Gastprofessur: Gehalt, Dauer und Titel als Gastprofessor
Eine Gastprofessur führt Wissenschaftler, Künstler oder Fachleute aus der Praxis für begrenzte Zeit an eine Hochschule. Vergütung, Aufgaben und Professorentitel hängen vom Bundesland und von der Hochschule ab. Entscheidend sind deshalb die konkrete Bestellung und der Vertrag. Hier finden Sie die Voraussetzungen, Vergütungsbeispiele und die Regeln zur Dauer und Titelführung.
Regelung Ihres Bundeslands Vergütung vergleichenZum Inhalt
Kurz gesagt
- Bedeutung: Professur auf Zeit für bestimmte Aufgaben; verlangt die Voraussetzungen einer Professur.
- Vergütung: kein bundesweit einheitlicher Satz; die HWR Berlin zahlt in Vollzeit 6.204 Euro brutto im Monat (Richtlinie 2024).
- Titel: je nach Land „Gastprofessor“ oder „Professor“, meist nur für die Dauer der Bestellung.
Beträge auf volle Euro gerundet.
Vor der Zusage klären
- Vertragsform: Welche Vertragsform und welche Absicherung bei Kranken- und Rentenversicherung?
- Vergütung: Welche Vergütung und welche Ausstattung – Betrag, Reisekosten, Räume, Mittel?
- Laufzeit: Welche Laufzeit und welche Titelführung – Beginn, Ende, Verlängerung, Bezeichnung?
Inhalt
Eine Gastprofessur holt für eine begrenzte Zeit jemanden an die Hochschule, der dort sonst nicht lehrt und forscht: eine Professorin einer anderen Hochschule, einen Wissenschaftler aus dem Ausland oder eine Persönlichkeit aus der Praxis. Die Hochschule bestellt ihn für bestimmte Aufgaben in Forschung, Lehre, Kunst oder Weiterbildung; er muss die Voraussetzungen einer Professur erfüllen (so etwa Art. 58 Abs. 5 BayHIG und § 55 Abs. 2 LHG BW).
Eine Gastprofessur ergänzt häufig das Angebot einer Hochschule. Je nach Landesrecht und Hochschulregelung kann sie auch zur Vertretung eingesetzt werden. Dauer, Rechtsform, Vergütung und Titel regeln die Länder verschieden; die Länderkarte zeigt es je Land mit Norm und Fundstelle.
Was ist eine Gastprofessur? Wer Gastprofessor werden kann
Drei Merkmale kehren in den Landesgesetzen wieder:
- Befristet. „Für einen im Voraus begrenzten Zeitraum“ (Bayern, Baden-Württemberg), „für einen begrenzten Zeitraum“ (§ 113 BerlHG), „für bis zu drei Jahre“ (§ 65 Abs. 5 HSG SH), „vorübergehend“ (§ 74 LHG M-V).
- Für bestimmte Aufgaben. Die Gastprofessur ist an eine Aufgabe in Forschung, Lehre, Kunst oder Weiterbildung gebunden, nicht an eine freie Planstelle.
- Qualifikation einer Professur. Bestellt wird, wer die Voraussetzungen für eine Professur erfüllt — in Bayern also die Einstellungsvoraussetzungen nach Art. 57 BayHIG, im Saarland die nach § 41 (§ 52 Abs. 1 SHSG), in Brandenburg die des § 43 (§ 57 BbgHG).
Die Gesetze denken an Menschen, die eine Stelle oder einen Beruf mitbringen. Das Saarland nennt Personen, „die an anderen Hochschulen oder Forschungs- und Bildungseinrichtungen selbstständig wissenschaftlich tätig sind oder die außerhalb einer Hochschule hervorragende fachbezogene Leistungen in der Praxis erbringen“; Schleswig-Holstein ausdrücklich auch Persönlichkeiten aus der wirtschaftlichen Praxis.
Was verdient ein Gastprofessor? Gehalt und Vergütung
Einen einheitlichen bundesweiten Vergütungssatz gibt es nicht. Die Hochschulgesetze regeln vor allem, ob gezahlt werden darf: Gastprofessorinnen und Gastprofessoren „können eine Vergütung erhalten“ (§ 65 Abs. 5 HSG SH), Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern „kann eine Vergütung gewährt werden“ (§ 25a BremHG, § 35 Abs. 2 NHG). Die Höhe legt die Hochschule fest, oft in einer eigenen Richtlinie. Zwei veröffentlichte Modelle:
| HWR Berlin | Bergische Universität Wuppertal | |
|---|---|---|
| Rechtsform | freies Dienstverhältnis nach § 113 BerlHG | öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis eigener Art, kein Arbeitsverhältnis; die Vergütung ist in der Regel sozialversicherungspflichtig |
| Umfang | wie Vollzeit oder Teilzeit; in der Regel zwei Semester, mit derselben Person insgesamt höchstens drei Jahre; Ausnahmen kann die Präsidentin oder der Präsident zulassen | Vollzeit oder Teilzeit; in der Regel vier Wochen bis zwölf Monate |
| Vergütung | 6.204 Euro brutto im Monat in Vollzeit, Teilzeit anteilig; aus Drittmitteln auch höher | brutto in der Regel wie eine verbeamtete Universitätsprofessur, höchstens das Grundgehalt W 3, ohne Leistungsbezüge; Reise- und Unterkunftskosten sind damit abgegolten; die Grenze gilt nicht für rein drittmittelfinanzierte Gastprofessuren |
| Stand | Richtlinie vom 16.01.2024, in Kraft seit 01.04.2024, Ziffern 2.1, 2.2 und 2.4 | Richtlinie Gastwissenschaftler*innen vom 13.03.2024, Teil I Nr. 2, 3 und 5 |
Beträge auf volle Euro gerundet.
Die Beträge gelten nur an diesen Hochschulen. Für das Angebot einer anderen Hochschule taugen sie als Vergleich:
- Professur als Maßstab. Wuppertal orientiert sich bei der Bruttovergütung ausdrücklich an der Besoldung einer Universitätsprofessur. Die Beträge stehen unter W2/W3-Besoldung, der Gehaltsrechner rechnet W 2 für Ihr Land.
- Anstellung. Werden Sie angestellt, wie es etwa Brandenburg vorsieht, vergleichen Sie mit den Tabellen des öffentlichen Dienstes, etwa E 15 und E 14 nach TV-L.
- Förderer. Bezahlt ein Programm die Gastprofessur, gelten dessen Sätze (Programme).
- Einzelne Lehrveranstaltungen. Sie werden meist als Lehrauftrag vergütet. Ob jemand Gastprofessorin oder Gastprofessor ist, entscheidet die Bestellung durch die Hochschule, nicht der Umfang allein.
Unsere Empfehlung: Verhandeln Sie Vergütung, Reise- und Umzugskosten und die Sozialversicherung als getrennte Posten. Eine unbezahlte Gastprofessur „für den Lebenslauf“ lohnt sich nur, wenn Ihre Heimatstelle Sie weiter bezahlt oder ein Programm den Aufenthalt finanziert.
Ist die Gastprofessur ein Arbeitsverhältnis?
Das hängt vom Land ab — die Gesetze wählen ganz verschiedene Formen:
- Freies Dienstverhältnis: Berlin (§ 113 Abs. 1 BerlHG).
- Angestelltenverhältnis oder freie Mitarbeiterschaft: Brandenburg lässt beides zu (§ 57 BbgHG).
- Öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis als Gastwissenschaftlerin oder Gastwissenschaftler: Bremen (§ 25a BremHG) und Niedersachsen (§ 35 Abs. 2 NHG).
- Öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis eigener Art zum Land: Thüringen (§ 94 Abs. 3 ThürHG).
- Bestellung ohne festgelegte Rechtsform: Bayern, Baden-Württemberg, das Saarland und Schleswig-Holstein regeln die Bestellung, nicht das Vertragsverhältnis — das steht dann in der Bestellung oder im Vertrag.
Für die Praxis heißt das: Ob Sozialversicherung, Steuer und Krankenversicherung über die Hochschule laufen, entscheidet die gewählte Form. Ein freies Dienstverhältnis ist etwas anderes als eine Anstellung — beides vor der Zusage klären.
Wie wird man Gastprofessor? Einladung statt Berufung
Ein Berufungsverfahren ist für eine Gastprofessur meist nicht vorgesehen – sie wird bestellt, nicht berufen. In Bayern ausdrücklich: Die Hochschulen bestellen Gastprofessorinnen und Gastprofessoren „ohne Durchführung eines Berufungsverfahrens“ (Art. 58 Abs. 5 BayHIG). Bremen verzichtet für die Berufung von Vertretungs- und Gastprofessuren auf die Ausschreibung (§ 18 Abs. 3 BremHG). Die reguläre W-Professur dagegen läuft über Ausschreibung, Kommission und Berufungsverfahren.
Der Anstoß kommt aus dem Fach: im Saarland ein Antrag des Dekanats, über den das Präsidium entscheidet (§ 52 Abs. 1 SHSG), in Sachsen-Anhalt ein Vorschlag des Fachbereichs, über den der Senat entscheidet (§ 49 Abs. 1 HSG LSA), in Schleswig-Holstein ein Vorschlag des Fachbereichs an die Präsidentin oder den Präsidenten (§ 65 Abs. 5 HSG SH), in Thüringen ein Vorschlag der zuständigen Selbstverwaltungseinheit (§ 94 Abs. 3 ThürHG).
Eine Bewerbung auf eine Ausschreibung ist trotzdem möglich: Die HWR Berlin etwa schreibt Gastprofessuren grundsätzlich aus und lässt Ausnahmen auf Antrag zu, besonders für Gäste ausländischer Partnerhochschulen (HWR-Richtlinie, Ziffer 4.1). Meist führt der Weg aber über eine Professorin oder einen Professor des Fachs, die Sie einladen und den Antrag stellen.
Aus unserem Stellenbestand: Öffentlich ausgeschrieben werden Gastprofessuren selten. Von den 8.635 Stellen, die am 7. Oktober 2026 um 21:55 Uhr bei uns gelistet waren, darunter 424 Professuren, enthielten drei das Wort „Gastprofessur“. Zwei davon waren tatsächlich Gastprofessuren, beide außerhalb Deutschlands: an der Universität Zürich (Soziologie, zwei Lehrveranstaltungen mit zusammen vier Semesterwochenstunden) und an der Universität Graz (Aigner-Rollett-Gastprofessur für Geschlechterforschung, auf vier Monate befristet, sechs Semesterwochenstunden). Die dritte Anzeige war eine reguläre W3-Professur. Eine Gastprofessur an einer deutschen Hochschule war an diesem Tag bei uns nicht ausgeschrieben. Das ist eine Momentaufnahme unseres Bestands, keine Marktstatistik; aktuelle Angebote finden Sie unter Professuren.
Wie lange dauert eine Gastprofessur?
So lange, wie die Bestellung es vorsieht — und das Gesetz setzt Grenzen:
- Brandenburg: höchstens drei Jahre. „Eine weitere Verlängerung ist nicht zulässig. Eine erneute Einstellung ist nur in begründeten Ausnahmefällen nach mehrjähriger Unterbrechung zulässig“ (§ 57 BbgHG).
- Schleswig-Holstein: bis zu drei Jahre; „eine erneute Bestellung ist möglich“ (§ 65 Abs. 5 HSG SH).
- Sachsen-Anhalt: bis zu drei Jahre; „in begründeten Ausnahmefällen kann die Bestellung um bis zu drei Jahre verlängert werden“ (§ 49 Abs. 1 HSG LSA).
- Hamburg: keine Regelung im Hochschulgesetz; die Hochschulen legen die Dauer selbst fest, die HafenCity Universität etwa mindestens vier Wochen, höchstens zwei Semester; über Verlängerungen entscheidet das Präsidium (§ 24 Berufungsordnung HCU).
- Bayern, Baden-Württemberg, Berlin: keine feste Höchstdauer, aber ein Zeitraum, der vorab feststehen muss („im Voraus begrenzt“ bzw. „begrenzt“).
- Mecklenburg-Vorpommern: „vorübergehend“; die Bezeichnung gilt „für die Dauer der Tätigkeit“ (§ 74 LHG M-V).
Wer eine Gastprofessur annimmt, sollte deshalb Beginn, Ende und eine mögliche Verlängerung schriftlich festhalten lassen; nach dem Ende gibt es keinen Anspruch auf Anschluss.
Welchen Titel führt ein Gastprofessor?
In Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein „Gastprofessorin“ oder „Gastprofessor“ — für die Dauer der Bestellung. Bayern: „Sie führen für die Dauer ihrer Bestellung die Bezeichnung ‚Gastprofessorin‘ oder ‚Gastprofessor‘“; mit „Erlöschen, Widerruf oder Rücknahme der Bestellung … erlischt auch die Befugnis zur Führung der Bezeichnung“ (Art. 58 Abs. 5 BayHIG). Baden-Württemberg regelt es wortgleich, Schleswig-Holstein nennt ebenfalls die Dauer der Bestellung, Sachsen-Anhalt bindet die Bezeichnung an die Dauer der Gastlehrtätigkeit (§ 49 Abs. 1 HSG LSA); in Mecklenburg-Vorpommern kann die Hochschule die Bezeichnung für die Dauer der Tätigkeit verleihen.
Drei Länder weichen ab:
- Berlin: Gastprofessorinnen und Gastprofessoren führen während ihrer Tätigkeit die akademische Bezeichnung „Professor“ oder „Professorin“ (§ 113 Abs. 1 BerlHG).
- Niedersachsen: Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern kann „nach Maßgabe einer Ordnung gestattet werden, während der Dauer des Dienstverhältnisses den Titel ‚Professorin‘ oder ‚Professor‘ zu führen“ (§ 35 Abs. 2 NHG).
- Bremen: Die Satzung der Hochschule regelt, wann die akademische Bezeichnung „Professorin“ oder „Professor“ geführt werden darf (§ 25a BremHG).
In Bayern und Baden-Württemberg erlischt die Bezeichnung mit dem Ende der Bestellung; eine Weiterführung braucht eine eigene Grundlage — siehe Titelführung nach dem Ausscheiden. Wie sich solche Bezeichnungen von einem akademischen Grad unterscheiden, erklärt Bezeichnungen ohne akademischen Grad.
Gastprofessur in den Bundesländern: was das Gesetz regelt
Wie lange Sie bleiben dürfen, in welcher Form Sie beschäftigt sind und ob Sie „Professor“ oder „Gastprofessor“ heißen, entscheidet das Land, in dem die Hochschule liegt. Wo das Hochschulgesetz schweigt, regeln es die Hochschule und Ihr Vertrag.
Kurz gesagt: Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein begrenzen die Gastprofessur auf drei Jahre, Sachsen-Anhalt erlaubt in begründeten Ausnahmefällen bis zu drei weitere; Berlin erlaubt während der Tätigkeit den Titel „Professor“, Bremen und Niedersachsen, wenn die Hochschule es vorsieht; Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen kennen die Gastprofessur im Hochschulgesetz nicht.
Gastprofessur — nach Land
Mit der Maus über ein Land fahren — ein Klick hält die Auswahl fest.
Land wählen
Die Karte nennt je Land die Norm und was sie über Bestellung, Dauer, Rechtsform und Titel sagt — jeweils mit Fundstelle und Fassung.
Berlin
§ 113 Abs. 1 BerlHG
- Rechtsform: freies Dienstverhältnis
- Dauer: für einen begrenzten Zeitraum
- Titel: während der Tätigkeit die akademische Bezeichnung „Professor“ oder „Professorin“
Fundstelle: § 113 Abs. 1 BerlHG (BerlHG, gültig ab 25.09.2021)
Baden-Württemberg
§ 55 Abs. 2 LHG BW
- Bestellung: die Hochschule, für bestimmte Aufgaben in Forschung, Lehre, Kunst und Weiterbildung
- Wer: Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer anderer Hochschulen oder Persönlichkeiten aus der Praxis, die die Voraussetzungen für eine Professur erfüllen
- Dauer: für einen im Voraus begrenzten Zeitraum
- Titel: „Gastprofessorin“ oder „Gastprofessor“ für die Dauer der Bestellung
Fundstelle: § 55 Abs. 2 LHG BW (LHG BW, gültig ab 31.12.2020)
Bayern
Art. 58 Abs. 5 BayHIG
- Bestellung: die Hochschule, ohne Berufungsverfahren
- Voraussetzung: die Einstellungsvoraussetzungen einer Professur nach Art. 57 BayHIG
- Dauer: für einen im Voraus begrenzten Zeitraum
- Titel: „Gastprofessorin“ oder „Gastprofessor“ für die Dauer der Bestellung; die Befugnis erlischt mit Erlöschen, Widerruf oder Rücknahme der Bestellung
Ausführlich: Vertretungsprofessur (Art. 66 Abs. 10)
Fundstelle: Art. 58 Abs. 5 BayHIG (BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026)
Brandenburg
§ 57 BbgHG
- Bestellung: die Hochschule, im Angestelltenverhältnis oder in freier Mitarbeiterschaft
- Voraussetzung: die Voraussetzungen des § 43 BbgHG
- Dauer: höchstens drei Jahre; eine weitere Verlängerung ist nicht zulässig, eine erneute Einstellung nur ausnahmsweise nach mehrjähriger Unterbrechung
- Besonderheit: dieselben Regeln gelten für Gastdozentinnen und Gastdozenten
Fundstelle: § 57 BbgHG (BbgHG, zuletzt geändert durch Gesetz vom 22.06.2026)
Bremen
§ 25a BremHG
- Rechtsform: öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis als Gastwissenschaftlerin oder Gastwissenschaftler
- Ausschreibung: für Gast- und Vertretungsprofessuren nicht erforderlich (§ 18 Abs. 3 BremHG)
- Vergütung: „kann … gewährt werden“; Einzelheiten regelt eine Satzung der Hochschule
- Titel: „Professorin“ oder „Professor“, wenn die Satzung der Hochschule es vorsieht
Fundstelle: § 25a BremHG (BremHG in der Fassung vom 9. Mai 2007, zuletzt geändert am 02.09.2025) · § 18 Abs. 3 BremHG (BremHG in der Fassung vom 9. Mai 2007, zuletzt geändert am 02.09.2025)
Hamburg
Keine eigene Regelung im Hochschulgesetz
- Hochschulgesetz: das HmbHG nennt Gastprofessorinnen und Gastprofessoren nicht; die Hochschulen regeln sie in eigenen Ordnungen
- Beispiel HCU: das Präsidium bestellt im Einvernehmen mit dem Fachbereich, ohne Ausschreibung und Berufungsvorschlag
- Dauer: an der HCU mindestens vier Wochen, höchstens zwei Semester; über Verlängerungen entscheidet das Präsidium, eine erneute Bestellung ist nach vier Semestern Pause möglich
Fundstelle: HmbHG, Gesamtausgabe (HmbHG vom 18.07.2001, zuletzt geändert am 19.02.2025, HmbGVBl. S. 241) · § 24 Berufungsordnung HCU (Berufungsordnung der HafenCity Universität Hamburg, Hochschulanzeiger Nr. 08/2025 vom 14.11.2025)
Hessen
§ 81 HessHG
- Bestellung: die Hochschule; die Norm nennt Vertretungs- und Gastprofessuren sowie Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler
- Dauer: die Überschrift spricht von „vorübergehender“ Wahrnehmung; eine Höchstdauer (zwei Jahre als Sollgrenze) nennt die Norm nur für Vertretungen
- Titel: im Gesetz nicht geregelt
Fundstelle: § 81 HessHG (HessHG, gültig ab 28.12.2021)
Mecklenburg-Vorpommern
§ 74 LHG M-V
- Tätigkeit: vorübergehend als Gast
- Titel: die Hochschule kann „Gastprofessorin“ oder „Gastprofessor“ für die Dauer der Tätigkeit verleihen
Fundstelle: § 74 LHG M-V (LHG M-V, gültig ab 30.06.2026)
Niedersachsen
§ 35 Abs. 2 NHG
- Rechtsform: öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis als Gastwissenschaftlerin oder Gastwissenschaftler
- Vergütung: „kann … gewährt werden“
- Titel: „Professorin“ oder „Professor“ während des Dienstverhältnisses, wenn eine Ordnung der Hochschule es gestattet
Fundstelle: § 35 Abs. 2 NHG (NHG, Fassung ab 02.02.2022)
Nordrhein-Westfalen
Keine eigene Regelung im Hochschulgesetz
- Hochschulgesetz: kennt Gastprofessorinnen und Gastprofessoren nicht als eigene Personalgruppe
- Vertretung: eine freie Professur vertreten Personen mit den Einstellungsvoraussetzungen einer Professur (§ 39 Abs. 2 HG NRW)
Ausführlich: Vertretungsprofessur
Fundstelle: HG NRW, Volltext (HG NRW, gültig ab 04.08.2026) · § 39 Abs. 2 HG NRW (HG NRW, Fassung gültig ab 04.08.2026)
Rheinland-Pfalz
§ 50 Abs. 10 HochSchG
- Bestellung: die Hochschule, für bestimmte Aufgaben in Forschung, Lehre, Kunst und Weiterbildung
- Wer: Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer anderer Hochschulen oder Persönlichkeiten aus der wissenschaftlichen oder künstlerischen Praxis, die die Voraussetzungen für eine Professur erfüllen
- Dauer: für einen im Voraus begrenzten Zeitraum
Fundstelle: § 50 Abs. 10 HochSchG (HochSchG vom 23.09.2020, zuletzt geändert 26.11.2024 – Lesefassung des Ministeriums (Synopse, nicht amtlich), Stand 26.02.2025)
Saarland
§ 52 Abs. 1 SHSG
- Bestellung: das Präsidium auf Antrag des Dekanats
- Wer: Personen, die an anderen Hochschulen oder Forschungs- und Bildungseinrichtungen selbstständig wissenschaftlich tätig sind oder außerhalb einer Hochschule hervorragende fachbezogene Leistungen in der Praxis erbringen
- Voraussetzung: die Einstellungsvoraussetzungen nach § 41 SHSG
Fundstelle: § 52 Abs. 1 SHSG (SHSG, gültig ab 02.08.2024)
Sachsen
Keine eigene Regelung im Hochschulgesetz
- Hochschulgesetz: die Vorschriften zum Hochschulpersonal (§§ 60–68 SächsHSG) nennen Gastprofessorinnen und Gastprofessoren nicht
Fundstelle: SächsHSG, Volltext (SächsHSG, Fassung gültig ab 01.01.2025)
Sachsen-Anhalt
§ 49 HSG LSA
- Bestellung: der Senat der Hochschule auf Vorschlag des Fachbereichs, für eine Tätigkeit in Lehre und Forschung
- Wer: in- oder ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Künstlerinnen und Künstler
- Dauer: bis zu drei Jahre; in begründeten Ausnahmefällen kann die Bestellung um bis zu drei Jahre verlängert werden
- Titel: „Gastprofessor“ oder „Gastprofessorin“, gebunden an die Dauer der Gastlehrtätigkeit
- Besonderheit: dasselbe gilt für Gastdozentinnen und Gastdozenten (§ 49 Abs. 2)
Fundstelle: § 49 HSG LSA (HSG LSA i. d. F. vom 01.07.2021, § 49 in der Fassung vom 17.03.2026, gültig ab 01.04.2026)
Schleswig-Holstein
§ 65 Abs. 5 HSG SH
- Bestellung: die Präsidentin oder der Präsident auf Vorschlag eines Fachbereichs
- Wer: auch Persönlichkeiten aus der wirtschaftlichen Praxis
- Dauer: bis zu drei Jahre; eine erneute Bestellung ist möglich
- Vergütung: „können eine Vergütung erhalten“
- Titel: „Gastprofessorin“ oder „Gastprofessor“ für die Dauer der Bestellung
Fundstelle: § 65 Abs. 5 HSG SH (HSG SH, gültig ab 18.02.2022)
Thüringen
§ 94 Abs. 3 ThürHG
- Rechtsform: öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis eigener Art zum Land
- Bestellung: auf Vorschlag der zuständigen Selbstverwaltungseinheit
- Dauer: zeitlich befristet
- Besonderheit: derselbe Paragraph regelt auch Vertretungs- und Seniorprofessur
Ausführlich: Seniorprofessur
Fundstelle: § 94 Abs. 3 ThürHG (ThürHG, gültig ab 24.05.2018)
Am klarsten ist Ihre Lage dort, wo das Gesetz Rechtsform und Höchstdauer festlegt, wie in Brandenburg und Schleswig-Holstein. Wo es nur die Bestellung regelt oder ganz schweigt, steht alles Wichtige im Vertrag. Bestehen Sie deshalb auf einem schriftlichen Angebot, das Rechtsform, Laufzeit, Vergütung und die Bezeichnung nennt, die Sie führen dürfen.
Wer eine Professur im Ruhestand weiterführt, fällt unter eigene Regeln (Seniorprofessur); wer ohne Stelle dauerhaft lehrt und den Titel trägt, unter die Honorarprofessur.
Wer finanziert eine Gastprofessur? DAAD, DFG, Humboldt
Neben der Gasthochschule können Förderer eine Gastprofessur bezahlen. In den drei Programmen unten stellt nicht der Gast den Antrag, sondern die Gasthochschule oder der Forschungsverbund, beim Humboldt-Preis führt der Weg über eine Nominierung. Ihr wichtigster Schritt ist deshalb der Kontakt zu einer Professorin oder einem Professor an der Gasthochschule.
DAAD-Gastdozentenprogramm
Der DAAD fördert Gastaufenthalte internationaler Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, die an deutschen Hochschulen lehren, aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums. Es gibt drei Förderlinien: Gastdozenturen für eine einzelne Person (Modell A), Gastlehrstühle mit mehreren aufeinanderfolgenden Gastdozentinnen und Gastdozenten (Modell B) und französische Gastdozenturen. Den Antrag stellt die deutsche Hochschule über das DAAD-Portal und benennt darin die Gäste. Die Ausschreibung erscheint in der Regel zweimal im Jahr: Anfang April mit Frist Mitte Juli für den Beginn im Wintersemester, Anfang Oktober mit Frist Mitte Januar für das folgende Sommersemester (DAAD, Gastdozentenprogramm).
DFG: Modul Mercator-Fellow
Innerhalb eines DFG-Programms, das dieses Modul vorsieht, kann ein Forschungsverbund Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland längerfristig einbinden. Fellows sind mindestens teilweise vor Ort und bleiben auch danach mit dem Verbund im Austausch; ausländische Fellows tragen die Bezeichnung „Mercator-Fellow“. Neben den Reisekosten ist eine Vergütung möglich; sie richtet sich nach der Qualifikation und darf die Mittel der Personalkostenkategorie Professur nicht überschreiten (DFG-Vordruck 52.05). Diese Kategorie setzt die DFG für 2026 mit 10.300 Euro im Monat an, gerechnet als Arbeitgeberkosten einer Vollzeitstelle, nicht als Gehalt (DFG-Vordruck 60.12). Der Weg führt also über einen laufenden oder geplanten Verbund an der Gasthochschule.
Humboldt-Forschungspreis
Die Alexander von Humboldt-Stiftung zeichnet international führende Forschende aus allen Ländern außer Deutschland aus, auf Nominierung hin. Das Preisgeld beträgt 80.000 Euro; dazu kommt die Einladung zu einem Forschungsaufenthalt an einer Einrichtung in Deutschland von einem halben bis zu einem ganzen Jahr, der auch aufgeteilt werden kann (Humboldt-Stiftung, Humboldt-Forschungspreis).
Unsere Empfehlung: Kommen Sie aus dem Ausland und wollen vor allem lehren, sprechen Sie Ihre Gasthochschule auf das DAAD-Programm an; geht es um Forschung in einem DFG-Verbund, auf eine Mercator-Fellowship. Arbeiten Sie schon in Deutschland, führt der Weg über eine direkte Einladung der Gasthochschule; klären Sie dann, ob Ihre Hochschule Sie dafür freistellt und weiter bezahlt.
Gastprofessur oder Vertretungsprofessur? Der Unterschied
Beide sind befristet, und Bayern besetzt beide ohne Berufungsverfahren (Art. 58 Abs. 5, Art. 66 Abs. 10 BayHIG) — deshalb werden sie oft verwechselt. Im Gesetz unterscheidet sie meist der Anlass; in der Praxis überschneiden sie sich:
| Gastprofessur | Vertretungsprofessur | |
|---|---|---|
| Anlass | bestimmte Aufgaben in Forschung, Lehre, Kunst oder Weiterbildung — häufig zusätzlich zum Bestand, je nach Hochschulregelung auch zur Vertretung | eine Professur ist frei oder die Inhaberin verhindert — die Vertretung füllt die Lücke „bis zur Besetzung der Stelle“ |
| Wer | Hochschullehrerinnen und -lehrer anderer Hochschulen, Persönlichkeiten aus der Praxis | „geeignete Personen“ (Bayern), in Nordrhein-Westfalen mit den Einstellungsvoraussetzungen einer Professur |
| Dauer | im Voraus begrenzt; in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein bis zu drei Jahre | bis zur Besetzung; in Thüringen „in der Regel“ höchstens zwei Semester |
| Norm (Beispiele) | Art. 58 Abs. 5 BayHIG, § 57 BbgHG | Art. 66 Abs. 10 BayHIG, § 39 Abs. 2 HG NRW, § 94 Abs. 1 ThürHG |
Kurz: Die Vertretungsprofessur hält eine vorhandene Professur am Laufen; die Gastprofessur ergänzt häufig das Angebot, kann je nach Landesrecht und Hochschulregelung aber auch zur Vertretung eingesetzt werden. Die HWR Berlin sieht ausdrücklich beides vor: Gastprofessuren zur Vertretung einer vorhandenen Professur und zusätzliche Gastprofessuren, meist aus Drittmitteln (HWR-Richtlinie, Ziffer 1.1). Wer nach dem Ruhestand weiter lehrt, ist dagegen in der Seniorprofessur — Thüringen regelt alle drei in einem Paragraphen (§ 94 ThürHG).
Gastdozent oder Gastprofessor? Der Unterschied
Der Unterschied liegt in der Aufgabe: Ein Gastprofessor übernimmt für begrenzte Zeit Aufgaben einer Professur und muss deren Voraussetzungen erfüllen, ein Gastdozent übernimmt Aufgaben, für die es diese Qualifikation nicht braucht. Berlin regelt beides im selben Paragraphen: Gastprofessorinnen und Gastprofessoren übernehmen Aufgaben, „die von Professoren und Professorinnen wahrzunehmen sind“, Gastdozentinnen und Gastdozenten Aufgaben, „die nicht die Qualifikation von Professoren und Professorinnen erfordern“; beide arbeiten in einem freien Dienstverhältnis auf begrenzte Zeit (§ 113 Abs. 1 und 2 BerlHG).
- Titel. Die akademische Bezeichnung „Professor“ oder „Professorin“ gibt das Berliner Gesetz nur Gastprofessorinnen und Gastprofessoren, für die Dauer ihrer Tätigkeit.
- Dauer. Brandenburg wendet die Regeln der Gastprofessur ausdrücklich auch auf Gastdozentinnen und Gastdozenten an: höchstens drei Jahre, keine weitere Verlängerung (§ 57 BbgHG).
- Förderung. Das DAAD-Gastdozentenprogramm lädt internationale Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer zu Lehrtätigkeiten an deutsche Hochschulen ein (Programme). Wie Sie an der Gasthochschule heißen, richtet sich nicht nach dem Programmnamen, sondern nach Ihrer Bestellung.
Unsere Empfehlung: Wird Ihnen eine Gastdozentur angeboten, obwohl Sie die Voraussetzungen einer Professur erfüllen, fragen Sie, ob die Aufgabe auch eine Bestellung als Gastprofessorin oder Gastprofessor trägt, also Aufgaben einer Professur umfasst. Davon hängt ab, welche Bezeichnung Sie führen dürfen; in Berlin etwa nur dann „Professor“.
Professurarten im Überblick
Neben der Gastprofessur gibt es weitere Formen, die oft verwechselt werden. Jede hat eine eigene Seite: die reguläre Professur (W 2/W 3), die Juniorprofessur (W 1), die außerplanmäßige Professur und die Honorarprofessur als Titel ohne Stelle, die Vertretungsprofessur und die Seniorprofessur als Professuren auf Zeit sowie die Lehrbefugnis als Privatdozent.
Was bringt eine Gastprofessur?
Unsere Einordnung: Eine Gastprofessur kann Sichtbarkeit an einer anderen Hochschule oder im Ausland und professorale Lehrerfahrung bringen. Dagegen stehen die Befristung ohne Anschluss, je nach Rechtsform eine eigene Absicherung, Umzug und Doppelbelastung neben der Heimatinstitution.
- Welche Rechtsform: Anstellung, freies Dienstverhältnis, öffentlich-rechtliche Bestellung?
- Vergütung, Sozialversicherung und Krankenversicherung — wer trägt was?
- Welche Bezeichnung darf ich führen — und nur während der Bestellung?
- Lehrumfang, Prüfungsrecht, Betreuungsrecht?
- Ausstattung, Räume, Mittel?
- Laufzeit, Verlängerung und Rückkehr in die Heimatinstitution?
- Aufenthalts- und Steuerfragen bei einer Gastprofessur aus dem Ausland?
Offene Professuren und befristete Stellen stehen unter Professuren (452).
Gastprofessur in Österreich und der Schweiz
Österreich: Beispiel BOKU Wien
An der Universität für Bodenkultur Wien bestellt der Senat die Gastprofessorinnen und Gastprofessoren. Bevorzugt werden Anträge, die Kompetenzen bringen, die es an der Universität nicht gibt; Pflichtlehrveranstaltungen sollen Gäste nicht abdecken. Den Antrag stellt das Institut bis Ende April für das folgende Studienjahr, wer nicht habilitiert ist, braucht eine bestätigte Habilitations-Äquivalenz. Die BOKU schließt einen Angestelltenvertrag und zahlt je Semesterwochenstunde 2.127 Euro, dazu 200 Euro Aufenthaltskosten pro Tag für höchstens sieben Tage je Semesterwochenstunde; beauftragt werden höchstens zwei Semesterwochenstunden. Reisekosten werden bis 500 Euro in Europa und 1.000 Euro weltweit erstattet (BOKU, Information des Senats zur Gastprofessur 2026).
Davon zu unterscheiden ist die befristete Professur nach § 99 Abs. 1 und 2 UG: Die Rektorin oder der Rektor besetzt eine Professur für bis zu fünf Jahre im abgekürzten Verfahren, auf Vorschlag oder nach Anhörung der Professorinnen und Professoren des Fachs; verlängert werden kann sie nur nach einem regulären Berufungsverfahren. Das ist eine Professur auf Zeit mit eigenem Verfahren, keine Einladung als Gast. Klären Sie bei einem solchen Angebot früh, ob ein Anschluss über ein reguläres Verfahren geplant ist.
Schweiz: Beispiel ETH Zürich und EPFL
Die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einladen, als Gäste in Lehre und Forschung tätig zu sein; die Schulleitung kann sie als Gastprofessorin oder Gastprofessor bezeichnen. Die Hochschule kann die Tätigkeit entschädigen und berücksichtigt dabei die Bezüge an der Heimathochschule oder sonstigen Arbeitsstelle des Gastes (Art. 12 ETHZ-ETHL-Verordnung, Stand 1. September 2022). An der ETH Zürich genehmigt die Departementsleitung den Antrag auf Einladung (Art. 74 Organisationsverordnung ETH Zürich). Einen festen Betrag nennt keine der beiden Verordnungen.
Schweiz: Beispiel Universität Zürich
An der Universität Zürich wählen Institute oder Fakultäten die Gastprofessorinnen und Gastprofessoren aus, die Universitätsleitung nimmt die Wahl zustimmend zur Kenntnis. Vorgesehen ist die Gastprofessur nur für Personen von außerhalb der UZH; ihr Leistungsausweis soll dem einer Professur entsprechen, in der Regel mit Doktorat. Die Anstellung dauert mindestens einen Monat und höchstens ein Jahr, Verlängerungen sind in begründeten Fällen möglich. Anders als an der ETH erhalten Gäste einen eigenen Lohn, in der Regel Lohnklasse 24, Stufen 3 bis 5, auf Antrag der Fakultät bis Lohnklasse 27; Miete, Reisekosten in die Schweiz und Beiträge an die Lebenshaltung sind in diesen Lohn einzurechnen. Zwischen Antrag und Stellenantritt sollen mindestens sechs Monate liegen, vor allem für Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen. Den Titel „Gastprofessorin“ oder „Gastprofessor“ spricht die Universität auf Antrag der Fakultät zu (UZH, Merkblatt Gastprofessuren vom 1. Oktober 2024).
Häufige Fragen zur Gastprofessur
Was ist ein Gastprofessor?
Eine Person, die eine Hochschule für einen begrenzten Zeitraum und für bestimmte Aufgaben in Forschung, Lehre, Kunst oder Weiterbildung bestellt — meist eine Professorin oder ein Professor einer anderen Hochschule oder eine Persönlichkeit aus der Praxis, die die Voraussetzungen für eine Professur erfüllt (Art. 58 Abs. 5 BayHIG).
Braucht man für eine Gastprofessur ein Berufungsverfahren?
In Bayern nicht: Dort werden Gastprofessorinnen und Gastprofessoren ohne Berufungsverfahren bestellt (Art. 58 Abs. 5 BayHIG); in Bremen ist für Gast- und Vertretungsprofessuren keine Ausschreibung erforderlich.
Wie lange dauert eine Gastprofessur?
So lange, wie die Bestellung vorsieht. Brandenburg begrenzt sie auf höchstens drei Jahre ohne Verlängerung, Schleswig-Holstein auf bis zu drei Jahre mit möglicher erneuter Bestellung, Sachsen-Anhalt auf bis zu drei Jahre, in begründeten Ausnahmefällen um bis zu drei Jahre verlängerbar; Bayern und Baden-Württemberg verlangen einen im Voraus begrenzten Zeitraum. In Hamburg regeln es die Hochschulen, an der HafenCity Universität etwa mindestens vier Wochen, höchstens zwei Semester; über Verlängerungen entscheidet das Präsidium.
Wird eine Gastprofessur bezahlt?
Sie kann bezahlt werden; ob und in welcher Höhe, regeln der Vertrag und die Regelung der Hochschule, einen einheitlichen Satz gibt es nicht. Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen erlauben ausdrücklich eine Vergütung; Bayern und Baden-Württemberg nennen in der Bestellungsnorm keine.
Darf ein Gastprofessor den Titel „Professor“ führen?
In Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein lautet die Bezeichnung „Gastprofessorin“ oder „Gastprofessor“, für die Dauer der Bestellung. Berlin erlaubt während der Tätigkeit „Professor“; in Niedersachsen und Bremen kann eine Ordnung oder Satzung es gestatten.
Ist die Gastprofessur ein Arbeitsverhältnis?
Je nach Land: Berlin vereinbart freie Dienstverhältnisse, Brandenburg Angestelltenverhältnisse oder freie Mitarbeit, Bremen und Niedersachsen öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse, Thüringen ein Rechtsverhältnis eigener Art zum Land.
Was ist der Unterschied zwischen Gastprofessur und Vertretungsprofessur?
Die Vertretungsprofessur füllt eine freie oder vorübergehend unbesetzte Professur bis zur Besetzung. Die Gastprofessur bringt meist zusätzliche Expertise für bestimmte Aufgaben; je nach Land und Hochschule kann sie aber auch zur Vertretung dienen, an der HWR Berlin etwa ausdrücklich.
Welche Voraussetzungen braucht man für eine Gastprofessur?
Die Voraussetzungen für eine Professur — in Bayern die Einstellungsvoraussetzungen nach Art. 57 BayHIG, im Saarland nach § 41 SHSG. Eingeladen werden Hochschullehrerinnen und -lehrer anderer Hochschulen oder Persönlichkeiten aus der Praxis.
Welche Regeln gelten für eine Gastprofessur in meinem Bundesland?
Das regelt das Hochschulgesetz des Landes, in dem die Hochschule liegt. Brandenburg begrenzt die Gastprofessur auf drei Jahre, Schleswig-Holstein erlaubt bis zu drei Jahre mit erneuter Bestellung, Hessen lässt die Hochschule bestellen, ohne eine Dauer festzulegen; Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen haben keine eigene Regelung im Hochschulgesetz.
Wer finanziert eine Gastprofessur?
Neben der Gasthochschule vor allem Förderer: der DAAD mit dem Gastdozentenprogramm (Antrag durch die deutsche Hochschule), die DFG mit dem Modul Mercator-Fellow innerhalb eines Verbunds und die Humboldt-Stiftung mit dem Humboldt-Forschungspreis (80.000 Euro, Aufenthalt von einem halben bis zu einem ganzen Jahr).
Wie wird die Vergütung einer Gastprofessur festgelegt?
Einen einheitlichen bundesweiten Vergütungssatz gibt es nicht. Die Höhe legt die Hochschule fest, oft in einer Richtlinie: Die HWR Berlin zahlt nach ihrer Richtlinie von 2024 in Vollzeit 6.204 Euro brutto im Monat, die Bergische Universität Wuppertal orientiert sich bei der Bruttovergütung an der Besoldung einer Universitätsprofessur bis höchstens zum Grundgehalt W 3. Bezahlt ein Förderer die Gastprofessur, gelten dessen Regeln.
Gastdozent oder Gastprofessor: Was ist der Unterschied?
Ein Gastprofessor nimmt für begrenzte Zeit Aufgaben einer Professur wahr und muss deren Voraussetzungen erfüllen; ein Gastdozent übernimmt Aufgaben, die diese Qualifikation nicht erfordern. So trennt es Berlin (§ 113 BerlHG), und nur Gastprofessorinnen und Gastprofessoren dürfen dort „Professor“ heißen. In Brandenburg gelten für beide dieselben Regeln: höchstens drei Jahre (§ 57 BbgHG).
Beträge auf volle Euro gerundet.
Quellen
Landesrecht mit Fassungsstand und Abrufdatum (amtliche Portale; je Zeile, ohne Datum abgerufen am 28. oder 29. September 2026)
- Art. 57 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Art. 58 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Art. 63 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Art. 66 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Art. 68 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Art. 69 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Art. 70 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Art. 98 BayHIG — BayHIG vom 5. August 2022, Text gilt ab 16.05.2026.
- Anlage 1 BayBesG (Besoldungsordnung W) — BayBesG vom 5. August 2010, Text gilt ab 01.01.2026.
- § 39 HG NRW — HG NRW, Fassung gültig ab 04.08.2026.
- § 55 LHG BW — LHG BW, gültig ab 31.12.2020.
- § 113 BerlHG — BerlHG, gültig ab 25.09.2021.
- § 57 BbgHG — BbgHG, zuletzt geändert durch Gesetz vom 22.06.2026.
- § 18 BremHG — BremHG in der Fassung vom 9. Mai 2007, zuletzt geändert am 02.09.2025.
- § 25a BremHG — BremHG in der Fassung vom 9. Mai 2007, zuletzt geändert am 02.09.2025.
- § 74 LHG M-V — LHG M-V, gültig ab 30.06.2026.
- § 35 NHG — NHG, Fassung ab 02.02.2022.
- § 52 SHSG — SHSG, gültig ab 02.08.2024.
- § 65 HSG SH — HSG SH, gültig ab 18.02.2022.
- § 94 ThürHG — ThürHG, gültig ab 24.05.2018.
- § 81 HessHG — HessHG, gültig ab 28.12.2021 (gelesen 29.09.2026).
- Hochschulgesetz NRW (Volltext) — HG NRW, Fassung gültig ab 04.08.2026 (gelesen 07.10.2026).
- Sächsisches Hochschulgesetz (Volltext) — SächsHSG, Fassung gültig ab 01.01.2025 (gelesen 07.10.2026).
- Hamburgisches Hochschulgesetz (Gesamtausgabe) — HmbHG vom 18.07.2001, zuletzt geändert am 19.02.2025 (HmbGVBl. S. 241), Landesrecht Hamburg (gelesen 07.10.2026).
- § 49 HSG LSA — HSG LSA i. d. F. vom 01.07.2021, § 49 in der Fassung vom 17.03.2026, gültig ab 01.04.2026, Landesrecht Sachsen-Anhalt (gelesen 07.10.2026).
- § 99 Universitätsgesetz 2002 (Österreich) — UG, § 99 gültig ab 01.10.2021, BGBl. I Nr. 93/2021 (gelesen 07.10.2026).
Förderprogramme (Seiten der Förderer)
- DAAD: Gastdozentenprogramm — Programmseite, gelesen 07.10.2026.
- DFG-Vordruck 52.05: Modul Mercator-Fellow — Stand 10/11, gelesen 07.10.2026.
- DFG-Vordruck 60.12: Personalmittelsätze 2026 — Stand 01/26, gelesen 07.10.2026.
- Alexander von Humboldt-Stiftung: Humboldt-Forschungspreis — Programmseite, gelesen 07.10.2026.
Hochschulregelungen und Ministerium (Beispiele, je mit Stand)
- HWR Berlin: Richtlinie Gastprofessuren und Gastdozenturen — vom 16.01.2024, Mitteilungsblatt 04/2024, in Kraft seit 01.04.2024 (gelesen 07.10.2026).
- Bergische Universität Wuppertal: Richtlinie Gastwissenschaftler*innen — Amtliche Mitteilungen 06/2024 vom 13.03.2024 (gelesen 07.10.2026).
- Rheinland-Pfalz: Hochschulgesetz, Synopse des Ministeriums (nicht amtlich) — HochSchG vom 23.09.2020, zuletzt geändert 26.11.2024, Lesefassung Stand 26.02.2025, § 50 Abs. 10 (gelesen 07.10.2026).
- BOKU Wien: Information des Senats zur Abwicklung einer Gastprofessur — Fassung 2026 (gelesen 07.10.2026).
- Schweiz: ETHZ-ETHL-Verordnung (SR 414.110.37), Art. 12 — Stand 1. September 2022 (gelesen 07.10.2026).
- ETH Zürich: Organisationsverordnung (RSETHZ 201.021), Art. 74 — vom 21. November 2024 (gelesen 07.10.2026).
- HafenCity Universität Hamburg: Berufungsordnung, § 24 Gastprofessuren — Hochschulanzeiger Nr. 08/2025 vom 14.11.2025 (gelesen 07.10.2026).
- Universität Zürich: Merkblatt Gastprofessuren — vom 1. Oktober 2024, ULB 2024-333 (gelesen 07.10.2026).