Medizinphysiker: Vom Physikstudium in die Klinik
Medizinphysiker planen Bestrahlungen, messen Dosen und sichern die Qualität der Geräte in Strahlentherapie, Nuklearmedizin und Radiologie. Ein Physikmaster allein reicht dafür nicht: Wer als Medizinphysik-Experte Verantwortung trägt, braucht zusätzlich die Fachkunde im Strahlenschutz – praktische Sachkunde unter Anleitung und Kurse. Der Einstieg gelingt meist über eine Klinikstelle zum Fachkundeerwerb. Hier finden Sie Gehalt, Studienwege und die Schritte bis zum Medizinphysik-Experten.
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Kurz gesagt
- Aufgaben: Bestrahlungsplanung, Dosimetrie und Qualitätssicherung – im Team mit Ärzten und MTR, ohne selbst zu behandeln.
- MPE: Der Medizinphysik-Experte ist eine im Strahlenschutzrecht geregelte Funktion; die Fachkunde gilt je Anwendungsgebiet.
- Gehalt: An Unikliniken nach Tarif; die Entgeltgruppe steht in der Ausschreibung und steigt mit Fachkunde und Verantwortung nicht automatisch.
So gelingt der Einstieg
- Studium: Master in Physik oder Medizinphysik; fehlende medizinphysikalische Inhalte lassen sich nachholen.
- Erste Stelle: Suchen Sie nach „MPE in Ausbildung“ oder „zum Erwerb der Fachkunde“ – mit anerkannter Anleitung und bezahlten Kursen.
- Behörde: Die Fachkunde bescheinigt die zuständige Landesstelle; Nachweise vor Vertragsbeginn klären.
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Inhalt
Was macht ein Medizinphysiker?
Medizinphysiker sorgen dafür, dass Strahlung in der Medizin genau dort wirkt, wo sie soll: Sie planen Bestrahlungen mit, messen Dosen und prüfen die Geräte, mit denen untersucht und behandelt wird.
Der Beruf liegt zwischen Physik und Medizin. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob und wie ein Mensch untersucht oder behandelt wird; die Medizinphysikerin oder der Medizinphysiker sorgt dafür, dass die Physik dahinter stimmt. Das Strahlenschutzrecht beschreibt diese Arbeit genau: Bei einer Bestrahlung nach individuellem Plan muss ein Medizinphysik-Experte „zur engen Mitarbeit bei der Festlegung des Bestrahlungsplans und der Durchführung der Behandlung hinzugezogen“ werden (§ 131 Abs. 1 StrlSchV).
Drei klinische Arbeitsfelder. Die Fachkunde, die ein Medizinphysik-Experte braucht, gibt es für drei Anwendungsgebiete (Richtlinienmodul MPE, Nr. 1):
- Strahlentherapie: Bestrahlung von Tumoren mit Linearbeschleunigern, in der Brachytherapie mit Strahlenquellen im oder am Körper, dazu Röntgentherapie und gegebenenfalls Partikeltherapie. Hier ist der Medizinphysiker am engsten in jede einzelne Behandlung eingebunden.
- Nuklearmedizin: Diagnostik und Therapie mit radioaktiven Stoffen, etwa mit SPECT und PET; dazu kommen Messplätze, Abklinganlagen und die Dosisbestimmung bei nuklearmedizinischer Therapie.
- Röntgendiagnostik: Röntgenaufnahmen, Computertomographie, digitale Volumentomographie, Durchleuchtung und interventionelle Radiologie, mit dem Schwerpunkt auf Dosis und Bildqualität.
Beispiel (fiktiv): der Weg einer Bestrahlung. Ein Patient mit einem Prostatatumor bekommt ein Planungs-CT. Die Radioonkologin zeichnet ein, was bestrahlt werden soll und was geschont werden muss, etwa Blase und Enddarm. Der Medizinphysiker berechnet am Planungssystem, aus welchen Richtungen und mit welcher Intensität der Linearbeschleuniger strahlt, damit die verordnete Dosis im Tumor ankommt und die Grenzwerte der Nachbarorgane eingehalten werden. In der Planbesprechung entscheiden beide gemeinsam. Vor der ersten Sitzung prüft er den Plan nach, rechnerisch oder mit einer Messung im Phantom. Die MTR lagern den Patienten und führen die Bestrahlung durch; der Medizinphysiker sorgt dafür, dass das Gerät am Morgen die Konstanzprüfung bestanden hat.
Daneben arbeiten Medizinphysiker in Bereichen ohne ionisierende Strahlung, etwa mit Magnetresonanztomographie oder Ultraschall, in der Forschung und in der Medizintechnik. Für Magnetresonanz und Ultraschall gilt das Strahlenschutzrecht nicht; einen Medizinphysik-Experten verlangt es dort nicht (DGMP, Working as a Medical Physicist in Germany).
Nicht Arzt, nicht MTR. Strahlung am Menschen anwenden dürfen nach § 145 Abs. 1 StrlSchV nur approbierte Ärztinnen und Ärzte mit Fachkunde. Die technische Durchführung am Patienten ist auf dem Gebiet der Humanmedizin grundsätzlich Medizinischen Technologinnen und Technologen für Radiologie (MTR) vorbehalten, darunter die technische Durchführung der Strahlentherapie und die „Mitwirkung bei der Erstellung des Bestrahlungsplanes“ (§ 5 Abs. 2 MTBG). Medizinphysik-Experten dürfen die technische Durchführung nur unter ständiger Aufsicht einer Ärztin oder eines Arztes übernehmen (§ 145 Abs. 2 Nr. 6 StrlSchV). Ihre eigene Verantwortung ist eine andere: die Physik und die Dosis.
Medizinphysiker und Medizinphysik-Experte: Was ist der Unterschied?
Medizinphysiker ist eine Berufsbezeichnung, Medizinphysik-Experte eine gesetzlich geregelte Funktion: Erst mit der Fachkunde im Strahlenschutz dürfen Sie die Aufgaben übernehmen, die das Strahlenschutzrecht einem Medizinphysik-Experten zuweist.
Das Strahlenschutzgesetz definiert den Medizinphysik-Experten als „Person mit Masterabschluss in medizinischer Physik oder eine in medizinischer Physik gleichwertig ausgebildete Person mit Hochschulabschluss, die jeweils die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz besitzt“ (§ 5 Abs. 24 StrlSchG). Abgekürzt wird das MPE. Die Bezeichnung „Medizinphysiker“ dagegen ist nicht geschützt und steht in Ausschreibungen oft für dieselbe Stelle, manchmal mit, manchmal ohne Fachkunde.
| Merkmal | Medizinphysiker | Medizinphysik-Experte (MPE) |
|---|---|---|
| Was es ist | Berufsbezeichnung | Funktion nach dem Strahlenschutzrecht |
| Abschluss | Studium der Physik, Medizinphysik oder eines verwandten Fachs | Master in medizinischer Physik oder gleichwertige Ausbildung mit Hochschulabschluss |
| Zusätzlich nötig | nichts Gesetzliches | Fachkunde im Strahlenschutz für ein Anwendungsgebiet, von der zuständigen Stelle bescheinigt |
| Aufgaben | nach Stelle, auch unter Anleitung eines MPE | Verantwortung für die Dosimetrie, Mitwirkung bei Qualitätssicherung, Geräteauswahl, Vorkommnissen, Unterweisung (§ 132 StrlSchV) |
| Freiwillig dazu | Zertifizierung als klinische Medizinphysikerin oder klinischer Medizinphysiker (DGMP), ersetzt die Fachkunde nicht | |
Wann ein MPE gesetzlich dazugehört. Die Strahlenschutzverordnung unterscheidet drei Stufen (§ 131 StrlSchV): Bei Behandlungen nach individuellem Bestrahlungsplan arbeitet der MPE eng mit; bei standardisierten Behandlungen, nuklearmedizinischen Untersuchungen, Computertomographie und Interventionen mit erheblicher Exposition wird er „zur Mitarbeit“ hinzugezogen, in einem Umfang, der sich nach Zahl der Untersuchungen und Geräte richtet; bei allen anderen Anwendungen „zur Beratung“, soweit es für Strahlenschutz und Qualität geboten ist.
Was der MPE verantwortet. Wo er hinzugezogen ist, „übernimmt“ er „die Verantwortung für die Dosimetrie“ der untersuchten oder behandelten Personen und wirkt mit bei der Qualitätssicherung, der Auswahl der Geräte, der Überwachung der Exposition und der diagnostischen Referenzwerte, bei der Untersuchung von Vorkommnissen, der Risikobeurteilung für Behandlungen und der Unterweisung der Beschäftigten (§ 132 StrlSchV).
Unsere Einordnung: Für Ihre Laufbahn in der Klinik ist die Fachkunde der eigentliche Abschluss, nicht der Master. Ohne sie können Sie mitarbeiten und lernen, aber die Aufgaben, die das Gesetz einem Medizinphysik-Experten zuweist, übernehmen Sie erst mit ihr. Planen Sie deshalb vom ersten Arbeitstag an auf die Fachkunde hin, und wählen Sie das Anwendungsgebiet bewusst: Es bestimmt, wo Sie die nächsten Jahre arbeiten.
Was das für Stellenanzeigen heißt. Steht „Medizinphysik-Experte“ im Titel, prüfen Sie, ob die Fachkunde schon verlangt wird oder erworben werden kann. Das Universitätsklinikum Würzburg verlangt für seine MPE-Stelle in der Nuklearmedizin „fundierte klinische Berufserfahrung“ und die Fachkunde; das UKSH in Kiel schreibt dagegen ausdrücklich eine Stelle „zur Ausbildung“ aus, bei der die Fachkunde „ggf. erworben werden“ kann.
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Gehalt als Medizinphysiker: Was verdienen Sie?
An Unikliniken mit TV-L werden Medizinphysiker nach den Gruppen für wissenschaftlich Beschäftigte bezahlt, das UKSH etwa nennt E 13 ohne und E 14 mit Fachkunde; welche Gruppe gilt, steht in der Anzeige und hängt an der übertragenen Tätigkeit.
Die Entgeltordnung zum TV-L kennt kein eigenes Merkmal für Medizinphysiker. Es gelten die allgemeinen Merkmale für Beschäftigte mit wissenschaftlicher Hochschulbildung (Anlage A, Teil I): E 13 bei „abgeschlossener wissenschaftlicher Hochschulbildung und entsprechender Tätigkeit“, E 14, wenn sich die Tätigkeit „durch besondere Schwierigkeit und Bedeutung“ aus E 13 heraushebt, ganz oder mindestens zu einem Drittel, oder zu mindestens einem Drittel „hochwertige Leistungen bei besonders schwierigen Aufgaben“ erfordert; E 15 bei erheblich größerer Verantwortung oder wenn mindestens fünf Beschäftigte der E 13 ständig unterstellt sind. Die Fachkunde selbst ist kein Tarifmerkmal; im Beispiel des UKSH unten hängt die Gruppe trotzdem an ihr.
| TV-L | Stufe 1 | Stufe 2 | Stufe 3 | Stufe 4 | Stufe 5 | Stufe 6 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| E 13 | 4.759,37 € | 5.106,09 € | 5.366,89 € | 5.873,56 € | 6.573,97 € | 6.764,69 € |
| E 14 | 5.143,59 € | 5.515,90 € | 5.821,41 € | 6.283,38 € | 6.991,23 € | 7.194,48 € |
| E 15 | 5.658,38 € | 6.067,30 € | 6.283,38 € | 7.050,89 € | 7.632,07 € | 7.854,52 € |
Monatlich brutto, Vollzeit; TV-L Anlage B, gültig vom 1. April bis 31. Dezember 2026. Ihr Netto für eine Gruppe und Stufe rechnet der Gehaltsrechner; mehr zu den Gruppen unter E13 TV-L und E14 und E15 TV-L.
Was Ausschreibungen nennen. Das UKSH schreibt für seine Kieler Nuklearmedizin eine „Eingruppierung in die Entgeltgruppe E13 (ohne MPE Fachkunde) bzw. E14 TV-L (bei vorhandener MPE Fachkunde)“ aus, „bei Erfüllung der tariflichen Voraussetzungen“; der Vertrag ist unbefristet mit Fachkunde, „befristet im Rahmen des Erwerbs der MPE Fachkunde“ ohne, die Stelle mit zurzeit 19,25 Wochenstunden ausgeschrieben (Ausschreibung, Frist 07.10.2026). Das Universitätsklinikum Würzburg und die Universitätsmedizin Göttingen nennen den TV-L ohne Gruppe (Würzburg, Göttingen). Außerhalb des öffentlichen Dienstes nennen Anzeigen nicht immer einen Tarif: Eine Strahlentherapie-Praxis des Medizinischen Versorgungszentrums Eisenach in Mühlhausen bietet einem MPE mit Fachkunde für Tele- und Röntgentherapie eine unbefristete Vollzeitstelle mit „leistungsgerechter Vergütung“ (Ausschreibung).
Andere Tarife. Nicht jede Uniklinik wendet den TV-L an; manche haben eigene Haustarife, etwa das Universitätsklinikum Heidelberg mit dem TV UK. In Forschungseinrichtungen des Bundes gilt der TVöD, in der Industrie zählt das einzelne Angebot. Ob die Industrie mehr zahlt, lässt sich nicht allgemein sagen; vergleichen Sie Bruttojahresgehalt, Arbeitszeit und Vertragsdauer der konkreten Angebote.
Unsere Einordnung: Eine Stelle zum Erwerb der Fachkunde ist eine Investition in Ihre Qualifikation, keine Wartezeit. Lassen Sie sich trotzdem schriftlich geben, was nach der Fachkunde passiert: ob die Höhergruppierung nach E 14 vorgesehen ist, wann sie geprüft wird und ob der Vertrag dann entfristet wird. Das UKSH-Beispiel zeigt, dass Häuser das in der Anzeige selbst so koppeln – fragen Sie, ob das auch für Ihr Haus gilt.
Welches Studium bereitet auf den Beruf vor?
Der Weg führt über einen Master: in Medizinischer Physik oder in Physik beziehungsweise einem naturwissenschaftlich-technischen Fach, wenn die medizinphysikalischen Inhalte nachgewiesen werden.
Das Gesetz verlangt einen Masterabschluss in medizinischer Physik oder eine gleichwertige Ausbildung mit Hochschulabschluss (§ 5 Abs. 24 StrlSchG). Was „gleichwertig“ heißt, legt Anlage 1 des Richtlinienmoduls fest: Grundwissen in Anatomie, Physiologie, Biochemie, Biophysik, Strahlenbiologie, Strahlenphysik, medizinischer Informatik und Bildverarbeitung sowie Fachwissen im angestrebten Anwendungsgebiet. Anatomie und Physiologie gehören nicht zu jedem Physikstudium; fehlende Inhalte lassen sich durch zusätzliche Aus- und Weiterbildung nachholen (DGMP).
- Master in Medizinischer Physik: der direkte Weg. Der Fachausschuss Strahlenschutz der Länder hat eine Übersicht erarbeitet, welche deutschen Studiengänge das MPE-Qualifikationsniveau abdecken; die DGMP stellt sie mit Stand 2026 bereit.
- Master in Physik oder einem verwandten Fach: möglich, wenn Sie die Inhalte der Anlage 1 nachweisen. Fehlt etwas, prüft die zuständige Stelle in einem Fachgespräch, das mindestens zwei Medizinphysik-Experten mit je drei Jahren Erfahrung führen.
- Master parallel zur Praxis: Der Abschluss muss erst bei der Antragstellung vorliegen; das Masterstudium kann die Sachkundezeit begleiten (Richtlinienmodul MPE, Nr. 2.1). Den Grundkurs im Strahlenschutz können Sie schon im Studium absolvieren (Nr. 2.3.1).
- Abschluss aus dem Ausland: Abschluss und Fachkunde sind zwei Prüfungen. Für den Abschluss hilft die Datenbank anabin oder eine Zeugnisbewertung der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen; die Fachkunde prüft danach die zuständige Stelle anhand Ihres Curriculums (DGMP).
Promotion? Für den Medizinphysik-Experten ist sie nicht verlangt; das Gesetz nennt den Master. Wer in der Forschung bleiben, an einer Uniklinik eine Arbeitsgruppe leiten oder sich habilitieren will, braucht sie dagegen. Ein Medizinstudium ist für den Beruf nicht nötig.
Unsere Einordnung: Wer schon im Bachelor weiß, dass er in die Klinik will, sollte einen Master wählen, der in der Länderübersicht als MPE-tauglich geführt wird. Das spart später das Fachgespräch und Nachweise. Wer aus der Physik kommt, sollte die Anlage 1 neben sein Transkript legen und Lücken in Anatomie, Physiologie und Strahlenbiologie vor der ersten Klinikstelle schließen.
Wie erwerben Sie die Fachkunde?
Die Fachkunde entsteht aus drei Teilen: Ihrem Studium, mindestens zwölf bis achtzehn Monaten praktischer Arbeit unter Anleitung in der Klinik und anerkannten Strahlenschutzkursen; bescheinigt wird sie von der zuständigen Stelle Ihres Landes.
Das Strahlenschutzgesetz nennt die drei Bausteine: eine geeignete Ausbildung, praktische Erfahrung und die erfolgreiche Teilnahme an anerkannten Kursen (§ 74 Abs. 1 StrlSchG). Die Einzelheiten stehen im Richtlinienmodul „Erforderliche Fachkunden im Strahlenschutz für Medizinphysik-Experten (MPE)“ vom 1. Februar 2021. Die Schritte in der Reihenfolge:
- Stelle mit Anleitung finden. Die praktische Erfahrung, die Sachkunde, erwerben Sie „unter Aufsicht und Verantwortung“ eines Medizinphysik-Experten mit Fachkunde, der mindestens drei Jahre Erfahrung im Anwendungsgebiet haben soll, an einer Einrichtung, die technisch und personell dafür geeignet ist (Nr. 2.2; § 47 Abs. 2 StrlSchV).
- Grundkurs in den ersten drei Monaten. Der Grundkurs im Strahlenschutz soll spätestens bis zum Ende des dritten Monats der Sachkundezeit absolviert sein, danach folgen die Spezialkurse: ST für die Strahlentherapie, SN für die Nuklearmedizin, SR für die Röntgendiagnostik (Nr. 2.3).
- Sachkunde in Vollzeit sammeln. Wie lange, zeigt die Tabelle unten. Was Sie in dieser Zeit tun, regelt ein Tätigkeitskatalog mit Richtwerten; in der Teletherapie etwa 200 erstellte und bewertete Bestrahlungspläne, 150 dosimetrische Verifikationen und 50 Planbesprechungen mit der Radioonkologie (Anlage 2.1), in der Röntgendiagnostik die Teilnahme an 400 Untersuchungen vom CT bis zur Mammadiagnostik, an 50 Interventionen und 30 Konstanzprüfungen (Anlage 2.4). Die Zahlen sind Richtwerte; ob Sie die geforderten Kompetenzen erreicht haben, beurteilt der anleitende MPE.
- Antrag stellen. Die zuständige Stelle prüft und bescheinigt die Fachkunde. Vorzulegen sind in der Regel Nachweise über Ausbildung, praktische Erfahrung und Kurse; die Kursteilnahme soll nicht länger als fünf Jahre zurückliegen (§ 47 Abs. 1 StrlSchV). Den Nachweis der Sachkunde bestätigt schriftlich, wer Sie angeleitet hat (§ 47 Abs. 2).
- Aktuell halten. Die Fachkunde muss mindestens alle fünf Jahre durch einen anerkannten Kurs oder eine anerkannte Fortbildung aktualisiert werden (§ 48 Abs. 1 StrlSchV).
| Fachkunde | Mindestdauer Sachkunde | Spezialkurs |
|---|---|---|
| Strahlentherapie | 18 Monate, Partikeltherapie zusätzlich 6 | ST (ST1–ST4, ST5 Partikeltherapie) |
| Nuklearmedizin | 12 Monate | SN (SN1 Diagnostik, SN2 Therapie) |
| Röntgendiagnostik | 12 Monate | SR (SR1–SR3) |
| Zwei Gebiete gleichzeitig | 24 Monate mit Strahlentherapie, 18 Monate Nuklearmedizin und Röntgendiagnostik | beide Spezialkurse |
| Alle drei gleichzeitig | 30 Monate (ohne Partikeltherapie) | ST, SN, SR |
| Zweites Gebiet später | 6 Monate, für Strahlentherapie 12 Monate | Spezialkurs des neuen Gebiets |
Richtlinienmodul zur StrlSchV „Erforderliche Fachkunden im Strahlenschutz für Medizinphysik-Experten (MPE)“ vom 01.02.2021 (GMBl. S. 428), Nr. 2.3 und 3.1–3.5. Die Zeiten gelten für Vollzeit und „sind bei Teilzeitbeschäftigungen entsprechend anzupassen“.
Teilzeit verlängert die Sachkunde. Weil die Mindestzeiten für arbeitstägliche Vollzeit gelten, dauert die Sachkunde mit halber Stelle entsprechend länger. Das betrifft Angebote wie die Kieler Stelle mit zurzeit 19,25 Wochenstunden; klären Sie mit der Behörde und dem anleitenden MPE vorab, wie lange Ihr Weg dann dauert.
Einschränkung auf Teilgebiete. Grundsätzlich wird die Fachkunde für das ganze Anwendungsgebiet erworben. Nur in begründeten Ausnahmefällen kann die Behörde sie für Teilgebiete bescheinigen, etwa nur Brachytherapie oder nur Computertomographie; die Mindestzeiten bleiben dieselben (Nr. 3.4).
Rolle der DGMP. Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik ist Fachgesellschaft, keine Behörde. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen wird sie bei Fachkundeanträgen als Sachverständige einbezogen, in Bayern und Baden-Württemberg organisiert sie gegebenenfalls das Fachgespräch; den Antrag stellen Sie auch dort bei der zuständigen Stelle. Für die Dokumentation der Sachkundezeit stellt sie eine Tabellenvorlage bereit. Davon zu trennen ist ihre freiwillige Zertifizierung als „klinische:r Medizinphysiker:in (DGMP)“: Sie verlangt mindestens vier Jahre Praxis im Fachgebiet mit Mentorin oder Mentor und 250 Leistungspunkte Weiterbildung und ersetzt die gesetzliche Fachkunde nicht.
Welche Einstiegsstelle bietet die passende Weiterbildung?
Die beste erste Stelle ist eine, an der ein erfahrener Medizinphysik-Experte Sie anleitet, alle Methoden Ihres Anwendungsgebiets vorkommen und der Vertrag mindestens so lange läuft wie die Sachkundezeit.
Wonach Sie suchen. Stellen zum Fachkundeerwerb heißen in Anzeigen etwa „Medizinphysikexperte … (zur Ausbildung)“ wie beim UKSH, „Medizinphysiker (w/m/d) zur Ausbildung“ wie an der Uniklinik Ulm, „MPE in Ausbildung“, „Medizinphysiker in Weiterbildung“ oder „Sachkundezeit“ (DGMP). Viele Arbeitgeber übernehmen die Kursgebühren; die DGMP rät, das vor der Zusage zu klären. Oft steht der Hinweis im Profil: Die Universitätsmedizin Göttingen schreibt, eine Fachkunde in der Röntgendiagnostik sei „wünschenswert, kann aber im Rahmen der Tätigkeit erworben werden“, und bietet „die Möglichkeit, die Fachkunde MPE in der Röntgendiagnostik zu erwerben“ (Vollzeit, 38,5 Wochenstunden, zunächst befristet auf zwei Jahre).
Ohne Klinikerfahrung bewerben. Eine Fachkunde müssen Sie für die Bewerbung auf eine Ausbildungsstelle nicht mitbringen; nach der DGMP ist es auch für Bewerber aus dem Ausland nicht nötig, sie vor der Stellensuche zu erwerben. Was Sie vorweisen können, zählt trotzdem: einen im Studium absolvierten Grundkurs im Strahlenschutz, eine Masterarbeit mit Messungen oder Simulationen nahe an der Dosimetrie, Programmierkenntnisse für Auswertung und Qualitätssicherung. Wer schon weiß, in welches Gebiet er will, sollte das im Anschreiben begründen.
Checkliste für die erste Stelle. Diese Fragen sollten vor der Zusage beantwortet sein:
- Wer leitet mich an, seit wann hat diese Person die Fachkunde im Gebiet, und bestätigt sie meine Sachkunde schriftlich?
- Kommen alle Verfahren des Gebiets vor – in der Strahlentherapie etwa Teletherapie, Brachytherapie und Röntgentherapie – oder brauche ich eine Hospitation an einem anderen Haus?
- Wann besuche ich Grund- und Spezialkurs, wer zahlt die Kurse, und werde ich dafür freigestellt?
- Läuft der Vertrag länger als die Mindestsachkunde, und was geschieht nach der Fachkunde: Entfristung, Höhergruppierung?
- Wie wird dokumentiert, welche Tätigkeiten ich wie oft ausgeführt habe, etwa mit der Vorlage der DGMP?
- Bei Teilzeit: Wie lange dauert meine Sachkunde dann tatsächlich?
Beispiel (fiktiv): zwei Angebote nach dem Master. Eine Absolventin der Medizinphysik hat zwei Zusagen. Angebot A: Strahlentherapie an einer Uniklinik, E 13 TV-L, befristet auf zwei Jahre, Anleitung durch zwei erfahrene MPE, Kurse vom Haus bezahlt. Angebot B: Röntgendiagnostik in einer zentralen Strahlenschutzabteilung, ebenfalls E 13, befristet auf zwei Jahre. Für die Strahlentherapie braucht sie mindestens 18 Monate Sachkunde, für die Röntgendiagnostik 12. A ist der längere, aber in der Klinik gefragtere Weg in die Bestrahlungsplanung; B führt schneller zur Fachkunde und lässt Zeit, später ein zweites Gebiet anzuhängen, für die Strahlentherapie dann mit zwölf weiteren Monaten. Entscheidend ist, welches Gebiet sie langfristig will, nicht welches schneller geht.
Unsere Einordnung: Nehmen Sie lieber die Stelle mit der besseren Anleitung als die mit der höheren Gruppe. Die Sachkundezeit prägt, wie sicher Sie später als MPE arbeiten, und sie lässt sich nicht wiederholen, ohne erneut Monate zu investieren. Eine Stelle, deren Vertrag vor dem Ende der Mindestsachkunde ausläuft, ist nur dann eine gute Wahl, wenn die Verlängerung schriftlich zugesagt ist.
Arbeitsalltag, Bewerbung und Perspektiven
Der Alltag besteht aus Planung und Prüfung im Team mit Ärzten und MTR, aus Messungen an den Geräten, aus Dokumentation – und aus der Verantwortung, dass bei jeder Anwendung die Dosis stimmt.
Wie Anzeigen den Alltag beschreiben. In der Nuklearmedizin des UKSH gehören Qualitätssicherung und Konstanzprüfungen an SPECT-CT und PET-CT dazu, die Betreuung der Abklinganlage und des Ganzkörperzählers sowie Mitarbeit in Studien. Das Universitätsklinikum Würzburg nennt Aufgaben als Strahlenschutzbeauftragte oder Strahlenschutzbeauftragter, die Betreuung der Abwasseranlage für radioaktive Abwässer und die Strahlenschutzunterweisung von Mitarbeitenden. In Göttingen geht es um Strahlenschutzberatung aller Abteilungen und das hausweite Dosismanagementsystem, in der Strahlentherapie-Praxis in Mühlhausen um Bestrahlungsplanung, Dosimetrie und die Neuinstallation eines Beschleunigers.
Beispiel (fiktiv): ein Tag in der Nuklearmedizin. Morgens die tägliche Konstanzprüfung an der Gammakamera und am PET-CT, danach eine Rückfrage aus der Station zur Dosis einer Radiojodtherapie. Mittags die Auswertung von Messungen am Ganzkörperzähler und die Kontrolle der Abklinganlage. Am Nachmittag eine Strahlenschutzunterweisung für neue Mitarbeitende und eine Besprechung zur Anschaffung eines neuen SPECT-Geräts, für die der Medizinphysiker die technischen Anforderungen formuliert.
Was Sie mitbringen sollten. Die Anzeigen nennen neben dem Studium Kenntnisse in Strahlenphysik, Dosimetrie und Radiobiologie (Würzburg), teils Programmier- und IT-Kenntnisse, in Göttingen etwa klinischer Systeme wie KIS, RIS und PACS, und sehr gute Deutschkenntnisse (Würzburg). Wer aus der Forschung kommt, sollte in der Bewerbung zeigen, welche Messverfahren und Auswertungen er beherrscht und warum er in die Klinik will.
Beispiel (fiktiv) für den Einstieg ins Anschreiben: „In meiner Masterarbeit habe ich Dosisverteilungen in einem Wasserphantom gemessen und mit Monte-Carlo-Rechnungen verglichen. Die Abweichungen am Feldrand haben mich zur Frage geführt, wie sich solche Unsicherheiten in der Bestrahlungsplanung auswirken. In Ihrer Klinik möchte ich die Fachkunde in der Strahlentherapie erwerben; den Grundkurs im Strahlenschutz habe ich im Studium abgeschlossen.“
Perspektiven. Mit Fachkunde und Erfahrung übernehmen Medizinphysik-Experten die Anleitung neuer Kolleginnen und Kollegen, die Funktion als Strahlenschutzbeauftragte oder die Leitung einer Medizinphysik-Abteilung; im TV-L ist Leitung von mindestens fünf Beschäftigten der E 13 ein Merkmal der E 15. Wer forscht, arbeitet an Unikliniken an neuen Verfahren, etwa der Partikeltherapie oder der bildgestützten Bestrahlung. Ein weiteres Anwendungsgebiet lässt sich in sechs bis zwölf Monaten anhängen. Außerhalb der Klinik nennt die DGMP Hersteller von Medizinprodukten, Bestrahlungs- und Bildgebungsgeräten, Dosimetrie und Software; manche dieser Stellen verlangen ebenfalls die Fachkunde.
Offene Stellen in der Medizinphysik an Unikliniken und Forschungseinrichtungen finden Sie unter Medizin; was eine Uniklinik als Arbeitgeber ausmacht, erklärt Universitätsklinikum, den Nachbarberuf in der Radiologie MTA und MT.
Häufige Fragen zur Medizinphysik
Muss ich Medizin studieren, um Medizinphysiker zu werden?
Nein. Der Weg führt über ein naturwissenschaftliches Studium mit Master, am direktesten in Medizinischer Physik. Medizinische Grundkenntnisse wie Anatomie und Physiologie gehören zum Wissensstand, den die Richtlinie für Medizinphysik-Experten verlangt (Anlage 1); sie lassen sich im Studium oder durch zusätzliche Weiterbildung erwerben.
Brauche ich als Medizinphysiker eine Promotion?
Für die Funktion als Medizinphysik-Experte nicht: Das Strahlenschutzgesetz verlangt einen Masterabschluss in medizinischer Physik oder eine gleichwertige Ausbildung mit Hochschulabschluss und die Fachkunde (§ 5 Abs. 24 StrlSchG). Für eine Laufbahn in der Forschung oder eine Habilitation an einer Uniklinik ist die Promotion dagegen der übliche Schritt.
Kann ich ohne Fachkunde als Medizinphysiker anfangen?
Ja. Die Fachkunde erwerben Sie in der Regel erst in einer Klinikstelle, unter Aufsicht eines Medizinphysik-Experten. Solche Stellen werden ausdrücklich ausgeschrieben, etwa beim UKSH „zur Ausbildung“ mit E 13 TV-L bis zur Fachkunde. Die Aufgaben eines Medizinphysik-Experten übernehmen Sie eigenverantwortlich erst mit der bescheinigten Fachkunde.
Reicht ein Physikmaster für den Medizinphysik-Experten?
Nicht automatisch. Verlangt ist ein Qualifikationsniveau, das einem Master in Medizinischer Physik entspricht. Fehlen Inhalte der Anlage 1 der Richtlinie, etwa Anatomie, Physiologie oder Strahlenbiologie, müssen Sie sie nachweisen; kann die Behörde es aus den Unterlagen nicht entscheiden, führt sie ein Fachgespräch.
Wie lange dauert der Weg zum Medizinphysik-Experten?
Nach dem Master mindestens 18 Monate Sachkunde in Vollzeit für die Strahlentherapie, 12 Monate für Nuklearmedizin oder Röntgendiagnostik, dazu Grund- und Spezialkurs; für zwei Gebiete gleichzeitig 18 oder 24 Monate, für alle drei 30 Monate (Richtlinienmodul MPE vom 01.02.2021). Mit dem Antrag bei der Behörde kommt Bearbeitungszeit hinzu.
Wer erteilt die Fachkunde als Medizinphysik-Experte?
Die zuständige Stelle des Landes prüft und bescheinigt sie (§ 47 Abs. 1 StrlSchV). In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen bezieht sie die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik als Sachverständige ein. Die Fachkunde muss mindestens alle fünf Jahre aktualisiert werden (§ 48 StrlSchV).
Brauche ich die Fachkunde auch für MRT oder Ultraschall?
Nein. Magnetresonanztomographie und Ultraschall arbeiten ohne ionisierende Strahlung und fallen nicht unter das Strahlenschutzrecht; einen Medizinphysik-Experten verlangt es dort nicht (DGMP).
Was gilt bei Teilzeit oder beim Wechsel in ein anderes Anwendungsgebiet?
Die Mindestzeiten der Sachkunde gelten für Vollzeit und sind bei Teilzeit entsprechend anzupassen, die Sachkunde dauert also länger. Wer schon eine Fachkunde hat, braucht für ein weiteres Gebiet mindestens sechs Monate Sachkunde, für die Strahlentherapie zwölf; die Ausbildung wird dann nicht erneut geprüft (Richtlinienmodul MPE, Nr. 3).
Quellen
Recht und Richtlinie
- Strahlenschutzgesetz: § 5 Abs. 24 (Medizinphysik-Experte), § 74 (Fachkunde).
- Strahlenschutzverordnung: § 47, § 48, § 131, § 132, § 145.
- Bundesumweltministerium: Richtlinienmodul zur StrlSchV „Erforderliche Fachkunden im Strahlenschutz für Medizinphysik-Experten (MPE)“, 01.02.2021 (GMBl. S. 428), Nr. 1–3, Anlagen 1 und 2.
- MT-Berufe-Gesetz, § 5 Abs. 2.
Fachgesellschaft
- Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik: Fachkunde MPE, Working as a Medical Physicist in Germany, Studiengänge für das MPE-Qualifikationsniveau, Zertifizierung klinische:r Medizinphysiker:in.
Tarif und Ausschreibungen
- TV-L Anlage A (Entgeltordnung), Teil I; Anlage B, gültig 01.04.–31.12.2026 – Tarifgemeinschaft deutscher Länder.
- UKSH, Campus Kiel, Medizinphysikexperte Nuklearmedizin (zur Ausbildung); Universitätsklinikum Würzburg, Medizinphysikexperte (MPE); Universitätsmedizin Göttingen, Medizinphysik-Experte*in; MVZ Eisenach, Medizinphysik-Experten.
Alle Quellen abgerufen am 5. Oktober 2026, die TV-L-Dateien am 30. September 2026.