden mehr, als sie nützen; Kommissionen fragen nach.
Unsere Einordnung: Am häufigsten verschenkt wird der Zukunftsteil. Viele Vorträge erzählen ausführlich, was war, und hängen die Pläne in der letzten Minute an. Geben Sie Vorhaben und Anschluss an die Hochschule deshalb einen erkennbar eigenen, ausreichend langen Teil des Vortrags; das ist der Teil, den nur Sie für diese Professur liefern können.
Wenn ein schriftliches Forschungskonzept verlangt ist. Manche Hochschulen wollen das Vorhaben vorab schwarz auf weiß sehen; an der TH Köln reichen die Eingeladenen ein Lehr- und ein Forschungskonzept spätestens zwei Tage vor dem Termin ein, und das strukturierte Gespräch geht darauf ein. Vortrag und Konzept sollten deshalb dieselbe Geschichte erzählen: dieselben Vorhaben, dieselben Partner, dieselbe Reihenfolge. Das Konzept darf ausführlicher sein, etwa mit Zeitplan, benötigter Ausstattung und möglichen Förderlinien; der Vortrag zeigt die Linie und macht neugierig auf die Einzelheiten. Was die Kommission im Konzept liest, sollte sie im Vortrag wiedererkennen.
Wenn der Vortrag auf Englisch sein soll. Eine Vorgabe wie an der TH Köln, wo der Forschungsvortrag auf Englisch gehalten werden soll, verlangt mehr als übersetzte Folien. Proben Sie den gesamten Vortrag einschließlich der Fragerunde auf Englisch, denn spontane Antworten in der Fremdsprache sind der schwierigere Teil. Fachbegriffe, die in der Diskussion fallen könnten, lohnt es sich vorab zu notieren. Wer in der Sprache nicht sicher ist, spricht langsamer und in kürzeren Sätzen; das wirkt souveräner als ein auswendig gelernter Text.
Wie gestalten Sie eine Lehrprobe, die Studierende erreicht?
Eine Lehrprobe gelingt, wenn die Studierenden am Ende etwas Bestimmtes verstanden haben oder anwenden können.
Die Lehrprobe ist keine Vorlesung über Ihr Forschungsgebiet und keine Show für die Kommission. Sie ist eine kurze, echte Lehrveranstaltung: Die Studierenden sollen danach etwas können, was sie vorher nicht konnten. Daran misst sich, ob Sie Lehre planen und durchführen können. Wer einen Forschungsvortrag unverändert als Lehrprobe hält, verfehlt die Aufgabe.
Thema und Lernziel passend eingrenzen
Ist das Thema vorgegeben, nennt die Einladung es zusammen mit den Rahmenbedingungen; an der HAW Hamburg etwa werden Zusammensetzung der Studierendengruppe und fachliches Niveau vorab mitgeteilt. Ist es frei, wählen Sie ein Grundlagenthema, das zur Professur gehört und in der verfügbaren Zeit wirklich zu bewältigen ist. Typische Themen sehen etwa so aus (Beispiele):
- Betriebswirtschaft: „Die Kapitalwertmethode in der Investitionsrechnung“
- Informatik: „Grundlagen der objektorientierten Programmierung“
- Maschinenbau: „Werkstoffprüfung mit Zugversuch und Härteprüfung“
- Soziale Arbeit: „Systemische Beratungsansätze in der Jugendhilfe“
Formulieren Sie danach ein Lernziel in einem Satz, aus Sicht der Studierenden: „Am Ende können Sie für ein einfaches Investitionsprojekt den Kapitalwert berechnen und deuten.“ Alles, was nicht zu diesem Ziel beiträgt, kommt in die Zusatzfolien oder fällt weg. Prüfen Sie im Modulhandbuch, in welchem Semester das Thema liegt und was die Studierenden aus früheren Modulen mitbringen. Rechnen Sie mit dem tatsächlichen Vorwissen, nicht mit dem, was im Idealfall vorhanden sein sollte.
Erklärung, Aktivierung und Ergebnissicherung
Ein kleiner Lehrplan hilft, die Zeit zu strukturieren. Die Tabelle zeigt einen möglichen Ablauf für eine Lehrprobe von 45 Minuten; die Minuten sind ein frei gewähltes Beispiel, keine Norm.
| Phase | Zweck | Mögliche Aktivität | Beispiel bei 45 Minuten |
|---|---|---|---|
| Einstieg | Interesse wecken, Vorwissen aktivieren, Lernziel nennen | kurze Frage an die Gruppe oder ein Alltagsfall | 5 Minuten |
| Erklärung | den Kern verständlich machen | Erklärung an einem durchgehenden Fall, Skizze an Tafel oder Folie | 15 Minuten |
| Anwendung | die Studierenden selbst denken lassen | kleine Aufgabe allein oder zu zweit, Rückfragen einsammeln | 15 Minuten |
| Sicherung | das Ergebnis festhalten und einordnen | Lösung gemeinsam besprechen, drei Kernaussagen festhalten, Ausblick auf die nächste Sitzung | 10 Minuten |
Beispiel (fiktiv) für eine Lehrprobe zur Kapitalwertmethode: Zum Einstieg fragen Sie die Gruppe, ob sie heute 1.000 Euro oder in drei Jahren 1.100 Euro nehmen würde, und lassen kurz abstimmen. Aus den Begründungen entwickeln Sie den Gedanken, dass Geld heute mehr wert ist als später, und nennen das Lernziel. In der Erklärungsphase rechnen Sie an der Tafel ein einziges Investitionsprojekt durch und benennen jeden Schritt: Zahlungen auflisten, abzinsen, summieren. In der Anwendung bekommen die Studierenden ein zweites Projekt mit leicht geänderten Zahlen und entscheiden zu zweit, ob es sich lohnt. Zur Sicherung vergleichen Sie zwei Lösungen, halten drei Kernaussagen fest und kündigen an, was in der nächsten Sitzung folgt: der Vergleich mehrerer Projekte.
So sieht die Kommission in kurzer Zeit alles, was eine Lehrprobe zeigen soll: ein klares Ziel, eine verständliche Erklärung, eine echte Aufgabe für die Studierenden und eine Sicherung des Ergebnisses.
Aktivierung muss nicht aufwendig sein. Eine einzige gut gestellte Aufgabe, bei der Sie sehen, ob die Studierenden das Prinzip verstanden haben, wirkt stärker als drei Methodenwechsel. Planen Sie für die Anwendungsphase eine Musterlösung und eine Ausweichfrage ein, falls die Gruppe schneller oder langsamer ist als gedacht. Wo die Hochschule danach ein Gespräch über die Lehrprobe vorsieht, sollten Sie Ihre Entscheidungen begründen können: An der HAW Hamburg müssen Bewerberinnen und Bewerber im Gespräch die didaktischen und methodischen Planungen ihrer Lehrprobe begründen und das Lernziel erörtern.
Tafel oder Folien? Beides kann funktionieren. Entscheidend ist, dass die Studierenden mitschreiben und mitdenken können. Eine Herleitung, die an der Tafel entsteht, ist oft leichter zu verfolgen als eine fertige Folie; umgekehrt helfen Folien bei Abbildungen und Daten. Wählen Sie, was dem Thema dient, und klären Sie vorher, was im Raum vorhanden ist.
Wenn es anders läuft als geplant. Zwei Situationen kommen in Lehrproben häufig vor. Erstens: Eine Studentin stellt eine Frage, die vom Plan wegführt. Beantworten Sie sie kurz, wenn sie zum Lernziel beiträgt, und parken Sie sie sonst sichtbar, etwa mit einer Notiz an der Tafel und dem Versprechen, am Ende darauf zurückzukommen. Zweitens: Die Aufgabe dauert länger als gedacht. Dann kürzen Sie nicht die Sicherung, sondern einen Teil der Erklärung; ohne Sicherung fehlt der Moment, in dem die Studierenden merken, was sie gelernt haben. Beide Reaktionen können Sie im anschließenden Gespräch begründen, und genau das zeigt Lehrkompetenz.
Wenn keine Lerngruppe im Raum ist. Oft findet die Lehrprobe nicht vor einer regulären Lerngruppe statt, sondern nur vor der Kommission mit ihren studentischen Mitgliedern. Halten Sie die Veranstaltung trotzdem so, als säße eine Lerngruppe des genannten Semesters vor Ihnen: Stellen Sie die geplanten Fragen, geben Sie die Aufgabe aus und warten Sie auf Antworten. Eine Lehrprobe, die plötzlich zur Erläuterung für Fachleute wird, zeigt gerade nicht, wie Sie lehren. Wenn die Einladung offenlässt, wer zuhört, fragen Sie nach.
Das Lehrkonzept als Brücke. Wird ein schriftliches Lehrkonzept verlangt, gehört die Lehrprobe hinein: als Beispiel dafür, wie Sie Lernziele formulieren und Veranstaltungen aufbauen. Ein gutes Lehrkonzept nennt außerdem, welche Module der ausgeschriebenen Professur Sie übernehmen könnten, welche Lehrformen Sie einsetzen und wie Sie Prüfungen gestalten. Die Kommission sieht dann, dass die Lehrprobe kein einmaliger Auftritt war, sondern zu einer durchdachten Lehre gehört.
Was unterscheidet Universität und HAW?
Welche Mischung aus Forschung, Lehre und Praxis zählt, ergibt sich aus der konkreten Professur und dem Auswahlverfahren.
Eine pauschale Rangfolge, nach der an Universitäten nur die Forschung und an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) nur die Lehre zählt, gibt es nicht. Beide prüfen die pädagogische Eignung, denn sie gehört nach § 44 Nr. 2 des Hochschulrahmengesetzes und den Landesgesetzen zu den Einstellungsvoraussetzungen jeder Professur. Auch eine Universität kann eine Lehrprobe verlangen, und HAWs lassen häufig einen eigenen Fachvortrag halten, wie die Beispiele aus Köln und Hamburg zeigen. Unterschiedlich sind eher die Schwerpunkte, auf die Sie sich vorbereiten sollten.
Vorbereitungsschwerpunkte nach Hochschulart. Die Tabelle beschreibt typische Erwartungen, die Ausschreibung der einzelnen Professur geht immer vor:
| Hochschulart | Worauf Sie im Vortrag Wert legen | Worauf Sie in der Lehrprobe Wert legen |
|---|---|---|
| Universität | Forschungsprofil mit eigener Handschrift, Anschluss an Verbünde und internationale Diskussion, Betreuung von Promovierenden | anspruchsvolle Lehre, die Forschung und Grundlagen verbindet; sauberes Niveau für die jeweilige Studienphase |
| HAW | anwendungsbezogene Forschung und Transfer: Wie wird aus einer Praxisfrage ein Projekt mit Partnern, und was haben Studierende davon? | Praxis in lehrbare Probleme übersetzen, mit Beispielen aus der Berufspraxis, die zum Lernziel führen |
| Kunst- und Musikhochschule | künstlerisches oder wissenschaftliches Profil, Werk und Wirkung für die Hochschule | pädagogische Haltung im Einzel- oder Gruppenunterricht, oft als Unterricht mit Studierenden |
Kunst- und Musikhochschulen prüfen die künstlerische oder wissenschaftliche und die pädagogische Eignung oft in eigenen Formen. An der HfK Bremen besteht jede Anhörung aus einem hochschulöffentlichen Vortrag und einem nicht öffentlichen Auswahlgespräch, gegebenenfalls ergänzt um Lehrproben oder ein Gespräch mit Studierenden; welche Formen gelten, steht in der Einladung (Berufungsordnung 2024, § 9 Abs. 3 und 5). Bereiten Sie sich dort auf Unterricht mit Studierenden genauso vor wie auf den Vortrag.
An HAWs kommt hinzu, dass Professorinnen und Professoren in der Regel eine mehrjährige berufliche Praxis nachweisen müssen; in Bayern verlangt Art. 57 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BayHIG in der Regel mindestens fünf Jahre nach dem Studium, davon mindestens drei außerhalb des Hochschulbereichs; in besonders begründeten Fällen lässt das Gesetz Abweichungen zu (Sätze 2 bis 4). Diese Praxis ist im Vortrag ein Kapital: Zeigen Sie, welche Fragen aus Ihrer Berufstätigkeit Sie in Forschung und Lehre mitnehmen. Ein Beispiel: Wer jahrelang Qualitätssicherung in einem Werk verantwortet hat, kann in der Lehrprobe eine echte Reklamation als Fall verwenden und daran ein statistisches Prüfverfahren erklären, und im Vortrag zeigen, wie daraus ein Transferprojekt mit Unternehmen der Region werden kann. Wie sich die beiden Professurarten insgesamt unterscheiden, erklärt Professur an Uni oder HAW; wer die Lehrbelastung einschätzen will, findet sie unter Lehrdeputat.
Worauf achten Kommission und Studierende?
Die Kommission beurteilt Ihre fachliche Eignung und die Passung zur Professur; in der Lehrprobe wird außerdem sichtbar, wie Sie Inhalte vermitteln.
Woran genau gemessen wird, legt die Kommission vor dem Termin fest. In Nordrhein-Westfalen muss sie ihre Entscheidungskriterien schon vor der Sichtung der Bewerbungen aufstellen und aktenkundig machen; ändern darf sie sie danach nicht mehr. Die hier ausgewerteten Gesetze, HG NRW und BayHIG, schreiben keine festen Gewichte zwischen Forschung, Lehre und Persönlichkeit vor; die Gewichtung legt die Kommission für das einzelne Verfahren fest. An der TH Köln etwa sind die Auswahlkriterien und deren Gewichtung schon in der ersten Sitzung zu dokumentieren (Berufungsordnung, § 9 Abs. 8). Die folgende Tabelle zeigt, woran die üblichen Kriterien im Vortrag erkennbar werden und wie Sie sich darauf vorbereiten.
Kriterien und woran man sie erkennt.
| Kriterium | Woran es im Vortrag erkennbar wird | Wie Sie sich vorbereiten |
|---|---|---|
| Fachlichkeit und Eigenanteil | präzise Aussagen, klare Abgrenzung des eigenen Beitrags von dem des Teams | für jede gezeigte Arbeit einen Satz „Mein Anteil war …“ formulieren |
| Struktur | erkennbarer roter Faden, Zwischenfazits, ein klarer Schluss | Gliederung zuerst auf eine Seite schreiben, dann Folien bauen |
| Verständlichkeit | Nachbarfächer und Studierende können folgen, Fachbegriffe werden erklärt | Probe vor einer fachfremden Person |
| Forschungsplan | konkrete nächste Vorhaben mit Methoden, Partnern und Finanzierungsweg | die nächsten Vorhaben so ausarbeiten, dass Sie Nachfragen zu Methode, Partnern und Finanzierung beantworten können |
| Lehre | Lernziel, Aktivierung und Sicherung in der Lehrprobe; Lehrideen im Gespräch | Lehrplan mit Begründung je Phase, Bezug zu Modulen der Hochschule |
| Passung zur Professur | Bezug zur Denomination, zu Studiengängen und Schwerpunkten der Fakultät | Ausschreibung in drei Kernerwartungen übersetzen und jede im Vortrag ansprechen |
| Diskussionsfähigkeit | ruhige, präzise Antworten, auch auf kritische Fragen | Fragerunde mit Kolleginnen üben, schwierige Fragen vorher sammeln |
Was die Kommission festhält. Ihr Eindruck vom Tag wird nicht nur besprochen, sondern dokumentiert. Die TH Köln schreibt in § 13 ihrer Berufungsordnung vor, dass für die Beurteilung ausschließlich die Anforderungen der Stelle maßgeblich sind, wie sie sich aus Anforderungsprofil, Ausschreibungstext und Auswahlkriterien ergeben, und dass die Bewertung jeder Person „einzeln, ausführlich, nachvollziehbar und widerspruchsfrei“ zu dokumentieren ist. Für Ihre Vorbereitung heißt das: Die Ausschreibung ist die Bewertungsvorlage. Was dort als Erwartung steht, sollte im Vortrag, in der Lehrprobe oder im Gespräch ausdrücklich vorkommen, damit die Kommission es notieren kann.
Wer im Raum sitzt und wer mitredet
Im Raum sitzt immer die Berufungskommission; ist der Vortrag öffentlich, kommen weitere Hochschulangehörige hinzu. Bei der Lehrprobe sind manchmal weitere Studierende dabei, oft nicht. Die Kommission besteht überwiegend aus Professorinnen und Professoren, dazu kommen wissenschaftliche Mitarbeitende, Studierende und die Gleichstellungsbeauftragte. In Bayern schreibt Art. 66 Abs. 4 BayHIG vor, dass dem Berufungsausschuss mindestens eine Vertretung der wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Promovierenden, eine Vertretung der Studierenden, die Gleichstellungsbeauftragte und mindestens ein auswärtiges Mitglied angehören; die Professorinnen und Professoren haben die Stimmenmehrheit. Ist mit der Professur eine Aufgabe im Universitätsklinikum verbunden, kann die Ärztliche Direktion beratend teilnehmen; mehr dazu unter Professur in der Medizin.
Wer in der Kommission sitzt und wer mitstimmt, steht unter Berufungskommission.
Die Studierenden haben eine eigene Stimme. Nach Art. 66 Abs. 5 Satz 5 BayHIG soll die Studiendekanin oder der Studiendekan, und die Vertreterinnen oder Vertreter der Studierenden im Fakultätsrat können „zu den Fähigkeiten und Erfahrungen der Bewerberinnen und Bewerber in der Lehre Stellung nehmen“. An der HAWK sprechen die Studierenden nach der Probelehrveranstaltung ein Votum aus, an der HAW Hamburg füllen sie direkt nach der Lehrprobe einen Fragebogen aus und können zusätzlich ein gemeinsames schriftliches Votum abgeben. Die Entscheidung trifft die Kommission, aber eine Lehrprobe, die über die Köpfe der Studierenden hinweg zur Kommission spricht, verfehlt eine Gruppe, deren Urteil ausdrücklich eingeholt wird.
Unsere Einordnung: Sind Studierende dabei, achten sie in einer Lehrprobe vor allem auf das, was sie selbst erleben: Verstehen sie, worum es geht? Werden ihre Fragen ernst genommen? Wissen sie am Ende, was sie gelernt haben? Fachliche Brillanz, die bei ihnen nicht ankommt, zählt in ihrem Urteil wenig. Behandeln Sie die Gruppe deshalb wie Ihre künftigen Studierenden und nicht wie Statisten, die der Kommission eine Kulisse bieten.
Öffentlich ist meist nur der Vortrag. Das Gespräch mit der Kommission findet hinter verschlossenen Türen statt, und die Kommission berät vertraulich.
Warum es die Lehrprobe gibt: die Rechtsgrundlage
Die Lehrprobe gibt es, weil die pädagogische Eignung eine gesetzliche Voraussetzung für jede Professur ist. § 36 Abs. 1 Nr. 2 HG NRW nennt die „pädagogische Eignung, die durch eine entsprechende Vorbildung nachgewiesen oder ausnahmsweise im Berufungsverfahren festgestellt wird“; Bayern führt sie in Art. 57 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BayHIG, der Bundesrahmen in § 44 Nr. 2 HRG. Drei Folgen für Sie:
- Die Lehrprobe ist ein Nachweis. Wer hochschuldidaktische Weiterbildung und Lehrevaluationen mitbringt, hat einen Teil schon belegt; die Lehrprobe zeigt die Eignung am konkreten Fall.
- Sie wird an vorher festgelegten Kriterien gemessen. In Nordrhein-Westfalen muss die Kommission sicherstellen, „dass das Kriterium der pädagogischen Eignung in besonderer Weise abgebildet wird“ (§ 38 Abs. 6 HG NRW).
- Sie ist nicht das ganze Verfahren. Im Berufungsvorschlag sind nach Art. 66 Abs. 5 Satz 6 BayHIG „die fachliche, pädagogische und persönliche Eignung eingehend und vergleichend zu würdigen“ und die Reihenfolge zu begründen. Eine Gewichtung der drei Bereiche legt die Norm nicht fest.
Wie reagieren Sie auf Fragen im Anschluss?
Die Diskussion zeigt, wie Sie mit Einwänden, fachlichen Grenzen und neuen Perspektiven umgehen.
Die Fragerunde nach dem Vortrag ist Teil der Bewertung und oft der Moment, an den sich die Kommission am besten erinnert. Hier zeigt sich, ob jemand Kritik aufnimmt, die Grenzen der eigenen Ergebnisse kennt und auch unter Druck klar bleibt. Gute Antworten sind kurz, strukturiert und nicht defensiv.
Nachfragen zu Forschung und Lehre
Eine einfache Antwortstruktur hilft in fast jeder Lage:
- Frage präzisieren: Wiederholen Sie den Kern der Frage in einem Satz oder fragen Sie nach, wenn sie unklar ist.
- Fachlich antworten: Geben Sie die Antwort zuerst und die Begründung danach.
- Grenze oder nächsten Schritt benennen: Wenn Sie etwas nicht wissen, sagen Sie, wie Sie es klären würden.
Beispiel 1 (fiktiv), kritische Methodenfrage: „Ihre Stichprobe ist klein. Wie belastbar sind die Ergebnisse?“ Eine gute Antwort räumt die Grenze ein, ordnet sie ein und zeigt den Weg: „Die Stichprobe umfasst 40 Betriebe, das reicht für den Effekt, den ich gezeigt habe, aber nicht für Unterschiede zwischen Branchen. Genau das ist der Ausgangspunkt des nächsten Vorhabens mit einer größeren Erhebung.“
Beispiel 2 (fiktiv), Frage zur Lehrprobe: „Warum haben Sie die Formel nicht hergeleitet?“ Antwort: „Das Lernziel war, den Kapitalwert anwenden und deuten zu können. Für die Herleitung hätte die Zeit nicht gereicht; im regulären Modul würde ich sie in der Übung nachholen.“
Typische Nachfragen betreffen die Passung zur Denomination, die Abgrenzung zu konkurrierenden Ansätzen, Methoden, Datenzugang, ethische Fragen und Ihre Pläne für Drittmittel. An HAWs kommen häufig Fragen zur Berufspraxis, zur Lehre in großen Gruppen und zur Zusammenarbeit mit Praxispartnern hinzu.
Drei Fragetypen bringen viele aus dem Konzept. Für jeden hilft eine vorbereitete Linie:
- Die Frage außerhalb Ihres Gebiets: Sagen Sie offen, wo Ihre Expertise endet, und zeigen Sie, wie Sie sich der Frage nähern würden oder mit wem an der Hochschule Sie sie bearbeiten könnten. Erfundene Antworten fallen in einer Fachrunde fast immer auf.
- Die Frage nach Geld: „Wie wollen Sie das finanzieren?“ Nennen Sie konkrete Förderlinien oder Partner, bei denen Sie realistische Chancen sehen, und was Sie bereits eingeworben oder beantragt haben. Ein allgemeines „über Drittmittel“ überzeugt wenig.
- Die Frage nach der Lehre: „Welche Veranstaltungen würden Sie übernehmen?“ Nennen Sie Module aus dem Studienangebot der Hochschule und eine eigene Idee für eine neue Veranstaltung. Wer das Modulhandbuch gelesen hat, antwortet hier sichtbar besser.
Fragen aus dem Publikum, etwa von Mitgliedern anderer Fächer oder manchmal von Studierenden, verdienen dieselbe Sorgfalt wie Fragen aus der Kommission. Eine einfache, ehrliche Antwort an eine Studentin zeigt den Kommissionsmitgliedern oft mehr über Ihre Lehre als jede Folie.
Das Gespräch über Aufgaben und Ausstattung
Im nicht öffentlichen Gespräch mit der Kommission geht es um die Rolle, die Sie an der Hochschule übernehmen würden: Lehre in den Studiengängen, Forschung, Betreuung, Selbstverwaltung und Zusammenarbeit im Kollegium. An der TH Köln wird dieses Gespräch als strukturiertes Gespräch geführt, das auf das Anforderungsprofil, die eingereichten Lehr- und Forschungskonzepte, die Probelehrveranstaltung und den Forschungsvortrag eingeht. Bereiten Sie auch eigene Fragen vor, etwa zum Lehrprofil der Professur, zu Kooperationen, zu Ressourcen und zum weiteren Ablauf des Verfahrens. Wer gute Fragen stellt, zeigt, dass er die Professur schon von innen denkt.
Drei Beispiele für eigene Fragen, die im Gespräch gut funktionieren:
- „Welche Module soll die neue Professur in den ersten Semestern übernehmen, und wo sehen Sie den größten Bedarf?“
- „Mit welchen Arbeitsgruppen oder Zentren der Hochschule wäre eine Zusammenarbeit besonders erwünscht?“
- „Wie geht das Verfahren nach dem heutigen Tag weiter, und wann ist mit einer Rückmeldung zu rechnen?“
Fragen nach Gehalt und Ausstattung im Einzelnen wirken an dieser Stelle meist verfrüht. Eine allgemeine Frage, welche Grundausstattung für die Professur vorgesehen ist, ist dagegen sachlich und hilft Ihnen später bei der Verhandlung.
Konkrete Ausstattungswünsche und Gehalt verhandeln Sie in der Regel erst nach dem Ruf. Die häufigsten Fragen der Kommission und mögliche Antworten sammelt der Artikel Fragen im Berufungsverfahren.
Wie bereiten Sie sich praktisch vor?
Planen Sie mindestens eine vollständige Probe unter den Bedingungen des Termins ein.
Eine Probe unter echten Bedingungen zeigt, ob die Zeit reicht, ob die Übergänge sitzen und wo das Publikum aussteigt. Die folgende Reihenfolge ist eine redaktionelle Empfehlung; wie viel Zeit Sie dafür brauchen, hängt von Ihrem Material und dem Abstand zwischen Einladung und Termin ab.
- Ausschreibung und Module lesen: Denomination, Aufgaben und Studiengänge der Professur in drei Kernerwartungen übersetzen; Modulhandbuch für die Lehrprobe ansehen.
- Vortrag und Lehrplan entwerfen: zuerst die Gliederung auf einer Seite, dann Folien und Materialien.
- Mit fachnaher und fachfremder Person proben: Die fachnahe Person prüft die Substanz, die fachfremde die Verständlichkeit.
- Zeit und Diskussion testen: mit Stoppuhr, einschließlich einer Fragerunde mit unbequemen Fragen.
- Kürzen: Was in der Probe keinen Platz fand, kommt in die Zusatzfolien.
- Technik und Ersatzdatei prüfen: Präsentation als PDF auf einem USB-Stick und in der Cloud, passende Adapter, Fernbedienung, Stift für die Tafel.
Wie viel Zeit bleibt zwischen Einladung und Termin? Das ist unterschiedlich und oft knapp. Die TH Köln lädt nach ihrer Berufungsordnung drei bis fünf Wochen vor dem Termin ein. Wer drei Wochen hat, kann zum Beispiel so planen:
Beispiel (Planung frei gewählt) für drei Wochen: In der ersten Woche lesen Sie Ausschreibung, Modulhandbuch und Internetauftritt der Fakultät, legen die Gliederung des Vortrags und das Lernziel der Lehrprobe fest und fragen offene Punkte der Einladung nach. In der zweiten Woche entstehen Folien, Aufgaben und gegebenenfalls die schriftlichen Konzepte; am Ende steht eine erste vollständige Probe. In der dritten Woche folgen die Generalprobe mit Fragerunde, das Kürzen, die Abgabe verlangter Unterlagen und der Technikcheck.
Wenn Sie schon einen Berufungsvortrag für ein anderes Verfahren gehalten haben, sparen Sie Zeit, aber nicht die Anpassung: Denomination, Studiengänge und mögliche Kooperationen sind an jeder Hochschule andere, und Kommissionen bemerken einen Vortrag, der erkennbar für einen anderen Ort gebaut wurde.
Häufige Fehler und was dagegen hilft
Die meisten Fehler lassen sich mit einer ehrlichen Probe vermeiden. Die Tabelle koppelt jeden typischen Fehler an seine Abhilfe:
| Fehler | Was dagegen hilft |
|---|---|
| zu viele Ergebnisse | auf wenige Beiträge mit gemeinsamer Linie beschränken |
| unklarer Eigenanteil | bei jeder Arbeit sagen, was Ihr Beitrag war |
| zu hohes Vorwissen vorausgesetzt | Begriffe erklären, Probe vor einer fachfremden Person |
| Zeitüberschreitung | mit Stoppuhr proben, eine Kürzungsstelle vorab markieren |
| fehlende Rückfallebene | Ersatzdatei als PDF, Tafelskizze für den Kern, Ausdruck der Gliederung |
| Konferenzvortrag statt Berufungsvortrag | Bezug zur Denomination und zur Hochschule in Einstieg und Schluss |
| Pläne ohne Bodenhaftung | nur Kooperationen und Mittel nennen, die Sie belegen können |
| defensive Diskussion | Kritik als Frage behandeln, Grenze benennen, nächsten Schritt zeigen |
Checkliste für die letzten Tage
- Einladung noch einmal lesen: Zeiten, Raum, Sprache, Fristen für Unterlagen.
- Vorab verlangte Konzepte fristgerecht eingereicht und eine Kopie dabei.
- Vortrag auf eine klare These und wenige zentrale Beiträge reduziert, Zukunftsteil ausgearbeitet.
- Lehrprobe mit Lernziel, Aufgabe, Musterlösung und Ausweichfrage.
- Drei eigene Fragen an die Kommission notiert.
- Präsentation in zwei Formaten gesichert, Adapter und Ersatzgerät eingepackt.
- Anreise mit Zeitpuffer geplant, Ansprechperson und Telefonnummer der Hochschule griffbereit.
Unsere Einordnung: Die beste Investition ist eine Generalprobe mit Menschen, die ehrlich sind. Eine Woche Feinschliff an Folien bringt weniger als eine Stunde, in der Kolleginnen sagen, wo sie den Faden verloren haben.
Mit Nervosität umgehen. Aufregung gehört zu einem Termin, bei dem viel auf dem Spiel steht, und die Kommission weiß das. Hilfreich ist, was Ihnen Sicherheit gibt: die ersten zwei Minuten fast wörtlich vorbereitet, eine ausgedruckte Gliederung auf dem Pult, ein Glas Wasser, eine Uhr im Blick. Kommen Sie früh genug, um den Raum zu sehen und die Technik zu prüfen. Wenn Sie den Faden verlieren, sagen Sie es kurz, schauen auf die Gliederung und machen weiter; das wirkt souveräner als hastiges Überspielen.
Was geschieht danach – und wer übernimmt die Reisekosten?
Nach dem Termin bewertet die Hochschule die Bewerbungen weiter; eine Einladung ist noch keine Zusage oder Listenplatzierung.
Nach den Vorstellungen berät die Kommission. In vielen Verfahren holt sie danach auswärtige, vergleichende Gutachten über die Personen ein, die auf die Liste kommen sollen: In Bayern verlangt Art. 66 Abs. 5 BayHIG den Berufungsvorschlag „unter Einholung auswärtiger und vergleichender Gutachten“, an der TH Köln sind es für jede Person, die in den Vorschlag aufgenommen werden soll, mindestens zwei vergleichende Gutachten auswärtiger Professorinnen oder Professoren (§ 14), und die Universität Siegen holt sie nach den Probevorträgen für die aussichtsreichsten Personen ein. Andere Ordnungen sehen Gutachten nur bei Bedarf vor; die HAWK schreibt, die Kommission hole „ggf.“ weitere Gutachten ein. Daraus entsteht der Berufungsvorschlag, meist mit drei Namen in einer Reihenfolge; die HAWK nennt „meist drei Kandidat*innen“, die Universität Siegen „in der Regel“ drei Einzelvorschläge. Danach beraten Fakultätsrat, Senat und Hochschulleitung, und erst dann ergeht der Ruf. Dieser Weg dauert oft Monate. Die Reihenfolge auf der Liste zählt: An der Universität Siegen erhält nach dem Beschluss des Fakultätsrats und der Beratung im Rektorat die erstplatzierte Person den Ruf. An die Reihenfolge ist die berufende Stelle aber nicht in jedem Fall gebunden: In Nordrhein-Westfalen kann die Rektorin oder der Rektor abweichend von der Reihenfolge berufen oder einen neuen Vorschlag anfordern (§ 37 Abs. 1 HG NRW). Ein zweiter oder dritter Listenplatz ist deshalb kein Misserfolg; lehnt die erstplatzierte Person ab, kommen die weiteren Plätze ins Spiel. Was die Plätze bedeuten, steht unter Berufungsliste und Listenplatz. Die HAWK weist darauf hin, dass die übrigen Bewerberinnen und Bewerber, auch wer eine Probelehrveranstaltung gehalten hat, erst nach der Rufannahme Bescheid erhalten. Wie es nach dem Ruf weitergeht, steht unter Ruf und Rufannahme und Berufungsverhandlung; das Grundgehalt der Besoldungsgruppen rechnet der Rechner für W 2 und W 3.
Nachfragen nach dem Stand. Eine kurze Nachfrage nach einigen Wochen ist üblich, wenn die Hochschule keinen Zeitplan genannt hat. Manche Hochschulen zeigen den Stand online, die Universität Siegen etwa im persönlichen Profil ihres Stellenportals. Unterlagen, die die Kommission nach dem Termin anfordert, reichen Sie zügig und vollständig ein.
Wenn es diesmal nicht klappt. Die meisten Eingeladenen erhalten am Ende keinen Ruf; bei mehreren Mitbewerbenden auf einer Liste mit drei Plätzen ist das der Normalfall und kein Urteil über Ihre Eignung. Eine Einladung zeigt, dass Ihr Profil grundsätzlich passt. Fragen Sie nach Abschluss des Verfahrens freundlich, ob eine kurze Rückmeldung möglich ist; manche Kommissionsvorsitzende geben sie, andere nicht. Notieren Sie direkt nach dem Termin, welche Fragen kamen und wo Sie unsicher waren. Diese Notizen sind die beste Vorbereitung auf das nächste Verfahren.
Reisekosten. Ob und in welchem Umfang die Hochschule Fahrt und Übernachtung erstattet, regelt sie selbst; einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch für Eingeladene gibt es nicht. Klären Sie vor der Buchung mit der einladenden Stelle, welche Kosten übernommen werden, welche Belege nötig sind und bis wann der Antrag gestellt werden muss.
Hearing in Österreich und der Schweiz
In Österreich heißt der Vorstellungstermin meist Hearing. Nach § 98 Abs. 6 des Universitätsgesetzes 2002 muss die Rektorin oder der Rektor allen geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten Gelegenheit geben, sich „in angemessener Weise zumindest dem Fachbereich und dem fachlich nahe stehenden Bereich zu präsentieren“; der Berufungskommission gehört nach Abs. 4 mindestens ein Mitglied aus der Gruppe der Studierenden an. Anders als in vielen deutschen Verfahren liegen die Gutachten dort oft vor dem Hearing: An der Universität Wien schlägt die Berufungskommission auf Basis der Gutachten vor, wer zu den Hearings eingeladen wird, und erstellt danach in der Regel einen Dreiervorschlag.
An der ETH Zürich lädt die Berufungskommission nach der Sichtung eine Größenordnung von vier bis sechs Personen ein. Nach in der Regel öffentlichen Vorträgen und geschlossenen Interviews erstellt sie eine Rangliste für den Präsidenten; Gutachten werden bei Berufungen auf eine ordentliche Professur nur ausnahmsweise eingeholt. Deutsche Verfahrensregeln lassen sich auf beide Länder nicht übertragen; maßgeblich ist die Einladung der jeweiligen Universität.
Häufige Fragen zu Berufungsvortrag und Lehrprobe
Wie lange dauert ein Berufungsvortrag?
Das legt die Einladung fest. Manche Ordnungen nennen Mindestzeiten: An der HAW Hamburg dauert die Lehrprobe mindestens 45 Minuten, der Fachvortrag mindestens 30 Minuten; an der TH Köln bestimmt die Kommission die Dauer der Probelehrveranstaltung. Hinzu kommt jeweils die Diskussion.
Muss ich den Vortrag auf Englisch halten?
Wenn die Einladung es verlangt. An der TH Köln soll der Forschungsvortrag auf Englisch gehalten werden, die Probelehrveranstaltung in der Regel auf Deutsch; an der HAW Hamburg soll einer der beiden Vorträge auf Englisch sein.
Darf das Thema aus meiner Habilitation oder Dissertation stammen?
Ja, bei freiem Thema ist die eigene Forschung der übliche Ausgangspunkt. Zeigen Sie aber, was danach kommt: Ein Vortrag, der nur die abgeschlossene Arbeit zusammenfasst, lässt die Perspektive für die Professur offen.
Kann der Vortrag online stattfinden?
Wenn die Hochschule das vorsieht. Steht in der Einladung nichts dazu, fragen Sie nach. Testen Sie bei einem Onlinetermin Kamera, Ton und Bildschirmfreigabe vorher mit der Hochschule und halten Sie eine Telefonnummer für den Notfall bereit.
Wie tief muss ich Methoden erklären?
So tief, dass Fachkolleginnen die Belastbarkeit Ihrer Ergebnisse einschätzen können, und so knapp, dass Nachbarfächer folgen. Details gehören in Zusatzfolien für die Diskussion.
Wer sitzt im Publikum?
Immer die Berufungskommission: Professorinnen und Professoren, wissenschaftliche Mitarbeitende, studentische Mitglieder und die Gleichstellungsbeauftragte. Ist der Vortrag öffentlich, kommen weitere Hochschulangehörige hinzu. Weitere Studierende sind bei der Lehrprobe manchmal dabei, oft nicht; an manchen Hochschulen geben sie danach ein eigenes Votum ab.
Was tue ich bei Technikproblemen?
Ruhig auf die Rückfallebene wechseln: Ersatzdatei als PDF, Tafel oder ausgedruckte Gliederung. Wer gelassen weiterspricht, zeigt genau die Souveränität, die eine Lehrveranstaltung braucht.
Wann darf ich nach dem Stand des Verfahrens fragen?
Nach einigen Wochen, wenn die Hochschule keinen Zeitplan genannt hat. Berufungsverfahren dauern oft Monate; an der HAWK erfahren die übrigen Bewerberinnen und Bewerber das Ergebnis erst nach der Rufannahme.
Quellen
Rechtsgrundlagen und Hochschulordnungen, auf die sich dieser Artikel stützt; für ein konkretes Verfahren gelten die Einladung und die Berufungsordnung der jeweiligen Hochschule.
- Hochschulgesetz NRW (HG), § 36 Abs. 1 Nr. 2, § 37 Abs. 1 und § 38 Abs. 6, Fassung gültig ab 4. August 2026 (GV. NRW. 2026 S. 552), abgerufen am 4. Oktober 2026
- Bayerisches Hochschulinnovationsgesetz (BayHIG), Art. 66 Abs. 4 und 5 und Art. 57 Abs. 1 und 3, Gesetz vom 5. August 2022, Text gilt ab 16. Mai 2026, abgerufen am 4. Oktober 2026
- § 44 Hochschulrahmengesetz (HRG), Einstellungsvoraussetzungen für Professorinnen und Professoren, abgerufen am 4. Oktober 2026
- TH Köln: Berufungsordnung vom 24. April 2024 (Amtliche Mitteilung Nr. 49/2024), §§ 9 und 12 bis 14, abgerufen am 4. Oktober 2026
- Universität Göttingen: Ordnung zur Qualitätssicherung in Berufungs- und Bestellungsverfahren (QS-BV-O), Fassung vom 31.03.2023 (nichtamtliche Lesefassung; Amtliche Mitteilungen I Nr. 10/2023), §§ 6 und 11, abgerufen am 4. Oktober 2026
- Hochschule für Künste Bremen: Berufungsordnung vom 11. Dezember 2024, § 4 Abs. 8 und § 9, abgerufen am 4. Oktober 2026
- HAW Hamburg: Berufungsordnung vom 10. Juni 2021 in der Fassung vom 24. Juli 2025 (nichtamtliche Lesefassung), § 7 Abs. 5 und 6, abgerufen am 4. Oktober 2026
- HAWK: Berufungsverfahren für eine HAW-Professur, Informationsseite der Hochschule, abgerufen am 3. Oktober 2026
- Universität Siegen: FAQ zu Berufungsverfahren, Informationsseite der Hochschule, abgerufen am 4. Oktober 2026
- Österreich: § 98 Universitätsgesetz 2002, Abs. 4 und 6, tagesaktuelle Fassung (zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 93/2021), abgerufen am 4. Oktober 2026
- Universität Wien, Qualitätssicherung: Berufungsverfahren nach § 98 UG, abgerufen am 4. Oktober 2026
- ETH Zürich: Ablauf des Berufungsverfahrens, abgerufen am 4. Oktober 2026