Impact Factor: Bedeutung, Berechnung und Journal-Suche
Der Journal Impact Factor (JIF) gibt an, wie häufig die Artikel einer wissenschaftlichen Zeitschrift im Schnitt zitiert werden. Veröffentlicht wird er in den Journal Citation Reports sowie oft auf der Website der jeweiligen Zeitschrift. Da der JIF fachgebietsspezifisch ist und sich jährlich ändert, ist der Wert stets im Kontext von Jahr und Disziplin zu betrachten. Eine Publikation in einem hochrangigen Journal erhöht nicht nur die Sichtbarkeit des eigenen Artikels in der Fachwelt, sondern stärkt auch das wissenschaftliche Profil – ein entscheidender Vorteil bei Berufungen und Förderanträgen. Es lohnt sich daher, zuerst bei einem Journal mit hohem Impact Factor einzureichen.
Impact Factor eines Journals finden Impact Factor eines Journals findenZum Inhalt
Kurz gesagt
- Zeitschrift, nicht Artikel: Der Impact Factor beschreibt die Zitierhäufigkeit einer Zeitschrift. Über Ihren einzelnen Artikel sagt er wenig.
- Wert und Jahr zusammen: Der JIF 2025 bezieht sich auf das Jahr 2025 und erschien 2026 in den Journal Citation Reports.
- Vergleich im Fach: Ob ein Wert hoch ist, zeigt erst der Vergleich mit Zeitschriften desselben Fachs und Jahres; eine allgemeine Grenze für „gut“ fehlt.
Impact Factor nachschlagen
- Mit Hochschulzugang: In den Journal Citation Reports über die Bibliothek oder per VPN nach Titel oder ISSN suchen.
- Ohne Hochschulzugang: Auf der offiziellen Seite des Journals oder Verlags nach Wert, Jahr und Quelle suchen.
- Wert verstehen: Mit Rechenbeispiel und Fachvergleich einordnen, was 0,8 oder 4,4 bedeutet.
Impact Factor eines Journals finden
Inhalt
Was ist der Impact Factor?
Ein Impact Factor von 3,0 bedeutet vereinfacht: Die Beiträge, die eine Zeitschrift in den zwei Vorjahren veröffentlicht hat, wurden im Berichtsjahr im Durchschnitt dreimal zitiert. Ausgeschrieben heißt die Kennzahl Journal Impact Factor, kurz JIF; im Deutschen liest man auch Impaktfaktor oder Impact-Faktor. Berechnet wird sie von Clarivate, einem Anbieter bibliometrischer Daten, aus der Zitationsdatenbank Web of Science. Veröffentlicht wird sie einmal im Jahr in den Journal Citation Reports, kurz JCR.
Der Wert gehört zur Zeitschrift. Er sagt nicht, wie oft Ihr eigener Artikel zitiert wurde, und er misst keine Person; dafür gibt es Personenkennzahlen wie den H-Index. Zitationen verteilen sich zudem ungleich: Wenige Artikel einer Zeitschrift werden häufig zitiert, viele selten oder gar nicht. Ein Durchschnitt von 3,0 heißt deshalb nicht, dass jeder Artikel dreimal zitiert wurde.
Andere Anbieter berechnen eigene Zeitschriftenkennzahlen, etwa den CiteScore oder den SJR. Sie klingen ähnlich, sind aber kein Impact Factor; worin sie sich unterscheiden, zeigt der Vergleich der Kennzahlen.
Wo finde ich den Impact Factor eines Journals?
Es gibt zwei Wege: die Journal Citation Reports, wenn Ihre Hochschule sie lizenziert hat, und die offizielle Seite der Zeitschrift oder ihres Verlags. Notieren Sie in beiden Fällen nicht nur die Zahl, sondern auch das Jahr, auf das sie sich bezieht, und die Quelle.
Mit Hochschulzugang: Journal Citation Reports
Die JCR sind ein kostenpflichtiges Angebot von Clarivate. Viele Hochschulbibliotheken haben sie abonniert; nutzbar sind sie dann im Netz der Hochschule oder von außen über VPN oder den Fernzugang der Bibliothek. Ob und wie Ihre Hochschule den Zugang anbietet, steht im Datenbankverzeichnis Ihrer Bibliothek.
- Zeitschrift eindeutig bestimmen: den genauen Titel oder die ISSN bereitlegen, denn ähnlich klingende Titel sind häufig.
- Suchen: die Journal Citation Reports über den Zugang der Bibliothek öffnen und nach Titel oder ISSN suchen.
- Jahr wählen: im Profil der Zeitschrift das JIF-Jahr einstellen, das Sie brauchen.
- Ablesen: den Journal Impact Factor und, falls verlangt, den 5-Year Impact Factor.
- Festhalten: Fachkategorie, Rang, Quartil, JIF-Jahr und Abrufdatum notieren (Beispiele).
Eine Zeitschrift kann mehreren Fachkategorien zugeordnet sein und dort auf verschiedenen Rängen stehen. Schreiben Sie deshalb zu Rang und Quartil immer die Kategorie, zu der sie gehören.
Ohne Hochschulzugang: Seite des Journals oder Verlags
Viele Verlage nennen den Impact Factor auf der Seite ihrer Zeitschriften. Brauchbar ist die Angabe, wenn Kennzahl, Jahr und Quelle dabeistehen. Ein Beispiel: Für die Zeitschrift für Soziologie steht auf der Seite des Verlags De Gruyter Brill „Journal Impact Factor 0.8 2025, Journal Citation Reports (Clarivate, 2026)“, abgerufen am 8. Oktober 2026. Daraus lesen Sie ab: JIF 0,8, Bezugsjahr 2025, Quelle JCR-Ausgabe 2026. Rang und Quartil in der Fachkategorie stehen dort nicht; dafür brauchen Sie die JCR.
Finden Sie keinen Wert, ist der Impact Factor deshalb nicht null. Seit der Ausgabe 2023 umfasst die JIF-Vergabe grundsätzlich auch die vollständig erfassten Zeitschriften des Arts & Humanities Citation Index und des Emerging Sources Citation Index; so meldet es etwa die Bibliothek der Technischen Universität Danzig zur Ausgabe 2026. Ein einzelner Wert kann dennoch fehlen: Die Zeitschrift ist vielleicht nicht oder nur teilweise in der Web of Science Core Collection erfasst, noch zu neu für die aktuelle Ausgabe, ihre Daten sind unvollständig, oder der Verlag nennt den Wert nicht. Außerdem kann Clarivate den Impact Factor bei auffälligen Zitationsmustern, etwa übermäßigen Selbstzitaten, für ein Jahr unterdrücken; die Zeitschrift bleibt dabei nach dem JCR-Leitfaden von Clarivate in der Core Collection erfasst. Lange warten müssen neue Zeitschriften nicht: Nach demselben Leitfaden bekam eine 2023 gegründete und 2024 aufgenommene Zeitschrift ihren ersten Impact Factor schon in der Ausgabe 2025, berechnet nur mit den Beiträgen ihres ersten Jahrgangs. Manche Zeitschriften verzichten bewusst auf die Angabe: Atmospheric Chemistry and Physics von der European Geosciences Union etwa listet CiteScore, SJR und weitere Werte, aber keinen Impact Factor, und rät von Zeitschriftenkennzahlen ab; die EGU hat DORA und CoARA unterzeichnet.
Umgekehrt ist ein genannter Impact Factor allein kein Beleg, dass eine Zeitschrift seriös arbeitet. Prüfen Sie die Angabe in den JCR und achten Sie auf die Warnzeichen unter Predatory Journals erkennen.
Frei zugänglich: SJR und CiteScore als andere Kennzahlen
Frei einsehbar sind zwei Zeitschriftenkennzahlen auf Grundlage der Datenbank Scopus: der CiteScore von Elsevier und der SCImago Journal Rank (SJR). Sie helfen beim Vergleich, ersetzen aber keinen Impact Factor. Schreiben Sie deshalb immer dazu, welche Kennzahl Sie angeben.
| Zeitschrift | ISSN | SJR 2025 | Kategorie und Quartil |
|---|---|---|---|
| Physical Review Letters | 0031-9007, 1079-7114 | 2,790 | Physics and Astronomy (miscellaneous): Q1 |
| Nature | 0028-0836, 1476-4687 | 19,713 | Multidisciplinary: Q1 |
| Science | 0036-8075, 1095-9203 | 10,948 | Multidisciplinary und History and Philosophy of Science: je Q1 |
Was Sie je Abfrage festhalten: zwei Beispiele
Notieren Sie zu jeder Abfrage Journal und ISSN, Anbieter, Kennzahl, Bezugsjahr, Fachkategorie, Wert, Rang oder Quartil, Abrufdatum und Zugangsart, auch wenn Sie keinen Wert finden. So sieht das mit zwei realen Werten von Verlagsseiten aus:
| Journal / ISSN | Anbieter | Kennzahl | Bezugsjahr | Index (Web of Science) | Wert |
|---|---|---|---|---|---|
| Zeitschrift für Soziologie, ISSN 0340-1804 | Clarivate, JCR 2026 (Angabe des Verlags) | JIF | 2025 | Social Sciences Citation Index (SSCI) | 0,8 |
| Clinical Chemistry and Laboratory Medicine, ISSN 1434-6621 | Clarivate, JCR 2026 (Angabe des Verlags) | JIF | 2025 | Science Citation Index Expanded (SCIE) | 4,4 |
Passende Stellen
1.285 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeitende aktuell ausgeschrieben
Impact Factor berechnen: Formel und Beispiel
Der Impact Factor teilt die Zitationen eines Jahres durch die Zahl der Beiträge, die in den zwei Jahren davor erschienen sind:
JIF im Jahr Y = Zitationen im Jahr Y auf Inhalte aus Y−1 und Y−2 ÷ zitierfähige Beiträge aus Y−1 und Y−2
Rechenbeispiel: Für den JIF 2025 zählt eine Zeitschrift 600 Zitationen im Jahr 2025 auf Inhalte aus 2023 und 2024. In diesen beiden Jahren hat sie 200 zitierfähige Beiträge veröffentlicht. 600 ÷ 200 = 3,0. Das ist kein realer Wert, und es heißt nicht, dass jeder Beitrag dreimal zitiert wurde.
Zähler und Nenner zählen nicht dasselbe. In den Nenner gehen nur Forschungsartikel und Übersichtsartikel (Reviews) ein, Editorials, Nachrichten oder Buchbesprechungen dagegen nicht. Zitationen auf solche Beiträge zählen im Zähler trotzdem mit und erhöhen den Wert, ohne dass der Nenner wächst; so beschreiben es der JCR-Leitfaden von Clarivate, ZB MED und Taylor & Francis. Gezählt werden außerdem nur Zitationen aus Zeitschriften, die das Web of Science erfasst. Eine eigene Rechnung trifft den offiziellen Wert deshalb nur, wenn sie dieselbe Datenbasis und dieselbe Einteilung der Beiträge verwendet.
5-Year Impact Factor
Neben dem Zwei-Jahres-Wert weisen die JCR einen 5-Year Journal Impact Factor aus. Er rechnet genauso, nur mit fünf Jahren: Zitationen im Jahr Y auf Inhalte aus Y−1 bis Y−5, geteilt durch die zitierfähigen Beiträge dieser fünf Jahre. Er ist eine eigene Kennzahl und nicht der Mittelwert der letzten fünf Impact Factors. Einen 5-Year-Wert erhält eine Zeitschrift nach Taylor & Francis erst, wenn die JCR sie fünf Jahre lang oder seit ihrem ersten Jahrgang erfassen.
Beispiel: 1.800 Zitationen im Jahr 2025 auf 500 zitierfähige Beiträge aus 2020 bis 2024 ergeben 1.800 ÷ 500 = 3,6.
Das längere Fenster passt besser zu Fächern, in denen Arbeiten erst nach Jahren häufig zitiert werden, und es schwankt bei kleinen Zeitschriften weniger. Besser ist es deshalb nicht automatisch, denn es bleibt ein Durchschnitt mit denselben Schwächen. Real können beide Werte gleich sein oder auseinanderliegen: Die Zeitschrift für Soziologie hat 2025 einen JIF und einen 5-Year JIF von je 0,8, Clinical Chemistry and Laboratory Medicine einen JIF von 4,4 und einen 5-Year JIF von 4.
Welcher Impact Factor ist gut?
Eine allgemeine Grenze, ab der ein Impact Factor gut ist, gibt es nicht. Fächer zitieren unterschiedlich viel und unterschiedlich schnell, und der Impact Factor gleicht das nicht aus. Werte aus verschiedenen Fachgebieten lassen sich deshalb nicht miteinander vergleichen. Ordnen Sie einen Wert in fünf Schritten ein:
- Fachkategorie: In welcher JCR-Kategorie steht die Zeitschrift? Bei mehreren Kategorien jede getrennt betrachten.
- Mitte: Liegt der Wert über oder unter dem Median der Zeitschriften dieser Kategorie?
- Rang: Auf welchem Platz von wie vielen steht die Zeitschrift in dieser Kategorie und diesem Jahr?
- Perzentil: Die JCR rechnen den Rang zusätzlich in ein JIF-Perzentil um, damit sich Kategorien unterschiedlicher Größe vergleichen lassen; ein höheres Perzentil heißt einen Platz weiter vorn.
- Quartil: Q1 ist das Viertel der Kategorie mit den höchsten Werten, Q4 das Viertel mit den niedrigsten.
Zwei reale Werte aus verschiedenen Fächern
| Zeitschrift | ISSN | Fach laut Verlag | JIF 2025 | 5-Year JIF 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Zeitschrift für Soziologie | 0340-1804, 2366-0325 | Soziologie | 0,8 | 0,8 |
| Clinical Chemistry and Laboratory Medicine | 1434-6621, 1437-4331 | Klinische Medizin | 4,4 | 4 |
Beide Werte stammen aus derselben JCR-Ausgabe. Trotzdem lässt der Abstand von 0,8 zu 4,4 keinen Schluss darauf zu, welche Zeitschrift besser ist: Die eine ist eine deutschsprachige Zeitschrift der Soziologie, die andere eine englischsprachige der Labormedizin. Für die Sozial- und Geisteswissenschaften ist nach ZB MED selbst das Fünf-Jahres-Fenster oft zu kurz, um die Wirkung von Publikationen zu erfassen. Ob 0,8 in der Soziologie viel oder wenig ist, zeigen erst Rang und Quartil in der passenden JCR-Kategorie.
Unsere Einordnung: Wählen Sie eine Zeitschrift zuerst danach, wer sie in Ihrem Fach liest und ob Ihr Thema dazu passt. Den Impact Factor nutzen Sie danach, um ähnliche Zeitschriften desselben Fachs zu vergleichen. Wie Rankings und Quartile zusammenspielen, erklärt der Artikel Journal-Rankings und Quartile.
Welches Jahr gebe ich beim Impact Factor an?
Beim Impact Factor kommen mehrere Jahreszahlen zusammen, die man leicht verwechselt. Am Beispiel des JIF 2025:
- 2023 und 2024 Publikationsfenster: die Beiträge der Zeitschrift, deren Zitationen gezählt werden.
- 2025 Bezugsjahr: das Jahr, in dem die Zitationen gezählt werden. Danach heißt der Wert JIF 2025.
- 2026 Ausgabejahr: In diesem Jahr erscheinen die JCR mit dem JIF 2025; nach ZB MED erscheinen sie immer im Sommer des Folgejahres.
- eigenes Jahr Ihr Artikel: Das Erscheinungsjahr Ihres eigenen Artikels kann jedes dieser Jahre sein oder davor liegen.
Geben Sie einen Wert deshalb immer mit Bezugsjahr an, etwa „JIF 2025: 0,8 (Journal Citation Reports 2026)“. Welches Jahr ein Formular oder eine Ordnung verlangt, steht in der jeweiligen Vorgabe; eine allgemeine Regel gibt es dafür nicht. Möglich sind zwei Lesarten: der aktuelle Wert zum Zeitpunkt der Bewerbung oder der Wert aus dem Erscheinungsjahr Ihres Artikels. Steht dazu nichts, fragen Sie nach oder nennen Sie das Jahr ausdrücklich.
JIF, 5-Year JIF, CiteScore, SJR, Quartil und H-Index
Die Kennzahlen klingen ähnlich, rechnen aber mit verschiedenen Daten und Fenstern. Für Ihre Angaben heißt das: Nennen Sie immer Kennzahl, Jahr und Quelle zusammen.
| Kennzahl | Bewertet | Datenquelle | Fenster | Wo nachschlagen |
|---|---|---|---|---|
| Journal Impact Factor (JIF) | eine Zeitschrift | Web of Science (Clarivate) | Zitationen eines Jahres auf Beiträge der zwei Vorjahre | Journal Citation Reports (Lizenz), oft auf der Verlagsseite |
| 5-Year JIF | eine Zeitschrift | Web of Science (Clarivate) | Zitationen eines Jahres auf Beiträge der fünf Vorjahre | Journal Citation Reports, teils auf der Verlagsseite |
| CiteScore | eine Zeitschrift oder Buchreihe | Scopus (Elsevier) | vier Jahre; überwiegend begutachtete Beitragsarten in Zähler und Nenner | Scopus Sources, frei einsehbar |
| SCImago Journal Rank (SJR) | eine Zeitschrift | Scopus, ausgewertet von SCImago | drei Jahre; Zitationen nach dem Ansehen der zitierenden Zeitschrift gewichtet | SCImago Journal Rank, frei |
| Quartil (Q1 bis Q4) | die Rangposition einer Zeitschrift in einer Kategorie | die jeweils zugrunde liegende Kennzahl | ein Jahr und eine Kategorie | JCR für den JIF, Scopus oder SCImago für ihre Kennzahlen |
| H-Index | meist eine Person | Google Scholar, Scopus oder Web of Science | der erfasste oder gewählte Zeitraum | Personenprofil bei Google Scholar, Scopus oder Web of Science; siehe H-Index |
Zwei Gleichsetzungen sind falsch. Ein CiteScore ist kein Impact Factor, auch wenn beide Zitationen je Beitrag zählen. Und ein Q1 ist kein A-Journal: Das Quartil folgt aus einer Zitationszählung, ein Buchstabe in Rankings wie dem VHB-Rating aus einem fachlichen Urteil. Woher das Ansehen einer Zeitschrift sonst kommt, steht unter Impact Factor, CiteScore, SJR und Q1 bis Q4.
Was sagt der Impact Factor über eine Veröffentlichung aus?
Über Ihren einzelnen Artikel sagt der Impact Factor wenig. Entstanden ist er als Hilfe für Bibliotheken, die entscheiden mussten, welche Zeitschriften sie abonnieren. Seine Grenzen sind bekannt:
- Schiefe Verteilung: Wenige häufig zitierte Artikel heben den Durchschnitt. Ein einzelner viel zitierter Artikel kann den Wert für zwei Jahre deutlich verschieben.
- Fächer: Der Wert berücksichtigt das Zitierverhalten eines Fachs nicht; selbst innerhalb einer Disziplin unterscheidet es sich.
- Beitragsarten: Reviews werden häufiger zitiert als Originalarbeiten. Zeitschriften mit vielen Reviews haben deshalb tendenziell höhere Werte.
- Kurzes Fenster: Zwei Jahre sind für viele Fächer zu kurz, um die Wirkung einer Arbeit zu erfassen.
- Selbstzitate und Redaktionspolitik: Zitate innerhalb derselben Zeitschrift und redaktionelle Entscheidungen können den Wert erhöhen.
- Datenbasis: Es zählen nur Zitationen aus Zeitschriften, die das Web of Science erfasst, und die Rohdaten sind nicht öffentlich.
Bewerbung, Förderung und Berufung
Für die Bewertung von Forschenden raten mehrere Erklärungen und Regeln vom Impact Factor ab, mit unterschiedlicher Verbindlichkeit:
- DORA: Die Erklärung von San Francisco empfiehlt, journalbasierte Kennzahlen wie den Impact Factor weder als Ersatz für die Qualität einzelner Artikel noch zur Bewertung einzelner Forschender oder bei Einstellung, Beförderung und Förderung zu verwenden. Sie ist eine Empfehlung, kein verbindliches Regelwerk.
- CoARA: Wer das Abkommen zur Reform der Forschungsbewertung unterzeichnet, verpflichtet sich, Forschung vor allem qualitativ zu bewerten, mit Peer Review im Zentrum, und unangemessene Verwendungen von Impact Factor und H-Index aufzugeben. Das bindet die Unterzeichner, nicht alle Hochschulen.
- DFG-Kodex, Leitlinie 5: Die Bewertung der Leistung folgt in erster Linie qualitativen Maßstäben; quantitative Indikatoren fließen nur differenziert und reflektiert ein.
- DFG-Vordruck 1.91 (Fassung 03/25): In DFG-Anträgen sind Angaben zu Impact-Faktoren und h-Indizes nicht erforderlich und werden bei der Begutachtung nicht berücksichtigt.
Welche Rolle Publikationen und Kennzahlen in einem Berufungsverfahren spielen, ergibt sich aus der Ausschreibung, der Berufungsordnung der Hochschule und der Bewertung durch die Berufungskommission. Wie Sie Ihre Veröffentlichungen im Lebenslauf darstellen, erklärt der Abschnitt Publikationen im akademischen Lebenslauf.
Impact-Faktor-Summen in der Medizin
In der Medizin kann der Impact Factor in Habilitationsordnungen eine Rolle spielen. Ein Beispiel ist die Charité – Universitätsmedizin Berlin. Nach ihrer Verfahrensregelung zur Habilitationsordnung in der Fassung vom 13. Oktober 2025 (Abschnitt 1.8 zu § 3 Abs. 7) reichen in der Regel zehn Originalarbeiten in Erst- oder Letztautorschaft. Erreichen die vorgelegten Arbeiten eine Impact-Faktor-Summe von mindestens 30, kann die Mindestzahl auf fünf sinken; bei anerkannter herausragender Lehre genügen vier Arbeiten mit einer Summe von mindestens 24.
Andere Fakultäten regeln das anders, etwa über die Zahl der Arbeiten und den Autorenanteil oder über Punkte nach Zeitschriftenklassen; eine Übersicht steht unter Habilitation in der Medizin. Unsere Einordnung: Fragen Sie bei einer Summenregel früh im Habilitationsbüro, welches JIF-Jahr für jede Arbeit gilt, und halten Sie für jede Arbeit Wert, Jahr und Quelle fest (was dazugehört).
Häufige Fragen zum Impact Factor
Wo finde ich den Impact Factor einer Zeitschrift?
In den Journal Citation Reports von Clarivate, meist über den Zugang Ihrer Hochschulbibliothek. Viele Verlage nennen den Wert außerdem auf der Seite der Zeitschrift; brauchbar ist die Angabe, wenn Jahr und Quelle dabeistehen.
Wie finde ich den Impact Factor ohne Uni-Zugang?
Auf der offiziellen Seite des Journals oder Verlags. Achten Sie darauf, dass Kennzahl, Bezugsjahr und Quelle genannt sind. Frei zugängliche Werte wie CiteScore oder SJR sind andere Kennzahlen und kein Ersatz für den Impact Factor.
Warum finde ich für eine Zeitschrift keinen Impact Factor?
Sie ist vielleicht nicht oder nur teilweise in der Web of Science Core Collection erfasst, noch zu neu für die aktuelle Ausgabe der Journal Citation Reports, oder der Verlag nennt den Wert nicht. Seit der Ausgabe 2023 umfasst die JIF-Vergabe grundsätzlich auch die Zeitschriften des Arts & Humanities Citation Index und des Emerging Sources Citation Index. Ein einzelner Wert kann dennoch fehlen, etwa wegen unvollständiger Daten oder einer Unterdrückung des JIF durch Clarivate. Ein fehlender Wert ist nicht null und sagt allein nichts über die Seriosität der Zeitschrift.
Sind Impact Factor und CiteScore dasselbe?
Nein. Der Impact Factor stammt von Clarivate, beruht auf dem Web of Science und rechnet mit zwei Vorjahren. Der CiteScore stammt von Elsevier, beruht auf Scopus und rechnet mit vier Jahren. Die Werte sind nicht austauschbar.
Welches Jahr gebe ich beim Impact Factor an?
Das Bezugsjahr des Werts, etwa „JIF 2025“, der 2026 in den Journal Citation Reports erschienen ist. Ob ein Formular den aktuellen Wert oder den aus dem Erscheinungsjahr Ihres Artikels verlangt, steht in der jeweiligen Vorgabe; im Zweifel nennen Sie das Jahr ausdrücklich.
Was ist ein guter Impact Factor?
Eine allgemeine Grenze gibt es nicht. Vergleichen Sie nur mit Zeitschriften derselben Fachkategorie und desselben Jahres, am besten über Rang, Perzentil und Quartil in den Journal Citation Reports.
Was bedeutet ein Impact Factor von 1, 3 oder 10?
Vereinfacht: Die Beiträge der zwei Vorjahre wurden im Berichtsjahr im Durchschnitt einmal, dreimal oder zehnmal zitiert. Weil sich Zitationen ungleich verteilen, wurden viele Artikel seltener zitiert. Ob der Wert hoch ist, hängt vom Fach ab.
Wie wird der Impact Factor berechnet?
Zitationen im Berichtsjahr auf Inhalte der zwei Vorjahre, geteilt durch die zitierfähigen Beiträge dieser zwei Jahre, also Forschungsartikel und Reviews. Beispiel: 600 ÷ 200 = 3,0.
Hat mein Artikel einen Impact Factor?
Nein. Der Wert gehört zur Zeitschrift, nicht zum Artikel und nicht zu einer Person. Für einen Artikel zählen seine eigenen Zitationen, für Personen gibt es Kennzahlen wie den H-Index.
Ist es bei einem hohen Impact Factor schwerer, angenommen zu werden?
Aus dem Impact Factor allein lässt sich keine Annahmequote ablesen. Wie streng eine Zeitschrift auswählt, steht allenfalls in ihren eigenen Angaben. Für Ihre Chancen zählt vor allem, ob Thema und Artikeltyp zur Zeitschrift passen.
Wenn Sie eine Stelle suchen, in der Publizieren zum Alltag gehört: aktuelle Ausschreibungen für Postdocs und Professuren.
Quellen
Anbieter, Verlage, Empfehlungen und Ordnungen, gelesen am 8. Oktober 2026:
- ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften: Journal Impact Factor und Alternativen (Berechnung, Zugang, Erscheinen der JCR, Kritik)
- Clarivate: Journal Citation Reports Reference Guide, Juni 2025 (Berechnung, zitierfähige Beiträge, erster Impact Factor neuer Zeitschriften)
- Bibliothek der Technischen Universität Danzig: New Editions of Journal Citation Reports and CiteScore, 25. Juni 2026
- Taylor & Francis Author Services: Journal metrics (Impact Factor, 5-Year Impact Factor, Quartile, CiteScore)
- Elsevier: CiteScore
- B. González-Pereira, V. Guerrero-Bote, F. Moya-Anegón: The SJR indicator: A new indicator of journals’ scientific prestige (Methode des SJR)
- SCImago Journal & Country Rank: Journalseiten Physical Review Letters, Nature und Science
- De Gruyter Brill: Journalseiten Zeitschrift für Soziologie und Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (Kennzahlen 2025)
- Clarivate, Web of Science Master Journal List: Einträge zu ISSN 0340-1804 (Social Sciences Citation Index) und 1434-6621 (Science Citation Index Expanded), abgerufen am 12. Oktober 2026; die JCR-Fachkategorie mit Rang und Quartil zeigt erst das Journalprofil nach Anmeldung oder die JCR selbst
- Atmospheric Chemistry and Physics: Journal metrics
- San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA)
- CoARA: The Commitments (Agreement on Reforming Research Assessment)
- DFG, Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis: Leitlinie 5
- DFG, Vordruck 1.91: Hinweise zu Publikationsverzeichnissen, Stand 03/25
- Charité – Universitätsmedizin Berlin: Verfahrensregelung zur Habilitationsordnung (HabOMed), Fassung vom 13. Oktober 2025