Akademischer Lebenslauf: Aufbau, Publikationen und Muster
Ein akademischer Lebenslauf beginnt mit der aktuellen Position und läuft rückwärts; Publikationen, Vorträge, Drittmittel und Lehre bekommen eigene Blöcke, Foto und Familienstand bleiben weg. Wie lang er sein darf, hängt vom Zweck ab — und hier irren die meisten Ratgeber: Für Anträge bei der DFG gilt seit März 2023 eine feste Form, höchstens vier Seiten, kein Foto, bis zu zehn begutachtete Publikationen. Für Bewerbungen auf Professuren verlangen nur 45 von 167 Ausschreibungen ausdrücklich ein Schriftenverzeichnis. Hier finden Sie den Aufbau, die Regeln für Publikationen und eine Muster-Gliederung für jede Karrierestufe.
Muster-Gliederung ansehenZum InhaltKurz gesagt
- Aktuelle Position zuerst, umgekehrt chronologisch; Foto, Familienstand und Hobbys bleiben weg.
- Publikationen nach Status trennen, eigenen Namen hervorheben, DOI angeben – Co-Autorschaften zählen mit.
- Für DFG-Anträge gilt Vordruck 53.200: höchstens vier Seiten, kein Foto, bis zu zehn begutachtete Publikationen.
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- Muster-Gliederung übernehmen – für Promotionsstelle, Postdoc und Professur.
- Publikationen nach Status trennen – erschienen, angenommen, eingereicht.
- Promotion richtig eintragen – abgeschlossen, eingereicht oder laufend.
- ORCID anlegen und angeben – in der Kopfzeile des Lebenslaufs.
- Zwei Fassungen pflegen: lang für Berufungen, kurz für die DFG.
- Passende Stellen je Stufe – Promotion, Postdoc, Professur.
Inhalt
Was gehört in einen akademischen Lebenslauf – und was nicht?
In einen akademischen Lebenslauf gehören Ihre aktuelle Position, der wissenschaftliche Werdegang, die Ausbildung, Publikationen, Vorträge, Drittmittel, Lehre und Betreuung sowie Preise und Gutachtertätigkeit; Foto, Familienstand und Hobbys bleiben weg.
Ein akademischer Lebenslauf – auch wissenschaftlicher Lebenslauf, Curriculum Vitae oder kurz CV genannt – ist kein Bewerbungs-Lebenslauf aus der Wirtschaft mit ein paar Zusatzzeilen. Er ist ein Leistungsnachweis. Unsere Einordnung: Wer ihn liest, will schnell erkennen, wo Sie gerade stehen, was Sie veröffentlicht haben, ob Sie Geld für Forschung einwerben können und ob Sie lehren. Daraus ergeben sich die Blöcke, die wir für jeden akademischen Lebenslauf empfehlen:
- Persönliche Angaben: Name, dienstliche Anschrift, E-Mail, Telefon, ORCID iD.
- Aktuelle Position: Einrichtung, Lehrstuhl oder Arbeitsgruppe, Funktion, seit wann.
- Wissenschaftlicher Werdegang: alle früheren Stellen, Forschungsaufenthalte, Gastprofessuren.
- Ausbildung: Promotion, Master oder Diplom, Bachelor, gegebenenfalls Habilitation.
- Publikationen: getrennt nach Art und Status, nummeriert.
- Drittmittel: Geldgeber, Projekt, Laufzeit, Summe, Ihre Rolle.
- Lehre und Betreuung: Veranstaltungen, betreute Abschlussarbeiten und Promotionen.
- Vorträge: eingeladene Vorträge getrennt von eingereichten Konferenzbeiträgen.
- Preise, Stipendien, Gutachtertätigkeit, Gremien, Mitgliedschaften, Sprachen.
Was weg kann. Foto, Familienstand, Religion, Namen und Berufe der Eltern, Hobbys und eine Unterschriftszeile tragen zur fachlichen Beurteilung nichts bei. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) schreibt für ihre Anträge ausdrücklich vor, kein Foto beizufügen. Für Bewerbungen gilt, was die Ausschreibung verlangt. Unsere Einordnung: Lassen Sie das Foto weg, wenn die Ausschreibung nicht ausdrücklich eines verlangt. Hobbys gehören nur hinein, wenn sie fachlich etwas zeigen, etwa Wissenschaftskommunikation oder ehrenamtliche Arbeit in einer Fachgesellschaft – dann aber unter diesem Namen und nicht als Hobby.
Was leicht vergessen wird. Gutachtertätigkeit für Zeitschriften und Förderer, Mitarbeit in Gremien der Selbstverwaltung, Organisation von Tagungen, Datensätze und Software. Diese Leistungen sind schwer zu zählen, aber sie zeigen, dass Sie in Ihrer Fachgemeinschaft eine Rolle spielen. Die DFG hat ihre Lebenslauf-Vorlage gerade deshalb umgestellt: Auch Ergebnisse jenseits klassischer Aufsätze sollen sichtbar werden.
Der Lebenslauf ist nur ein Teil der Unterlagen; welche weiteren verlangt sind, nennt die Ausschreibung. Unsere Einordnung: Rechnen Sie bei einer Professur mit Anschreiben, Lehr- und Forschungskonzept und Zeugnissen – wie diese Teile aussehen, zeigt der Artikel Bewerbung auf eine Professur.
Aufbau und Reihenfolge: So sieht die erste Seite aus
Oben steht die aktuelle Position, danach läuft jeder Block rückwärts: das Neueste zuerst, das Älteste zuletzt.
Unsere Einordnung: Die erste Seite entscheidet oft, ob weitergelesen wird. Wer viele Lebensläufe vor sich hat, sucht zuerst die aktuelle Stelle, die Promotion mit Jahr und Hochschule und den ersten Block der Publikationen. Stehen diese drei auf Seite eins, ist das Wichtigste getan.
Umgekehrt chronologisch heißt: innerhalb jedes Blocks das Neueste oben. Das gilt für Stellen, Publikationen, Drittmittel und Lehre. Bei einer frühen Bewerbung, etwa auf eine Promotionsstelle, darf der Ausbildungsblock vor dem Werdegang stehen, weil es noch kaum Stellen gibt: Was Ihre stärkste Leistung ist, gehört nach oben.
Datumsangaben einheitlich als Monat und Jahr („10/2023 – heute"), damit Lücken und Überschneidungen sichtbar sind und nicht erst gesucht werden müssen. Bei der Promotion nennen Sie das Abschlussdatum, das Ihre Promotionsordnung festlegt, meist das der mündlichen Prüfung (Disputation oder Rigorosum).
Wie lang darf der Lebenslauf sein?
Das hängt vom Zweck ab, und hier liegt der häufigste Fehler: Viele Ratgeber sagen pauschal, im akademischen Lebenslauf gebe es keine Längengrenze. Für einen DFG-Antrag stimmt das nicht – dort sind höchstens vier Seiten erlaubt. Für Bewerbungen gibt es keine allgemeine Regel; in unserer Auswertung von 167 Professur-Ausschreibungen (Stand September 2026) nannten 13 eine ausdrückliche Seiten- oder Umfangsvorgabe für irgendein Dokument der Bewerbung. Wo eine Vorgabe steht, ist sie bindend.
Unsere Einordnung für Bewerbungen ohne Vorgabe: Für eine Promotionsstelle reichen ein bis zwei Seiten. Für eine Postdoc-Stelle zwei bis vier Seiten, die Publikationsliste darf als eigene Anlage folgen. Für eine Professur trennen Sie den Lebenslauf (drei bis fünf Seiten) vom vollständigen Schriftenverzeichnis und vom Lehrverzeichnis – so bleibt der Lebenslauf lesbar, und das Vollständige liegt trotzdem bei.
Gestaltung. Unsere Einordnung: eine Schrift, zwei Schriftgrößen, keine Grafiken, keine Balken für Sprachkenntnisse, Seitenzahlen und Ihr Name in der Kopfzeile jeder Seite. Gutachterinnen und Gutachter drucken Unterlagen aus oder lesen sie in einem Portal; schlichte Gestaltung übersteht beides.
Publikationsliste, Vorträge, Drittmittel: richtig eintragen
Publikationen, Vorträge, Drittmittel und Lehre bekommen je einen eigenen Block, damit der Leser in Sekunden findet, was er sucht; innerhalb jedes Blocks gilt: das Neueste oben, alles einheitlich formatiert.
Publikationen: Status, Co-Autorschaft, DOI
Die Publikationsliste – an Universitäten oft Schriftenverzeichnis genannt – ist bei Postdoc-Stellen und Professuren nach unserer Einordnung der Teil, den die Leser am genauesten prüfen. Fünf Regeln machen sie lesbar:
- Nach Art gliedern: begutachtete Zeitschriftenaufsätze, Monografien, Sammelbandbeiträge, Konferenzbeiträge mit Begutachtung, dann alles Übrige (Preprints, Datensätze, Software, Berichte, Rezensionen).
- Nach Status trennen: erschienen, angenommen („im Druck"), eingereicht. Eingereichte Arbeiten gehören in einen eigenen, klar überschriebenen Block – nie zwischen die erschienenen.
- Durchnummerieren: Eine laufende Nummer erleichtert Gutachten und Kommissionssitzungen den Bezug („siehe Nr. 14").
- Eigenen Namen hervorheben: fett gesetzt, damit die Stellung in der Autorenliste sofort zu sehen ist.
- DOI angeben: Die DFG verlangt in ihren Hinweisen zum Publikationsverzeichnis, „sofern vorhanden" einen dauerhaften Identifikator wie die DOI zu nennen. Für Bewerbungen empfehlen wir dasselbe: Die DOI spart dem Leser die Suche.
Co-Autorschaft zählt mit. Unsere Einordnung: Was die Position in der Autorenliste bedeutet, unterscheidet sich je nach Fach. Machen Sie deshalb kenntlich, was Ihr Beitrag war: geteilte Erstautorschaft mit einem Sternchen und einer Fußnote, korrespondierende Autorschaft mit einem Zeichen. In Fächern mit alphabetischer Reihenfolge der Namen hilft ein kurzer Satz zum eigenen Anteil, wenn die Ausschreibung danach fragt.
Beispiel (fiktiv) für einen Eintrag:
12. Becker, L.*, Sommer, J.*, Yilmaz, D. (2025). Titel des Aufsatzes. Name der Zeitschrift 41(3), 211–229. DOI 10.1234/beispiel.2025.012 · *geteilte Erstautorschaft
Eingereicht: Sommer, J., Okafor, N. Titel des Manuskripts. Eingereicht bei Name der Zeitschrift, 08/2026.
Für DFG-Anträge gilt eine strengere Regel: Eingereichte Manuskripte dürfen erst nach der Annahme genannt werden; Angaben wie „in preparation", „submitted" oder „in review" sind im DFG-Lebenslauf nicht zulässig. Wer beide Fassungen pflegt, streicht diesen Block für die DFG also ganz.
Kennzahlen wie Impact-Faktor oder h-Index sind für DFG-Anträge „nicht erforderlich und werden bei der Begutachtung nicht berücksichtigt", so die DFG-Hinweise. Unsere Einordnung für Bewerbungen: Nennen Sie eine Kennzahl nur, wenn die Ausschreibung danach fragt, und dann mit Quelle und Datum („h-Index 14, Google Scholar, Stand 10/2026"). Ohne Quelle wirkt eine Zahl wie Werbung.
Vorträge und Konferenzen
Vorträge bekommen einen eigenen Block. Trennen Sie eingeladene Vorträge und Hauptvorträge von eingereichten Konferenzbeiträgen und Postern; eine Einladung zeigt, dass andere Ihre Arbeit hören wollen. Je Eintrag: Titel, Veranstaltung, Ort, Monat und Jahr. Die DFG lässt Vorträge auf Kongressen sogar als Veröffentlichung gelten, auch wenn es noch keinen veröffentlichten Abstract gibt; ob ein Beitrag in Kategorie A oder B gehört, hängt davon ab, ob er begutachtet wurde.
Unsere Einordnung: Wer schon viele Vorträge hat, nimmt in den Lebenslauf eine Auswahl der letzten fünf Jahre und verweist auf die vollständige Liste. Eine lange Liste von Postern verdeckt eher, was wichtig ist.
Drittmittel und Ihre Rolle
Unsere Einordnung: Eingeworbene Drittmittel zeigen, dass Sie Forschung finanzieren können. Je Eintrag gehören hinein: Geldgeber (etwa DFG, Bundesministerium, EU, Stiftung), Titel des Projekts, Laufzeit, bewilligte Summe und – am wichtigsten – Ihre Rolle: Antragstellerin oder Antragsteller, Mitantragsteller, Teilprojektleitung oder Mitarbeit im Projekt. Trennen Sie selbst eingeworbene Mittel klar von Projekten, in denen Sie angestellt waren; wer das vermischt, verliert Vertrauen, sobald die Kommission nachfragt.
Was Drittmittel sind und welche Geldgeber es gibt, erklärt der Artikel Drittmittel.
Zählen Sie auch kleine Beträge: ein Reisestipendium, eine Anschubfinanzierung der Hochschule, die eigene Stelle aus einem selbst gestellten Antrag. Für eine Postdoc-Bewerbung kann der erste eigene Antrag mehr zeigen als die Summe. Gesondert verlangt wird eine Drittmittelliste in unserer Auswertung von 167 Professur-Ausschreibungen in 9 Fällen; dann gehört sie als eigene Anlage zur Bewerbung.
Lehre und Betreuung
Lehre gehört nicht ans Ende: In Nordrhein-Westfalen muss jede Berufungskommission sicherstellen, dass die pädagogische Eignung „in besonderer Weise abgebildet wird" (§ 38 Abs. 6 HG NRW). Unsere Einordnung: Nennen Sie je Semester Titel, Art (Vorlesung, Seminar, Übung), Umfang in Semesterwochenstunden und Hochschule; Lehrevaluationen und hochschuldidaktische Weiterbildung gehören dazu. Betreute Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten bekommen einen eigenen Unterblock mit Zahl und Rolle (Erstbetreuung, Zweitgutachten).
ORCID iD anlegen und angeben
Die ORCID iD ist eine kostenlose, dauerhafte Kennung für Forschende. Sie ordnet Ihnen Ihre Publikationen eindeutig zu, auch bei häufigen Namen, Namenswechsel oder verschiedenen Schreibweisen. Unsere Einordnung: Legen Sie eine an, bevor Sie die nächste Bewerbung schreiben, und setzen Sie sie in die Kopfzeile des Lebenslaufs – dann kann jede Leserin Ihre Liste in einer Minute prüfen.
Lebenslauf je Karrierestufe: Promotionsstelle, Postdoc, Professur
Je weiter die Karriere, desto mehr verschiebt sich das Gewicht: Für die Promotionsstelle zählen Studium und Methoden, für den Postdoc die Promotion und erste Publikationen, für die Professur Profil, Drittmittel und Lehre.
Unsere Einordnung der drei Stufen – jede Ausschreibung kann eigene Schwerpunkte setzen:
| Stufe | Was oben steht | Was zählt (Einordnung) | Umfang (Einordnung) |
|---|---|---|---|
| Promotionsstelle | Studium mit Abschlussarbeit, Note und Schwerpunkt | Passung zum Projekt, Methoden, Hilfskraftstellen, Praktika | 1–2 Seiten |
| Postdoc | Promotion mit Thema, Betreuung, Jahr | Publikationen, eigene Ideen, erste eigene Mittel, Mobilität | 2–4 Seiten, Publikationsliste als Anlage möglich |
| Professur | Aktuelle Position, Habilitation oder gleichwertige Leistungen | Profil zur Ausschreibung, Publikationen, Drittmittel, Lehre, Führung | 3–5 Seiten plus Schriften- und Lehrverzeichnis |
Promotion richtig im Lebenslauf eintragen
Die abgeschlossene Promotion steht im Ausbildungsblock mit Zeitraum, Fach, Hochschule, Titel der Dissertation, Betreuerin oder Betreuer und Abschlussdatum; die Note nennen Sie, wenn sie gut ist. Beispiel (fiktiv): Eine laufende Promotion tragen Sie mit „seit 10/2023" und dem voraussichtlichen Abschluss ein – ehrlich geschätzt, denn danach wird gefragt. Ist die Arbeit eingereicht, aber noch nicht verteidigt, schreiben Sie das so: „Dissertation eingereicht 06/2026, Disputation geplant 11/2026". Den Doktorgrad führen Sie erst, wenn die Promotionsordnung es erlaubt. Bei einer kumulativen Dissertation verweisen Sie auf die Nummern der zugehörigen Aufsätze in Ihrer Publikationsliste.
Wer gerade promoviert, bewirbt sich oft auf die erste wissenschaftliche Stelle. Für den Lebenslauf zur Promotionsstelle gilt: Das Studium und die Abschlussarbeit sind Ihre stärksten Belege. Nennen Sie das Thema der Masterarbeit, die Methoden, die Sie beherrschen, und Tätigkeiten als studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft. Erste Konferenzposter oder ein Aufsatz aus der Abschlussarbeit sind ein Plus, aber keine Voraussetzung. Wie Sie überhaupt an eine Stelle kommen, beschreibt der Artikel Promotionsstelle finden; aktuelle Angebote stehen unter Doktorandenstellen.
Lebenslauf für die Postdoc-Stelle
Unsere Einordnung: Nach der Promotion wird aus dem Studiennachweis ein Forschungsprofil. Oben stehen die aktuelle Stelle und die Promotion, danach die Publikationen. Wer zeigen kann, dass er eigene Fragen entwickelt, hat bessere Karten: ein eigener Antrag, ein Forschungsaufenthalt im Ausland, eine selbst organisierte Tagung, ein Aufsatz ohne die Betreuerin als Mitautorin. Lehre und Betreuung von Abschlussarbeiten gehören bereits jetzt hinein, weil Professur-Ausschreibungen nach Lehre fragen. Mehr zur Stufe im Artikel Postdoc; offene Stellen unter Postdoc-Stellen.
Lebenslauf für die Professur
Für eine Professur liest eine Berufungskommission den Lebenslauf gegen die Ausschreibung. In Nordrhein-Westfalen muss sie ihre Entscheidungskriterien „vor der Sichtung und Prüfung der eingegangenen Bewerbungen" festlegen und aktenkundig machen (§ 38 Abs. 6 HG NRW). Die Ausschreibung ist deshalb der beste Hinweis darauf, worauf es ankommt: Ordnen Sie Ihren Lebenslauf so, dass jedes dort genannte Merkmal einen sichtbaren Beleg hat.
Was Ausschreibungen tatsächlich verlangen, haben wir gezählt. Von 167 Professur-Ausschreibungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (Stand September 2026) verlangten 45 ausdrücklich ein Schriftenverzeichnis, 36 davon an Universitäten und 7 an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. 28 verlangten ein Lehrkonzept, 19 Lehrevaluationen, 13 ein Verzeichnis der gehaltenen Lehrveranstaltungen und 9 eine gesonderte Drittmittelliste. Unsere Einordnung: Legen Sie Schriftenverzeichnis und Lehrverzeichnis auch dann bei, wenn sie nicht ausdrücklich genannt sind – an Universitäten erwartet die Kommission sie fast immer, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften zählen Lehre und Berufspraxis außerhalb der Hochschule stärker.
Wie das Verfahren danach weiterläuft – Gutachten, Probevortrag, Liste –, steht unter Berufungsverfahren und Probelehrveranstaltung. Unsere Einordnung: Die Zahlen aus Ihrem Lebenslauf, vor allem Drittmittel und Betreuung, sind auch eine Grundlage für die Berufungsverhandlung. Offene Professuren finden Sie unter Professuren.
Passende Stellen
982 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeitende aktuell ausgeschrieben
DFG-Lebenslauf und englischer academic CV
Wer bei der DFG einen Antrag stellt, muss deren Lebenslauf-Vorlage nutzen: höchstens vier Seiten, kein Foto, bis zu zehn begutachtete Publikationen.
Seit dem 1. März 2023 ist das Lebenslauf-Muster der DFG, der Vordruck 53.200, für alle Antragstellerinnen und Antragsteller in allen DFG-Programmen verpflichtend. Ausnahmen kann es bei internationalen Kooperationsanträgen geben, wenn das Verfahren nicht allein bei der DFG liegt. Die wichtigsten Vorgaben auf einen Blick:
- Umfang: höchstens vier Seiten.
- Kein Foto; die vorgegebene Formatierung bleibt erhalten, Schrift Arial 11 Punkt, Zeilenabstand 1,2 nicht unterschreiten.
- Publikationen: bis zu zehn in der Pflicht-Kategorie A (Aufsätze in Zeitschriften mit Begutachtung, Konferenzbeiträge mit Begutachtung, Sammelbandbeiträge, Bücher) und bis zu zehn Elemente in der freiwilligen Kategorie B (etwa Preprints, Datensätze, Software, Patente, Konferenzbeiträge ohne Begutachtung, Beiträge zur Wissenschaftskommunikation), jeweils nummeriert.
- Journalmanuskripte erst nach Annahme: eingereichte oder in Begutachtung befindliche Manuskripte nicht nennen.
- Keine Kennzahlen nötig: Impact-Faktoren und h-Index werden nicht berücksichtigt.
- Ergänzende Angaben zum Werdegang: eigene Rubrik für Elternzeit, Krankheit, Pflege und andere Umstände.
Die Vorlage selbst laden Sie auf den Seiten der DFG herunter; mehr zur Organisation und ihren Programmen im Artikel DFG. Unsere Einordnung: Die Vier-Seiten-Grenze zwingt zur Auswahl – genau das hilft auch bei Bewerbungen. Wer einmal einen guten DFG-Lebenslauf geschrieben hat, hat die Kurzfassung für alles andere schon fertig.
Zwei Fassungen pflegen: lang und kurz
Führen Sie dauerhaft eine lange Fassung, die alles enthält – jede Publikation, jeden Vortrag, jede Lehrveranstaltung –, und leiten Sie daraus die kurzen Fassungen ab: die DFG-Fassung mit vier Seiten, eine Kurzfassung von ein bis zwei Seiten für Tagungen, Gutachterdatenbanken und Anfragen. Aktualisieren Sie nur die lange Fassung laufend, am besten nach jeder Veröffentlichung; das spart vor jeder Frist Stunden und verhindert Widersprüche zwischen den Fassungen.
Englischer academic CV
Unsere Einordnung: Für Bewerbungen im Ausland oder auf englisch ausgeschriebene Stellen schreiben Sie den Lebenslauf auf Englisch, wenn die Ausschreibung nichts anderes sagt. Die Blöcke können dieselben bleiben, die Überschriften heißen dann „Current Position", „Education", „Publications", „Grants and Funding", „Teaching", „Invited Talks". Lassen Sie im englischen CV Geburtsdatum, Foto und Familienstand weg, schreiben Sie Daten als Monat und Jahr und übersetzen Sie Titel von Stellen sinngemäß (wissenschaftliche Mitarbeiterin als „Research Associate", Juniorprofessur als „Assistant Professor (W1)"). Ob Referenzen am Ende des CV stehen sollen, sagt die Ausschreibung; in unserer Auswertung von Professur-Ausschreibungen verlangten 6 von 167 Referenzen oder Empfehlungsschreiben.
Muster: Gliederung eines akademischen Lebenslaufs
Die folgenden drei Gliederungen für Professur, Postdoc-Stelle und Promotionsstelle können Sie direkt übernehmen und mit Ihren Angaben füllen.
Unsere Einordnung: Die Reihenfolge entspricht dem, was Leser einer Bewerbung nach unserer Erfahrung zuerst suchen.
Muster-Gliederung (Beispiel, zum Übernehmen) – Professur:
Kopfzeile: Name · dienstliche Anschrift · E-Mail · ORCID iD · Seite x von y
1. Aktuelle Position (seit MM/JJJJ, Einrichtung, Funktion)
2. Wissenschaftlicher Werdegang (umgekehrt chronologisch, mit Auslandsaufenthalten)
3. Ausbildung (Habilitation, Promotion mit Titel und Betreuung, Studium)
4. Publikationen – Auswahl der wichtigsten fünf bis zehn, vollständige Liste als Anlage
5. Drittmittel (Geldgeber, Projekt, Laufzeit, Summe, Rolle)
6. Lehre und Betreuung (Veranstaltungen, Abschlussarbeiten, Promotionen)
7. Eingeladene Vorträge (Auswahl)
8. Preise und Stipendien
9. Gutachtertätigkeit, Gremien, Tagungsorganisation
10. Wissenschaftskommunikation und Transfer
11. Sprachen
12. Ergänzende Angaben zum Werdegang (falls zutreffend)
Muster-Gliederung (Beispiel, zum Übernehmen) – Postdoc-Stelle:
Kopfzeile: Name · dienstliche Anschrift · E-Mail · ORCID iD
1. Aktuelle Position (seit MM/JJJJ, Einrichtung, Arbeitsgruppe)
2. Promotion (Fach, Hochschule, Titel der Dissertation, Betreuung, Abschluss)
3. Studium
4. Publikationen (nummeriert, nach Art und Status getrennt)
5. Vorträge (eingeladene zuerst)
6. Drittmittel und eigene Anträge (mit Rolle)
7. Forschungsaufenthalte
8. Lehre und betreute Abschlussarbeiten
9. Preise und Stipendien
10. Methoden, Sprachen
11. Ergänzende Angaben zum Werdegang (falls zutreffend)
Muster-Gliederung (Beispiel, zum Übernehmen) – Promotionsstelle:
Kopfzeile: Name · Anschrift · E-Mail · ORCID iD (falls vorhanden)
1. Studium (Master, Bachelor; Schwerpunkte, Thema und Note der Abschlussarbeit)
2. Wissenschaftliche Erfahrung (Hilfskraftstellen, Projektmitarbeit, Praktika in der Forschung)
3. Methoden und Werkzeuge (Labormethoden, Statistik, Programmiersprachen, Archivarbeit)
4. Publikationen und Vorträge (falls vorhanden)
5. Stipendien und Preise
6. Lehre und Tutorien
7. Sprachen
8. Weitere Tätigkeiten mit Bezug zum Fach
Die Reihenfolge der Blöcke 4 bis 7 dürfen Sie nach der Ausschreibung umstellen: Verlangt eine Hochschule für angewandte Wissenschaften vor allem Lehrerfahrung und Berufspraxis, rückt die Lehre direkt hinter die Ausbildung, und die Berufspraxis außerhalb der Hochschule bekommt einen eigenen Block.
Checkliste vor dem Absenden
- Aktuelle Position und Promotion stehen auf Seite eins.
- Jeder Block ist umgekehrt chronologisch, jedes Datum als Monat und Jahr.
- Publikationen nummeriert, nach Art und Status getrennt, eigener Name fett, DOI angegeben.
- Drittmittel mit Rolle; eigene Einwerbung und Mitarbeit getrennt.
- Jedes Merkmal der Ausschreibung hat einen sichtbaren Beleg.
- Für die DFG: Vordruck 53.200, vier Seiten, kein Foto, eingereichte Manuskripte erst nach Annahme.
- Name und Seitenzahl auf jeder Seite; wenn nichts anderes verlangt ist, empfehlen wir eine einzige PDF-Datei.
Lücken, Elternzeit, Wechsel aus der Wirtschaft
Lücken im Lebenslauf benennen Sie kurz und sachlich mit Monat und Jahr, statt sie zu verstecken; Elternzeit, Pflege und Krankheit werden bei der DFG ausdrücklich berücksichtigt.
Unsere Einordnung: Auch Unterbrechungen gehören in den Lebenslauf – Elternzeit, Pflege von Angehörigen, Krankheit, eine Stelle außerhalb der Wissenschaft, eine Zeit ohne Vertrag zwischen zwei Projekten. Eine sachliche Zeile reicht – „Elternzeit 03/2022 – 02/2023" –, ausführliche Erklärungen gehören, wenn überhaupt, ins Anschreiben.
Bei der DFG gibt es dafür die Rubrik „Ergänzende Angaben zum Werdegang". Die Angaben sind freiwillig, die DFG rät aber ausdrücklich dazu, Ausfallzeiten und Verzögerungen offenzulegen. Bei Kindern nennen Sie Anzahl und Geburtsmonat und -jahr sowie die konkreten Verzögerungen im Werdegang; auch eine langfristige Erkrankung von mindestens drei Monaten im Jahr kann dort stehen. Ausfallzeiten wegen Mutterschutz oder Elternzeit dürfen in der Begutachtung nach den DFG-Hinweisen „ausschließlich zu Ihren Gunsten berücksichtigt werden".
Für Qualifizierungsbefristungen nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG haben solche Zeiten auch rechtliche Folgen. Nach § 2 Abs. 1 WissZeitVG verlängert sich die insgesamt zulässige Befristungsdauer bei Betreuung eines oder mehrerer Kinder unter 18 Jahren um zwei Jahre je Kind. Davon zu unterscheiden ist § 2 Abs. 5 WissZeitVG: Er verlängert den einzelnen Vertrag nach Absatz 1 im Einverständnis mit Ihnen, unter anderem um Zeiten der Elternzeit und von Beschäftigungsverboten nach dem Mutterschutzgesetz, jeweils nur in dem Umfang, in dem Sie nicht erwerbstätig waren. Einzelheiten stehen im Artikel WissZeitVG. Für den Lebenslauf heißt das: Wer die Zeiten sauber mit Monat und Jahr angibt, macht der einstellenden Hochschule die Berechnung leicht.
Wechsel aus der Wirtschaft: Berufsjahre außerhalb der Hochschule sind kein Makel, für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften verlangt etwa § 36 Abs. 1 Nr. 5 HG NRW eine fünfjährige berufspraktische Tätigkeit, davon mindestens drei Jahre außerhalb des Hochschulbereichs. Tragen Sie sie im Werdegang ein, mit Funktion und den Aufgaben, die fachlich etwas zeigen – Projekte, Verantwortung für Personal oder Budget, Patente, Veröffentlichungen aus der Praxis. Mehr zur Professur an diesen Hochschulen im Artikel Professor an einer Hochschule.
Häufige Fragen zum akademischen Lebenslauf
Gehört ein Foto in den akademischen Lebenslauf?
Für DFG-Anträge nein: Die DFG schreibt vor, kein Foto beizufügen. Für Bewerbungen gilt die Ausschreibung. Unsere Einordnung: Lassen Sie das Foto weg, wenn die Ausschreibung nicht ausdrücklich eines verlangt.
Wie lang darf ein wissenschaftlicher Lebenslauf sein?
Für DFG-Anträge höchstens vier Seiten. Für Bewerbungen gilt, was die Ausschreibung vorgibt. Unsere Einordnung: Ohne Vorgabe reichen für eine Promotionsstelle ein bis zwei, für eine Postdoc-Stelle zwei bis vier Seiten. Für eine Professur legen Sie Schriften- und Lehrverzeichnis als eigene Anlagen bei.
Darf ich eingereichte Artikel in den Lebenslauf schreiben?
Im DFG-Lebenslauf nein: Dort dürfen Manuskripte erst nach der Annahme genannt werden. Unsere Einordnung für Bewerbungen: ja, in einem eigenen Block „eingereicht“ mit Zeitschrift und Monat.
Wie gebe ich Co-Autorschaften an?
Unsere Einordnung: mit der vollständigen Autorenliste in der veröffentlichten Reihenfolge, Ihr Name fett. Geteilte Erstautorschaft kennzeichnen Sie mit einem Sternchen und einer Fußnote; Co-Autorschaften zählen als Publikationen mit.
Wie trage ich eine laufende Promotion ein?
Unsere Einordnung: im Ausbildungsblock mit „seit“ und Monat, Fach, Hochschule, Arbeitstitel und Betreuung, dazu der voraussichtliche Abschluss. Ist die Arbeit eingereicht, schreiben Sie das mit Monat dazu; den Doktorgrad führen Sie erst, wenn Ihre Promotionsordnung es erlaubt.
Gehört der h-Index in den Lebenslauf?
Für die DFG nicht: Impact-Faktoren und h-Index sind dort nicht erforderlich und werden in der Begutachtung nicht berücksichtigt. Unsere Einordnung für Bewerbungen: nur, wenn die Ausschreibung danach fragt, dann mit Quelle und Datum.
Muss ich Elternzeit im Lebenslauf angeben?
Bei der DFG ist die Angabe freiwillig; sie rät aber dazu, Ausfallzeiten offenzulegen, und berücksichtigt Mutterschutz und Elternzeit ausschließlich zugunsten der Antragstellenden; bei Kindern nennen Sie dort Anzahl, Geburtsmonat und -jahr und die konkreten Verzögerungen. In Bewerbungen genügt nach unserer Einordnung eine sachliche Zeile mit Monat und Jahr.
Brauche ich eine ORCID iD?
Unsere Einordnung: Sie ist hilfreich. Die ORCID iD ist eine kostenlose, dauerhafte Kennung, die Ihnen Ihre Publikationen eindeutig zuordnet. Setzen Sie sie in die Kopfzeile des Lebenslaufs.
Schreibe ich den Lebenslauf auf Deutsch oder Englisch?
Unsere Einordnung: in der Sprache der Ausschreibung. Ist sie englisch oder die Stelle international ausgeschrieben, nehmen Sie einen englischen academic CV mit denselben Blöcken; sonst Deutsch.
Quellen
- Deutsche Forschungsgemeinschaft: FAQ Lebenslauf (Vordruck 53.200, verpflichtend seit 1. März 2023; Umfang, Foto, Formatierung, Ergänzende Angaben zum Werdegang), gelesen am 7. Oktober 2026
- Deutsche Forschungsgemeinschaft: FAQ Publikationsverzeichnisse (bis zu zehn Publikationen je Kategorie, nur angenommene Manuskripte), gelesen am 7. Oktober 2026
- Deutsche Forschungsgemeinschaft: Vordruck 1.91, Hinweise zu Publikationsverzeichnissen, Stand 03/25 (Kategorien A und B, DOI, Kennzahlen)
- § 38 Abs. 6 und § 36 Abs. 1 Nr. 5 HG NRW, Fassung gültig ab 4. August 2026
- § 2 Abs. 1 und Abs. 5 WissZeitVG, amtlicher Volltext, gelesen am 7. Oktober 2026
- ORCID: What is ORCID?, gelesen am 7. Oktober 2026
- Eigene Auswertung von 167 Professur-Ausschreibungen von Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (93 Universitäten, 49 Hochschulen für angewandte Wissenschaften, 25 Kunst- und Musikhochschulen), gelesen im September 2026; gezählt wurde, was ausdrücklich verlangt wird