Wissenschaftliches Poster: Aufbau, Beispiel und Gestaltung

Ein wissenschaftliches Poster stellt eine Forschungsfrage, das Vorgehen und die wichtigsten Ergebnisse auf einer Fläche vor. Wer davorsteht, soll die zentrale Aussage schnell erfassen und anschließend gezielt nachlesen oder nachfragen können. Dafür braucht das Poster eine erkennbare Leserichtung und sorgfältig ausgewählte Inhalte. Wir stellen das klassische und das reduzierte Poster vor und zeigen an einem durchgehenden Beispiel, wie aus einem Forschungsprojekt ein Poster wird.

Beispiel: vom Ergebnis zum Poster
Von Aktualisiert: 12. Oktober 2026 · Quellenstand 10/2026
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Eine junge Forscherin zeigt in einer Postersession auf ihr Poster, zwei Zuhörende hören aufmerksam zu

Kurz gesagt

Vor dem Gestalten klären

  • Vorgaben: Format, Ausrichtung und Vorgaben der Veranstaltung nachsehen.
  • Hauptaussage: Eine Hauptaussage und die dafür nötigen Abbildungen auswählen.
  • Zeitplan: Zeit für Rückmeldung, Probeausdruck und Druck einplanen.

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Inhalt

Wie ist ein wissenschaftliches Poster aufgebaut?

Für ein Poster über eine empirische Arbeit haben sich zwei Aufbauten bewährt: das klassische Poster, das den Aufbau eines Fachaufsatzes in drei Spalten überträgt, und das reduzierte Poster, das das Ergebnis an den Anfang stellt. Feste Regeln gibt es nicht, betont das Poster-Merkblatt der Universität Zürich.

Das klassische Poster: Spalten nach dem Aufsatzschema

Titel, Autorinnen und Autoren, Institution und Logo stehen über die ganze Breite. Darunter folgen drei Spalten: links Einleitung, Fragestellung oder Hypothese, Ziele sowie Material und Methoden, in der Mitte die Ergebnisse mit mehreren Abbildungen oder Tabellen, rechts Hauptpunkte, Schlussfolgerungen, Literatur und Danksagung.

Klassisches Raster eines A0-Posters im Hochformat: oben Titel, Autoren, Institution und Logo; darunter drei Spalten: 1 Einleitung, Fragestellung oder Hypothese, Ziele, Methoden; 2 Ergebnisse mit vier Abbildungen; 3 Hauptpunkte, Schlussfolgerungen, Literatur, DanksagungTitelAutorinnen, Autoren, InstitutionLogo1EinleitungFragestellungoder HypotheseZieleMaterial undMethoden3HauptpunkteSchluss-folgerungenLiteraturDanksagung2ErgebnisseAbbildung 1Abbildung 2Abbildung 3Abbildung 4
Das klassische Poster: Raster eines A0-Posters im Hochformat in drei Spalten. Die Ziffern geben die Leserichtung vor, Spalte für Spalte von links nach rechts.

Diese Gliederung empfehlen viele Leitfäden: das GEOWiki der LMU München nach dem I.M.R.A.D.-Prinzip in drei bis fünf Spalten, die Universität Basel nach den Standards für wissenschaftliche Originalarbeiten. Die Göttinger Tipps raten zu etwa 60 Wörtern je Textblock, höchstens 80 bis 100, und zu etwa gleich viel Text wie Grafik; in rund fünf Minuten soll man den gesamten Inhalt erfassen.

Das klassische Poster ist auch die gelebte Praxis. Eine Auswertung von 55 preisgekrönten Studierendenpostern der American Geophysical Union (2015 bis 2019) fand bei 74,5 Prozent die IMRAD-Gliederung, bei 65,5 Prozent Spalten und im Schnitt 6,6 Abschnitte; 24 ausgezählte Poster trugen im Mittel 787 Wörter (Faulkes, 2023).

Das reduzierte Poster: sechs Felder, Ergebnis zuerst

Das reduzierte Poster bündelt dieselben Inhalte in sechs Feldern: oben Titel und Autoren, darunter Forschungsfrage, Vorgehen und Ergebnisse, am Ende Einordnung mit Grenzen sowie Quellen und Kontakt. Der Titel nennt bereits die zentrale Aussage, das Ergebnis bekommt die größte Fläche. Es steht zwischen dem klassischen Poster und dem radikalen #betterposter: Die KU Leuven nennt diese Zwischenform „Poster 1.5“, das klassische „Classic Research Poster“.

Die Ziffern in der Abbildung geben die Leserichtung vor: von oben nach unten, in der Mitte von links nach rechts. Wer vor dem Poster steht, liest zuerst den Titel, dann sucht das Auge die größte Grafik. Erst wer dort hängen bleibt, liest Frage und Methode.

Raster eines A0-Posters im Hochformat: oben Feld 1 Titel und Autoren über die ganze Breite; darunter links Feld 2 Frage und Feld 3 Vorgehen, rechts das größte Feld 4 Ergebnisse; unten über die ganze Breite Feld 5 Einordnung und Grenzen und Feld 6 Quellen und Kontakt1Titel und Autoren2Frage3Vorgehen4Ergebnisse5Einordnung und Grenzen6Quellen und KontaktErgebnis als SatzHauptgrafikgrößte Fläche
Das reduzierte Poster: Raster eines A0-Posters im Hochformat (841 × 1189 mm) mit sechs Feldern in Leserichtung.

Das reduzierte Poster ist unsere Empfehlung. Dafür sprechen die Leitfäden, wo es um die Hauptaussage geht: Die Universität Basel nennt den leichter erfassbaren Mittelbereich, Oldenburg setzt die Ergebnisse ins Zentrum, die TU Hamburg gibt ihnen den meisten Platz. Die sechs Felder leiten wir aus den W-Fragen ab, mit denen die Studierwerkstatt der Universität Bremen ein Poster plant: Wer untersucht was, wie, mit welchem Ergebnis, für welches Ziel und auf welcher Basis.

Was in welches Feld gehört

FeldInhaltTypischer Fehler
1. Titel und AutorenErgebnis als Satz, darunter Namen, Institution, gegebenenfalls LogoThema statt Aussage („Eine Untersuchung zu …“)
2. FrageForschungsfrage in einem Satz, zwei bis drei Sätze HintergrundLiteraturüberblick wie in der Einleitung einer Hausarbeit
3. VorgehenMaterial, Stichprobe, Methode – so knapp, dass der Befund prüfbar bleibtMethodendetails, die niemand im Stehen liest
4. Ergebnisseeine Hauptgrafik mit Achsenbeschriftung, ein Satz daruntermehrere gleich große Grafiken ohne Rangfolge
5. Einordnung und GrenzenWas der Befund bedeutet und was er nicht zeigtGrenzen weglassen oder nur im Gespräch nennen
6. Quellen und Kontaktwenige Schlüsselquellen, E-Mail, lesbare Adresse, optional QR-Codevollständiges Literaturverzeichnis in Kleinstschrift

Klassisch oder reduziert? Vergleich und Studienlage

Der sichtbarste Unterschied ist die Zahl und Rangfolge der Kästen. Das klassische Poster verteilt den Inhalt auf viele einzelne, meist gleich große Kästen in Spalten. Das reduzierte Poster bündelt ihn in sechs Zonen mit Rangfolge: Frage, Hypothese und Ziel zusammen in Feld 2, Material und Methode in Feld 3, eine Hauptgrafik groß in Feld 4, weitere Abbildungen klein daneben oder darunter, die Einordnung in Feld 5. Das klassische Poster bringt so mehr Details und Zwischenergebnisse unter; das reduzierte erzwingt Kürzung und lenkt den Blick dafür auf eine Hauptaussage.

KriteriumKlassisches PosterReduziertes Poster
BlickfangTitel und die Abbildungen der MittelspalteTitel als Ergebnis-Satz und eine große Hauptgrafik
LeserichtungSpalte für Spalte, von der Einleitung zu den Schlussfolgerungenvon oben nach unten, das Ergebnis vor der Methode
Was Lesende mitnehmenden ganzen Inhalt in rund fünf Minuten (Göttinger Tipps)die Kernaussage beim Vorbeigehen, Details beim Stehenbleiben
Platz für Methoden und Teilbefundemehr Raum für die Methode und für mehrere gleichrangige Befundeknapp; Details gehören ins Gespräch oder in die Begleitfassung
Wann der Aufbau passtVorgabe des Instituts, traditionelle Tagung, komplexe Forschung, erstes Poster (so die KU Leuven); mehrere gleichrangige Teilbefundeein Hauptergebnis, keine Vorgabe
Typischer FehlerTextwüste in jedem Kasten, Abbildungen ohne Rangfolgeso stark verkürzt, dass Methode und Grenzen fehlen

Zwei Studien haben klassische Poster mit dem radikalen #betterposter verglichen, nicht mit der reduzierten Zwischenform. In einer randomisierten Studie auf einer allgemeinmedizinischen Fachtagung in den USA sahen 94 Ärztinnen und Ärzte denselben Inhalt als klassisches Poster oder als #betterposter (Lewis und andere, 2025). Im Gesamtergebnis gab es keinen statistisch belastbaren Unterschied, die Fragen zu den Kernaussagen beantwortete die #betterposter-Gruppe aber besser. Eine dänische Untersuchung bewertete 103 Poster einer Krebsforschungskonferenz (Bentsen und Østergaard, 2026): Die #betterposter-Fassungen wirkten beim ersten Eindruck besser, klassische Poster aber trotz mehr Text ebenfalls, wenn sie gut strukturiert waren; übermäßige Vereinfachung schmälerte die Wirkung.

Das Format #betterposter stellte Mike Morrison von der Michigan State University im März 2019 in einem Video vor. Seine Vorlage setzt die Hauptaussage groß in die Mitte, alles Weitere in Seitenleisten. Laut Inside Higher Ed (Juni 2019) bemängelte Teomara Rutherford von der North Carolina State University, das ungetestete Format sei nach einem auffälligen Video sehr schnell übernommen worden. Der Potsdamer Geowissenschaftler Martin H. Trauth wandte ein, auch damit stehe noch zu viel auf den Postern, und die zentrale Aussage verschwende viel Platz.

Unsere Einordnung: Die Studien zum #betterposter zeigen, dass eine nach vorn gestellte Hauptaussage hilft, die Kernaussage mitzunehmen; ein gut strukturiertes klassisches Poster ist aber nicht unterlegen. Das reduzierte Poster verbindet beides. Wir raten deshalb so:

  1. Die Vorgabe geht vor. Schreiben die Veranstaltung oder Ihre Betreuung einen Aufbau vor, nehmen Sie diesen.
  2. Ein Hauptergebnis, keine Vorgabe: Nehmen Sie das reduzierte Poster.
  3. Das klassische Poster passt, wenn Ihr Fach oder die Jury das Aufsatzschema erwartet, wenn Sie mehrere gleichrangige Teilbefunde zeigen oder wenn die Vorlage Ihres Instituts Spalten vorsieht. Übernehmen Sie dann drei Regeln des reduzierten Posters: Der Titel nennt das Ergebnis als Satz, eine Grafik ist größer als die anderen, und Text nimmt weniger als die Hälfte der Fläche ein.
  4. Das radikale #betterposter nur dort, wo man das Format kennt. Die beiden Studien sind klein und ihre Befunde gemischt.

Poster für theoretische und qualitative Arbeiten

Beide Raster stammen aus der empirischen Forschung, sie sind keine Pflicht für alle Fächer. Wer eine Theorie vergleicht, Interviews auswertet oder eine Quelle interpretiert, ersetzt „Vorgehen“ und „Ergebnisse“ durch das, was die Arbeit trägt: eine These mit zwei oder drei Argumenten, ein Schema der Begriffe, Zitate aus dem Material mit Kategorien oder eine Zeitleiste. Die Ruhr-Universität Bochum rät in ihren Hinweisen für Seminarposter in der Erziehungswissenschaft, jeden Teilaspekt in einen Kasten mit Überschrift zu setzen und Argumente in visualisierter Form zu zeigen, etwa als Schema oder Tabelle. Die Leserichtung bleibt gleich: Aussage oben, Begründung in der Mitte, Grenzen und Quellen unten.

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Beispiel: Von den Ergebnissen zum fertigen Poster

Der Weg zum Poster beginnt nicht mit der Gestaltung, sondern mit einer Entscheidung: Welche eine Aussage soll jemand mitnehmen, der dreißig Sekunden vor dem Poster steht? Wir zeigen das an einem kleinen Beispiel: Eine Befragung von 40 Studierenden zu den Arbeitsplätzen in der Bibliothek ergibt 18 Nennungen für Einzelplätze, 14 für Gruppenplätze und 8 für flexible Bereiche.

Daraus entstehen drei Entscheidungen. Erstens wird die Überschrift zur Ergebnisformulierung: „Einzelplätze werden in unserer Beispielbefragung am häufigsten genannt“. Das Wort „unserer“ hält die Aussage bei der eigenen Stichprobe. Zweitens trägt eine einzige Balkengrafik mit absoluten Nennungen das Ergebnis; bei 40 Befragten sind Zahlen ehrlicher als Prozente, weil jede Person sichtbar bleibt. Drittens kommt ein kleiner Methodenkasten dazu: 40 Personen, eine Option je Person, ein Ort, Gelegenheitsstichprobe.

Ebenso wichtig ist, was nicht aufs Poster kommt. Die Befragung zeigt keine Ursachen, also steht dort kein Satz darüber, warum Einzelplätze beliebt sind. Sie ist nicht repräsentativ, also fehlt jede Aussage über „die Studierenden“. Ein Signifikanztest oder eine Ethikfreigabe wird nicht nachgereicht, nur weil ein Poster wissenschaftlicher aussehen soll. Was Sie über mögliche Gründe vermuten, gehört ins Gespräch.

Zwei Fassungen desselben Ergebnisses

Der Unterschied zwischen einem überladenen und einem lesbaren Poster zeigt sich am deutlichsten im Ergebnisfeld. Links steht der Befund so, wie er oft aus dem Bericht kopiert wird, rechts dasselbe Ergebnis als Grafik mit einem Satz.

Fassung A: Ergebnistext aus dem Bericht

Im Rahmen der durchgeführten Befragung (n = 40) wurden die Teilnehmenden gebeten, aus drei vorgegebenen Kategorien von Arbeitsplätzen diejenige auszuwählen, die sie bevorzugt nutzen. Dabei entfielen 18 Nennungen auf Einzelarbeitsplätze, 14 auf Gruppenarbeitsplätze und 8 auf flexibel nutzbare Bereiche, sodass sich eine Präferenz für Einzelarbeitsplätze feststellen lässt, die jedoch vor dem Hintergrund der Stichprobe einzuordnen ist.

Beispiel zur Gestaltung

Fassung B: Grafik und ein Satz

Balkengrafik zum Beispiel: Einzelplätze 18 Nennungen, Gruppenplätze 14, flexible Bereiche 8, insgesamt 40 Personen mit je einer OptionEinzelplätze18Gruppenplätze14Flexible Bereiche8Nennungen, n = 40 (eine Option je Person)

Einzelplätze werden in unserer Beispielbefragung am häufigsten genannt.

Beispiel zur Gestaltung

Fassung A enthält alle Informationen, aber niemand liest sie im Vorbeigehen. Fassung B zeigt die Rangfolge auf einen Blick, die Zahlen stehen an den Balken, und die Stichprobe steht in der Achsenbeschriftung. Die Einschränkung auf die eigene Befragung wandert ins Feld „Einordnung und Grenzen“, wo sie nicht untergeht.

Unsere Einordnung: Fragen Sie sich beim Kürzen, was im Gespräch fehlen würde, wenn es nicht auf dem Poster steht. Meist: nichts. Das Poster soll Fragen auslösen, nicht alle beantworten.

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Text, Abbildungen und Leserichtung gestalten

Ein Poster ist lesbar, wenn jemand aus zwei bis drei Metern Abstand den Titel und die Hauptgrafik erfasst und beim Nähertreten den Text liest. Diese Entfernung nennen die Posterrichtlinien der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für die Tagung ANAKON 2017; der Bremer Leitfaden spricht von bis zu drei Metern.

Schriftgrößen als Ausgangspunkt

Für die Schrift gibt es Orientierungswerte, keine verbindliche Norm. Die Tabelle zeigt die Werte des Bremer Leitfadens.

ElementDIN A0DIN A2DIN A3
Hauptüberschrift100 ptbis 50 ptbis 30 pt
Untertitel50 ptbis 25 ptbis 15 pt
Text25 ptbis 15 ptbis 10 pt

Quelle: Universität Bremen, Studierwerkstatt, Leitfaden „Wissenschaftliche Poster erstellen“, S. 5.

Die GDCh-Richtlinie für die ANAKON 2017 formuliert die Untergrenze als Buchstabenhöhe: Titel, Autoren und Institut mindestens 25 mm, übrige Buchstaben mindestens 1 cm, Linien in Grafiken mindestens 1 mm. Prüfen Sie, ob Ihre Veranstaltung eigene Mindestwerte vorgibt; sie gehen jeder allgemeinen Empfehlung vor.

Tipp: der Lesetest. Drucken Sie das A0-Poster auf A4 aus. A4 ist in beiden Richtungen ein Viertel von A0, also verkleinert der Ausdruck alles im Maßstab 1:4. Halten Sie das Blatt auf etwa 75 cm Abstand, das entspricht drei Metern vor dem echten Poster. Was Sie dann nicht mehr lesen, ist zu klein. Bei A1 drucken Sie auf A3, das ist der Maßstab 1:2, und halten das Blatt auf 1,5 m Abstand.

Abbildungen, die man im Stehen versteht

  • Eine Hauptgrafik: Geben Sie der Abbildung, die Ihre Aussage trägt, die größte Fläche. Weitere Grafiken sind kleiner und stehen erkennbar darunter.
  • Achsen beschriften: Jede Achse nennt Größe und Einheit, die Schrift an Achsen ist nicht kleiner als der Fließtext. Zahlen direkt an Balken oder Punkten ersparen die Legende.
  • Einheiten durchhalten: Dieselbe Größe steht überall in derselben Einheit, also nicht einmal in Minuten und einmal in Stunden.
  • Quellen zuordnen: Jede übernommene Abbildung trägt ihre Quelle direkt darunter. Die Quellenangabe allein erlaubt die Nutzung aber nicht: Dafür brauchen Sie ein Nutzungsrecht oder ein zulässiges Bildzitat nach § 51 UrhG, bei dem die Abbildung Ihren eigenen Inhalt erläutert.
  • Farbe mit Zweck: Eine Akzentfarbe für das Ergebnis, das Sie hervorheben, alles andere in Grautönen.

Weißraum und Leserichtung

Leere Fläche trennt die Felder und zeigt dem Auge, wo es weitergeht. Der Bremer Leitfaden nennt das Zusammenspiel von Text, Bildelementen und Freifläche als Kern eines guten Posters und rät, Überflüssiges und Störendes zu vermeiden. Ordnen Sie die Felder in Spalten an, halten Sie die Abstände gleich, und nummerieren Sie die Felder, wenn die Reihenfolge nicht von selbst klar ist. Überschriften der Felder sind kurz und sagen, was im Feld steht: „Vorgehen“ statt „Material und Methoden der vorliegenden Untersuchung“.

Poster für Druck und digitale Ansicht vorbereiten

Vor dem Druck prüfen Sie Seitengröße, Rand, Schriften, Bildauflösung und Exportformat; danach legen Sie eine digitale Fassung an, die man am Bildschirm lesen kann.

A0 oder A1: Welches Format passt?

Das Format bestimmt die Veranstaltung, nicht Ihr Geschmack. Die Bremer Studierwerkstatt nennt A0 als übliche Postergröße für Tagungen; kleinere Formate wie A1 kommen ebenfalls infrage, etwa für Poster in Seminaren. Prüfen Sie im Call for Posters drei Angaben: Format, Ausrichtung und Größe der Stellwand. Steht dort „A0 Hochformat“, sind 841 mm Breite und 1189 mm Höhe gemeint.

  1. Seitengröße: Die Datei hat genau das Format der Veranstaltung, etwa 841 × 1189 mm für A0 im Hochformat. Die Universität Potsdam verlangt für Poster im Physikalischen Praktikum A0-Hochformat mit mindestens 5 mm Seitenrand. Halten Sie Text und Grafiken ohnehin einige Millimeter vom Rand fern.
  2. Bildauflösung: Rasterbilder wie Fotos oder Mikroskopaufnahmen brauchen genug Pixel für die Druckgröße. Die Kartographie des Geographischen Instituts der Universität zu Köln nennt in ihrem Druckformular 300 dpi in der Originalgröße auf dem Poster. Diagramme legen Sie am besten als Vektorgrafik an, dann sind sie in jeder Größe scharf.
  3. Schriften und Export: Exportieren Sie ein PDF mit eingebetteten Schriften und öffnen Sie es auf einem anderen Rechner. Wer in PowerPoint gestaltet hat, fragt die Druckstelle, ob sie die Originaldatei bevorzugt; das Kölner Formular bittet ausdrücklich um die PPTX-Datei, um Qualitätsverluste zu vermeiden.
  4. Probeausdruck: Ein A4- oder A3-Ausdruck zeigt Tippfehler, Überläufe und zu kleine Schrift (siehe Lesetest oben). Planen Sie Zeit für den Druck ein und fragen Sie die Druckstelle Ihrer Hochschule oder Ihres Instituts nach Vorlauf und Kostenübernahme.

QR-Code und digitale Begleitfassung

Ein QR-Code ist eine Ergänzung, kein Ersatz für eine lesbare Adresse. Schreiben Sie die Adresse kurz und vollständig daneben, und prüfen Sie vor dem Druck, dass das Ziel erreichbar ist und erreichbar bleibt. Hinter dem Code liegt am besten eine digitale Begleitfassung: ein PDF oder eine Seite mit dem Postertext als echtem Text, Alternativtexten für die Abbildungen und den vollständigen Quellen. Sie ist zugänglicher als das druckfertige PDF, auch mit Screenreader.

Das Poster in der Postersession vorstellen

In der Postersession stehen Sie neben Ihrem Poster und sprechen mit den Menschen, die stehen bleiben. Bereiten Sie dafür eine kurze Fassung von 60 bis 90 Sekunden vor, die vom Poster wegführt: Frage, Vorgehen, Befund, offene Frage. Die GDCh-Richtlinie bittet die Autorinnen und Autoren ausdrücklich, während der Sessions als Ansprechpartner am Poster zu stehen.

Übungsvorschlag zum Beispiel, keine Konferenzregel:

„Wir wollten wissen, welche Arbeitsplätze Studierende in unserer Bibliothek nutzen. Dazu haben wir 40 Personen an einem Nachmittag gefragt, welche Art von Platz sie bevorzugen, jede konnte eine Option nennen. Am häufigsten kamen Einzelplätze, 18 von 40, vor Gruppenplätzen mit 14 und flexiblen Bereichen mit 8. Das ist eine kleine Stichprobe an einem Ort, keine Aussage über alle Studierenden. Was uns jetzt interessiert: Ändert sich das Bild in der Prüfungszeit? Haben Sie in Ihrer Bibliothek etwas Ähnliches beobachtet?“

Ruhig gesprochen bleibt dieser Text unter einer Minute. Er endet mit einer Frage an das Gegenüber, damit aus dem Vortrag ein Gespräch wird. Üben Sie ihn zwei- oder dreimal vor einer Person, die das Projekt nicht kennt, und kürzen Sie, wo sie nachfragen muss.

Auf Nachfragen antworten Sie konkret und benennen Unsicherheit offen: „Das haben wir nicht erhoben“ ist eine gute Antwort, eine Vermutung als Befund auszugeben eine schlechte. Wer Ihr Poster mitnehmen möchte, bekommt einen A4-Ausdruck oder den Link zur Begleitfassung; die Ruhr-Universität Bochum empfiehlt den A4-Ausdruck vor allem dann, wenn das Publikum nicht nah an das Poster herantreten kann. Mehr zu kritischen Fragen steht im Artikel zur ersten Konferenz in der Promotion.

Checkliste vor Abgabe und Präsentation

Die Liste fasst zusammen, was vor dem Druck und vor der Session geklärt sein sollte. Sie lässt sich ausdrucken und abhaken.

Inhalt und Lesbarkeit

  • Der Titel nennt die zentrale Aussage als Satz.
  • Frage, Vorgehen, Ergebnis, Grenzen und Quellen sind als Felder erkennbar.
  • Die Hauptgrafik hat beschriftete Achsen mit Einheiten.
  • Der Lesetest im Maßstab 1:4 ist bestanden.

Rechte und Freigaben

  • Alle Autorinnen und Autoren haben die Endfassung gesehen und freigegeben.
  • Für jede fremde Abbildung liegt ein Nutzungsrecht vor oder sie ist als Bildzitat nach § 51 UrhG zulässig; die Quelle steht darunter.
  • Daten, die noch nicht veröffentlicht werden dürfen, sind nicht auf dem Poster.

Format, Export und Transport

  • Format und Ausrichtung entsprechen dem Call der Veranstaltung.
  • Das PDF hat eingebettete Schriften und ist auf einem zweiten Rechner geprüft.
  • Die Adresse neben dem QR-Code ist lesbar, das Ziel ist erreichbar.
  • Für den Transport sind Posterrolle, Befestigungsmaterial und einige A4-Ausdrucke eingepackt.

Wer das Poster mit mehreren Personen erstellt, klärt Reihenfolge und Rollen der Autorinnen und Autoren früh, nicht erst beim Druck. Was eine korrespondierende Autorin übernimmt, erklärt der Artikel zum Corresponding Author. Wie Sie den Text des Posters knapp und präzise formulieren, zeigt der Artikel zum wissenschaftlichen Schreiben; für die Quellenangaben hilft der Überblick über Zitierregeln. Ablauf einer Tagung, Abstract und Reisekosten behandelt der Artikel zur ersten Konferenz.

Posterpräsentationen gehören zum Alltag in der Promotion und in der Postdoc-Phase. Offene Stellen finden Sie unter Doktorandenstellen und Postdoc-Stellen.

Häufige Fragen zum wissenschaftlichen Poster

Wie ist ein wissenschaftliches Poster aufgebaut?

Bei empirischen Arbeiten haben sich zwei Aufbauten bewährt. Das klassische Poster folgt dem Aufbau eines Fachaufsatzes in drei Spalten, von der Einleitung bis zu den Schlussfolgerungen. Das reduzierte Poster stellt das Ergebnis an den Anfang: sechs Felder, der Titel nennt die zentrale Aussage, eine Hauptgrafik bekommt die größte Fläche. Gibt die Veranstaltung einen Aufbau vor, gilt dieser. Theoretische oder qualitative Arbeiten ersetzen Vorgehen und Ergebnisse durch These, Argumente oder ein Begriffsschema.

Wie groß ist ein A0-Poster?

Ein A0-Poster misst 841 × 1189 mm, im Hochformat also 84,1 cm breit und 118,9 cm hoch. A1 ist halb so groß: 594 × 841 mm. Welches Format und welche Ausrichtung gelten, steht im Call der jeweiligen Veranstaltung.

Welche Schriftgröße brauche ich auf einem A0-Poster?

Der Leitfaden der Universität Bremen nennt für A0 als Orientierung 100 pt für die Hauptüberschrift, 50 pt für Untertitel und 25 pt für Text. Prüfen Sie die Lesbarkeit mit einem A4-Ausdruck aus etwa 75 cm Abstand; das entspricht drei Metern vor dem echten Poster.

Wie viel Text gehört auf ein Poster?

So wenig, dass jemand im Stehen die Aussage erfasst. Eine feste Wortzahl gibt es nicht. Ein Satz zu jeder Grafik und kurze Felder für Frage, Vorgehen und Grenzen reichen meist; Details gehören ins Gespräch oder in die digitale Begleitfassung.

Mit welchem Programm erstelle ich ein wissenschaftliches Poster?

Mit jedem Programm, das Seiten in der Endgröße anlegt und ein PDF mit eingebetteten Schriften exportiert, etwa PowerPoint, Inkscape, Illustrator oder LaTeX. Legen Sie das Format vor dem ersten Element fest.

Darf ich auf ein Poster einen QR-Code setzen?

Ja, als Ergänzung. Schreiben Sie die Adresse lesbar daneben und prüfen Sie vor dem Druck, dass das Ziel erreichbar ist. Hinter dem Code liegt am besten eine Begleitfassung mit Text, Alternativtexten und Quellen.

Was sage ich in der Postersession?

Bereiten Sie eine Fassung von 60 bis 90 Sekunden vor: Frage, Vorgehen, Befund, offene Frage. Enden Sie mit einer Frage an Ihr Gegenüber und benennen Sie Grenzen und Unsicherheiten offen.

Brauche ich Quellen auf dem Poster?

Ja. Fremde Abbildungen und Daten tragen ihre Quelle direkt darunter, und unten auf dem Poster stehen die wichtigsten Quellen. Für jede übernommene Abbildung brauchen Sie außerdem eine Erlaubnis zur Nutzung: ein Nutzungsrecht oder ein zulässiges Bildzitat nach § 51 UrhG. Die Quellenangabe allein ersetzt diese Erlaubnis nicht.

Quellen

Leitfäden von Hochschulen, eine Tagungsrichtlinie, Studien zum Posteraufbau, ein Bericht zum Format #betterposter sowie das Urheberrechtsgesetz, auf die sich dieser Artikel stützt; für ein konkretes Poster gelten die Vorgaben der jeweiligen Veranstaltung.