Peer Review: Bedeutung, Ablauf und Verfahren

Beim Peer Review, auf Deutsch Fachbegutachtung, beurteilen Fachleute eine wissenschaftliche Arbeit: Ist die Fragestellung klar, trägt die Methode die Ergebnisse, und sind die Schlussfolgerungen nachvollziehbar? Bei einer Zeitschrifteneinreichung helfen ihre Gutachten der Redaktion, über Veröffentlichung und Überarbeitung zu entscheiden. Das Verfahren unterscheidet sich zwischen Journals. Wer ein Paper einreicht, sollte deshalb wissen, wann begutachtet wird, welche Unterlagen benötigt werden und ob die Beteiligten anonym bleiben.

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Von Aktualisiert: 12. Oktober 2026 · Quellenstand 10/2026
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Zwei Wissenschaftlerinnen besprechen am Schreibtisch ein Manuskript mit Diagrammen, umgeben von Fachbüchern

Kurz gesagt

Vor der Einreichung prüfen

  • Journalregeln: Die Reviewregeln des konkreten Journals lesen.
  • Unterlagen: Manuskript und Begleitdateien passend zum Verfahren vorbereiten.
  • Zeitplan: Für mögliche Überarbeitungen Zeit und Zuständigkeiten vereinbaren.

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Inhalt

Was bedeutet Peer Review?

Peer Review heißt wörtlich Begutachtung durch Ebenbürtige: Fachleute aus demselben Gebiet lesen eine wissenschaftliche Arbeit, bevor sie erscheint, und sagen der Redaktion, ob sie trägt und was fehlt.

Im Alltag einer Promotion oder eines Postdocs begegnet Ihnen das Verfahren vor allem beim Publizieren. Sie reichen ein Manuskript bei einer Fachzeitschrift ein, die Redaktion bittet Kolleginnen und Kollegen um Gutachten, und auf dieser Grundlage entscheidet sie über Annahme, Überarbeitung oder Ablehnung. Elsevier beschreibt den Zweck in drei Teilen: Das Verfahren soll wissenschaftliche Arbeit prüfen, die Qualität veröffentlichter Forschung verbessern und den Austausch innerhalb der Fachgemeinschaft stärken. Für Autorinnen und Autoren ist der zweite Teil am greifbarsten: Ein gutes Gutachten zeigt Lücken, die dem eigenen Team nicht aufgefallen sind.

Begutachtet werden nicht nur Zeitschriftenartikel. Auch Konferenzbeiträge, Buchkapitel und Förderanträge durchlaufen oft ein Peer Review. Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft wählt die Geschäftsstelle Gutachtende für einen Antrag aus, ein gewähltes Fachkollegium bewertet die Anträge vergleichend, und der Hauptausschuss entscheidet; die Namen der Gutachtenden bleiben den Antragstellenden gegenüber vertraulich. Dieser Artikel bleibt beim Publizieren, denn dort stellen sich die meisten Fragen zum Ablauf.

Ein Missverständnis sollten Sie früh ablegen: Peer Review bescheinigt keine Richtigkeit. Gutachter sehen das Manuskript und die eingereichten Unterlagen, nicht das Labor, nicht die Rohdaten jedes Versuchs und nicht die Wiederholung der Studie. Ein begutachteter Artikel ist deshalb gründlicher geprüft als ein ungeprüfter Text, aber nicht automatisch fehlerfrei.

Wie läuft das Peer-Review-Verfahren ab?

Bei den meisten Fachzeitschriften folgt das Verfahren denselben Stationen: Einreichung, Vorprüfung durch die Redaktion, externe Begutachtung, Entscheidung und gegebenenfalls Überarbeitung mit erneuter Prüfung. An zwei Stellen kann das Manuskript ausscheiden. Und es dauert oft lange: Von der Einreichung bis zum Erscheinen vergehen in der Regel Monate, bei mehreren Begutachtungsrunden mehr.

Ablauf des Peer Review bei einer Fachzeitschrift Einreichung, Vorprüfung durch die Redaktion mit möglicher Ablehnung vor der Begutachtung, externe Begutachtung, Entscheidung der Redaktion mit den Wegen Annahme, Überarbeitung mit Rückweg zur erneuten Prüfung oder Ablehnung, danach Veröffentlichung. Einreichung Vorprüfung durchdie Redaktion Externe Begutachtungdurch Fachgutachter Entscheidungder Redaktion Ablehnung vorder Begutachtung Ablehnung Überarbeitungdurch die Autoren Annahme Veröffentlichung erneute Prüfung
Gestrichelt: mögliche Abzweigungen, keine Pflichtstationen. Die erneute Prüfung kann wieder an Gutachter gehen oder bei der Redaktion bleiben.
  1. Einreichung. Sie laden Manuskript, Anschreiben und die verlangten Erklärungen über das Einreichungssystem des Journals hoch. Die Kommunikation übernimmt meist eine Person aus dem Team, der Corresponding Author.
  2. Vorprüfung. Die Redaktion prüft, ob der Beitrag zum Journal passt, die Einreichungsregeln einhält und etwas Neues beiträgt. Taylor & Francis nennt diese erste Sichtung „desk assessment“. Fällt sie negativ aus, endet das Verfahren hier, ohne dass externe Gutachter das Manuskript sehen.
  3. Begutachtung. Die Redaktion lädt Fachleute ein, die zusagen oder absagen können. PLOS ONE räumt Gutachtern nach ihrer Zusage in der Regel 10 Tage für das Gutachten ein; andere Journals setzen andere Fristen.
  4. Entscheidung. Die Redaktion wertet die Gutachten aus und entscheidet. Sie kann annehmen, eine Überarbeitung verlangen oder ablehnen.
  5. Überarbeitung und erneute Prüfung. Sie überarbeiten das Manuskript und erklären in einem Antwortschreiben, was Sie geändert haben. Danach liest die Redaktion selbst oder schickt die neue Fassung erneut an Gutachter; Taylor & Francis beschreibt eine zweite Begutachtungsrunde als häufig.

Nicht jedes Journal arbeitet nach diesem Schema. Bei Registered Reports etwa wird die Studienplanung begutachtet, bevor Daten erhoben werden; fällt das Urteil positiv aus, sagt das Journal die Veröffentlichung grundsätzlich zu. Bei der Begutachtung nach Veröffentlichung kommt die Prüfung erst, wenn der Text schon erschienen ist. Welche Variante Ihr Zieljournal nutzt, steht in dessen Richtlinien; jedes Taylor-&-Francis-Journal etwa nennt sein Verfahren im Abschnitt „Aims & Scope“.

Wie lange dauert Peer Review?

Eine allgemeingültige Dauer gibt es nicht. Zwei Journals, die ihre Zahlen veröffentlichen, zeigen die Größenordnung: Bei PLOS ONE kam die erste Entscheidung im Median nach 45 Tagen, die Annahme nach 188 Tagen. Bei der American Economic Review fielen 77 Prozent der ersten Entscheidungen innerhalb von drei Monaten, bis zur Annahme vergingen im Durchschnitt 130 Wochen. Planen Sie mit den Angaben Ihres Zieljournals und achten Sie darauf, welche Strecke eine Zahl misst.

StreckeDauer laut JournalQuelle
Vorprüfung durch die RedaktionAER: Ablehnung ohne Begutachtung in der Regel nach ein bis zwei Wochen, praktisch immer unter einem Monat; PLOS ONE: Entscheidung über Ablehnung oder Begutachtung nach 17 Tagen (Median)AER-Bericht 2026; PLOS ONE, Journal Timings
Gutachten nach der ZusagePLOS ONE: in der Regel 10 TagePLOS ONE, Leitfaden für Gutachter
Erste EntscheidungPLOS ONE: 45 Tage (Median); AER: 77 Prozent innerhalb von drei, 98 Prozent innerhalb von sechs MonatenPLOS ONE, Journal Timings; AER-Bericht 2026
Erste Entscheidung nach BegutachtungAER: 62 Prozent innerhalb von drei, 97 Prozent innerhalb von sechs Monaten; AER: Insights: 54 Tage im Durchschnitt der bereits entschiedenen ManuskripteAER-Bericht 2026; AER: Insights-Bericht 2026
Einreichung bis AnnahmePLOS ONE: 188 Tage (Median); AER: 130 Wochen im Durchschnitt für 2025 erschienene Artikel, davon 38 Wochen in der BegutachtungPLOS ONE, Journal Timings; AER-Bericht 2026
Annahme bis VeröffentlichungPLOS ONE: 10 Tage (Median); AER: 11 Wochen im DurchschnittPLOS ONE, Journal Timings; AER-Bericht 2026

Die PLOS-ONE-Werte sind Mediane für das erste Halbjahr 2023, die Werte der American Economic Review (AER) und ihrer Schwesterzeitschrift AER: Insights stammen aus den Berichten der Herausgeber vom Mai 2026: Die Entscheidungszeiten gelten für Einreichungen von November 2024 bis Oktober 2025, die Wochenangaben für 2025 erschienene Artikel. Zwischen Einreichung und erschienenem Artikel liegen mehrere Abschnitte: die erste Entscheidung der Redaktion, eine oder mehrere Begutachtungsrunden, Ihre eigene Überarbeitungszeit, die endgültige Annahme und die Produktion bis zur Veröffentlichung. Journals veröffentlichen dazu unterschiedliche Kennzahlen. Elsevier zeigt auf den „Journal Insights“-Seiten seiner Zeitschriften unter „Review Time“ die durchschnittliche Zahl der Wochen bis zur ersten und bis zur endgültigen Entscheidung über mehrere Jahre und betont, dass sich der Ablauf zwischen den Journals unterscheidet.

Wie viel Zeit haben Gutachter? Für das Gutachten selbst gelten Fristen: PLOS ONE bittet um das Gutachten innerhalb von 10 Tagen. Elsevier und Springer Nature raten, nur zuzusagen, wenn die Frist zu halten ist, und Taylor & Francis bittet Gutachter, der Redaktion früh Bescheid zu geben, wenn es knapp wird. Zeit kostet aber auch, was um das Gutachten herum geschieht. Zuerst muss die Redaktion Fachleute finden, die zusagen; laut Taylor & Francis kann niemand jede Anfrage annehmen, und nicht selten braucht ein Manuskript mehrere Einladungsrunden. Wer zusagt, begutachtet freiwillig und neben eigener Forschung, Lehre und eigenen Texten; PLOS spricht ausdrücklich von Gutachtern, die sich freiwillig melden. Bei PLOS ONE hakt die Redaktion bei verspäteten Gutachten nach und informiert die Autoren über Verzögerungen. Danach folgen Ihre Überarbeitung, oft eine zweite Runde und die Produktion. Bei der AER lagen von 130 Wochen bis zur Annahme 38 in der Begutachtung; die übrige Zeit umfasst die Überarbeitungen der Autoren und eine Prüfung der Daten.

Dauert es bei renommierten Journals länger? Die AER zählt ihr Herausgeber zu den begehrtesten Publikationsorten der Volkswirtschaftslehre. 2025 lehnte sie 39 Prozent der Erstentscheidungen ohne Begutachtung ab (Desk Rejection), meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Wurde begutachtet, fiel die erste Entscheidung in 62 Prozent der Fälle innerhalb von drei Monaten. AER: Insights, ebenfalls ein Journal der American Economic Association, kennt keine klassische Revise-and-Resubmit-Runde und entschied über begutachtete Manuskripte, die zwischen November 2024 und Oktober 2025 eingereicht und bereits entschieden waren, im Durchschnitt nach 54 Tagen.

Unsere Einordnung: Die lange Dauer entsteht vor allem um das Gutachten herum, nicht beim Schreiben des Gutachtens. Das Ansehen eines Journals allein verlängert das Verfahren nicht. Lang wird es, wenn ein Journal mehrere Überarbeitungsrunden verlangt und jede Überarbeitung viel Arbeit bedeutet. Rechnen Sie deshalb mit viel Zeit. Eine kurze Zeit bis zur ersten Entscheidung sagt wenig über die Gesamtdauer. Sie schließt oft schnelle Ablehnungen ein, und Ihre eigene Überarbeitungszeit wird in den üblichen Kennzahlen der Journals nicht gesondert ausgewiesen. Wer eine kumulative Dissertation oder eine Bewerbung mit einem bestimmten Artikel plant, rechnet deshalb mit mindestens einer Überarbeitungsrunde und hält Zeit dafür frei.

So planen Sie. Nehmen Sie die Zeit bis zur ersten Entscheidung laut Journal, rechnen Sie für jede erwartete Runde Ihre eigene Überarbeitung und eine weitere Begutachtung hinzu, und ergänzen Sie die Produktion. Taylor & Francis rät außerdem, auf die Daten neben kürzlich erschienenen Artikeln zu schauen: Viele Journals geben dort an, wann ein Beitrag eingereicht, angenommen und online veröffentlicht wurde. Den Stand Ihres Manuskripts sehen Sie im Einreichungssystem. Warten Sie deutlich länger, als die Kennzahlen des Journals erwarten lassen, können Sie bei der Redaktion nachfragen; bei Elsevier ist das dem Corresponding Author vorbehalten.

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Wo Sie realistische Chancen haben: die Einreichstrategie

Ein Manuskript liegt immer nur bei einem Journal. Wo Sie zuerst einreichen, entscheidet deshalb darüber, wie viel Zeit Sie verlieren, wenn es nicht klappt.

Darf ich parallel einreichen?

Nein. Nach den Empfehlungen des ICMJE sollen Autorinnen und Autoren dasselbe Manuskript nicht gleichzeitig bei mehr als einem Journal einreichen, auch nicht in einer anderen Sprache. Elsevier nennt die gleichzeitige Einreichung bei mehreren Journals unethisch und unzulässig. Jeder Versuch bindet das Manuskript also für die ganze Dauer der Begutachtung an ein Journal; wie lang die sein kann, zeigt der Abschnitt zur Dauer. Für das nächste Journal ist es erst nach einer Ablehnung oder nach einem Rückzug frei.

Wie viele Versuche nach oben lohnen sich?

Meist einer. Während ein Manuskript wartet, altern die Ergebnisse, und eine andere Gruppe kann mit einer ähnlichen Arbeit früher erscheinen. Zwei verlorene Runden können ein Papier entwerten. Unsere Faustregel: ein Versuch eine Stufe über dem realistischen Niveau, danach das realistische Niveau. Wer bis zum Ende des Vertrags fertig promoviert sein muss, etwa weil die Höchstdauer für befristete Verträge nach dem WissZeitVG bald erreicht ist, wagt keinen zweiten Versuch nach oben. Was realistisch ist, zeigen die letzten zwei Jahrgänge des Zieljournals. Sehen Sie nach, mit welchen Methoden, welcher Datenbasis und welchen Stichprobengrößen dort gearbeitet wird und auf welcher Karrierestufe die Autorinnen und Autoren stehen. Sähe Ihre Arbeit dort aus wie ein gewöhnlicher Beitrag, ist das Journal realistisch.

Soll ich auf den Doktorvater hören?

Nur, wenn er die Liga aus eigener Arbeit kennt: wenn Ihr Doktorvater oder Ihre Doktormutter in den letzten Jahren selbst in diesem Journal veröffentlicht, dafür begutachtet oder es mit herausgegeben hat. Und bedenken Sie, dass seine Interessen nicht Ihre sind. Ein Versuch bei einem Spitzenjournal kostet ihn nichts, Sie unter Umständen einen guten Teil Ihrer Vertragslaufzeit. Kennt Ihre Betreuung das Journal nicht aus eigener Erfahrung, fragen Sie eine Postdoc oder eine Koautorin, die in dieser Liga veröffentlicht.

Was tun, während das Gutachten läuft?

Nicht nur warten. Bereiten Sie die Fassung für das nächste Journal vor, mit dessen Formatvorgaben und Literaturstil, damit Sie nach einer Ablehnung rasch neu einreichen können. Aktualisieren Sie Daten und Literatur, damit das Manuskript in der nächsten Runde nicht veraltet wirkt, und beginnen Sie die nächste Studie. Planen Sie dabei Zeit für eine mögliche Überarbeitung ein, denn die kommt zur übrigen Arbeit hinzu.

Single Blind, Double Blind und Open Peer Review

Die Modelle unterscheiden sich vor allem darin, wer wessen Namen kennt und was nach der Veröffentlichung sichtbar wird. Verlage sprechen heute meist von „single-anonymous“ und „double-anonymous“ statt von Single Blind und Double Blind; gemeint ist dasselbe.

ModellWer kennt wen?Was wird veröffentlicht?Was Sie vorbereiten
Single Blind (single-anonymous)Gutachter kennen die Autoren, die Autoren kennen die Gutachter nichtin der Regel nur der ArtikelManuskript mit Namen und Affiliationen nach den Formatvorgaben
Double Blind (double-anonymous)beide Seiten kennen sich nichtin der Regel nur der Artikelanonymisiertes Manuskript, getrennte Titelseite, Dateieigenschaften bereinigt
Triple Blind (triple-anonymous)zusätzlich kennt auch die entscheidende Redaktion die Namen nichtin der Regel nur der Artikelwie beim Double Blind, nach den Vorgaben des Journals
Open Peer ReviewAutoren und Gutachter kennen sich während des Verfahrensje nach Journal auch Gutachten und Namendamit rechnen, dass Ihre Antworten auf die Gutachten öffentlich werden können
Transparent Peer ReviewGutachter können anonym bleibenGutachten, Antworten der Autoren und Entscheidungsbriefe neben dem angenommenen ArtikelAntwortschreiben so formulieren, dass es veröffentlicht werden kann

Welches Modell verbreitet ist, hängt vom Fach ab. Wiley nennt das Single Blind als häufigste Form in naturwissenschaftlichen Journals und das Double Blind als häufigste Form in den Sozial- und Geisteswissenschaften; bei Elsevier ist das Single Blind über alle Zeitschriften hinweg das mit Abstand häufigste Modell. Elsevier weist zugleich auf eine Grenze des Double Blind hin: Gutachter erkennen Autoren oft an Schreibstil, Thema oder Selbstzitaten.

Offen ist nicht gleich öffentlich. „Open Peer Review“ ist ein Sammelbegriff. Offene Identitäten bedeuten, dass Sie die Namen der Gutachter erfahren. Öffentliche Gutachten bedeuten, dass Leser die Gutachten neben dem Artikel finden. Das kann zusammenfallen, muss es aber nicht. Zwei Journals zeigen den Unterschied:

  • The BMJ arbeitet mit vollständig offenem Peer Review: Bei allen Artikeln erfahren die Autoren die Namen der Gutachter. Bei angenommenen Forschungs- und Analyseartikeln steht in der Regel die Vorgeschichte neben dem Artikel, also frühere Fassungen, Gutachterkommentare und Antworten der Autoren. Die endgültige Entscheidung treffen die Editoren, bei Forschungsartikeln mit Unterstützung eines redaktionellen Komitees.
  • PLOS ONE begutachtet standardmäßig single-anonymous. Gutachter können ihr Gutachten namentlich zeichnen, und nach der Annahme entscheiden die Autoren, ob die Begutachtungsgeschichte mit Entscheidungsbriefen, Gutachten und Antworten veröffentlicht wird.

Eine eigene Variante ist die Begutachtung nach Veröffentlichung (Post-Publication Review). Sie beschreibt keinen Grad der Anonymität, sondern einen Zeitpunkt: Bewertung und Überarbeitung gehen nach dem Erscheinen weiter oder beginnen erst dann.

Vor der Einreichung: eine kurze Prüfliste

  • Artikelart: Passt Ihr Text zu einer Kategorie, die das Journal annimmt, etwa Forschungsartikel, Kurzbeitrag oder Übersichtsartikel?
  • Journalrichtlinie: Welches Reviewmodell gilt, welche Länge, welche Dateien werden verlangt?
  • Anonymisierung nach Vorgabe: Bei Double Blind verlangt Springer Nature, Namen, Affiliationen und E-Mail-Adressen aus Manuskript, Abbildungen, Tabellen und Zusatzdateien zu entfernen, ebenso aus den Dateieigenschaften. Danksagung, Beitragserklärung, Interessenkonflikte, Ethikvotum und Förderhinweise kommen auf eine getrennte Titelseite. Eigene frühere Arbeiten zitieren Sie in der dritten Person, und Daten oder Code für die Gutachter müssen ebenfalls anonymisiert sein.
  • Erklärungen: Welche Angaben zu Daten, Ethik, Interessenkonflikten und Förderung verlangt das Journal? Ob Daten öffentlich gemacht werden müssen, regelt jedes Journal selbst; eine allgemeine Pflicht, vertrauliche Daten offenzulegen, gibt es nicht.
  • Zustimmung aller Autoren: Alle Mitautorinnen und Mitautoren haben die eingereichte Fassung gesehen und freigegeben.
  • Erreichbarkeit: Die Kontaktperson ist in den kommenden Monaten erreichbar und hat Zugriff auf das Einreichungssystem, auch wenn sie die Stelle wechselt.

Was prüfen Gutachter und was entscheidet die Redaktion?

Gutachter beurteilen die wissenschaftliche Arbeit und geben eine begründete Empfehlung; die Entscheidung trifft die Redaktion. Die Empfehlung eines Gutachters ist deshalb nicht automatisch das Ergebnis.

Taylor & Francis nennt als Prüfpunkte die Originalität, die Methodik, den Umgang mit der Literatur, die Darstellung der Ergebnisse und die Belastbarkeit der Schlussfolgerungen. Die Redaktion legt die Gutachten nebeneinander, gewichtet sie und berücksichtigt das Profil ihres Journals. Widersprechen sich zwei Gutachten, kann sie ein weiteres einholen oder selbst abwägen.

Wie viele Gutachter ein Manuskript lesen, legt jedes Journal selbst fest. Taylor & Francis verlangt für Forschungsartikel normalerweise mindestens zwei unabhängige Gutachten. PLOS ONE lässt die zuständige Editorin oder den Editor entscheiden, ob und wie viele zusätzliche Fachleute gebraucht werden. Eine feste Zahl für alle Journals gibt es nicht.

Für Gutachter gelten eigene Pflichten. Der Kodex der DFG zur guten wissenschaftlichen Praxis verlangt bei der Begutachtung von Manuskripten strikte Vertraulichkeit: Fremde Inhalte dürfen weder an Dritte gehen noch für eigene Zwecke genutzt werden. Mögliche Befangenheit müssen Gutachter offenlegen, etwa eine enge Zusammenarbeit mit den Autoren.

Nehmen wir eine Studie zu zwei Lehrformaten: Ein Team vergleicht in einer Einführungsvorlesung Statistik eine klassische Vorlesung mit einem Format, in dem Studierende den Stoff vorab per Video lernen und in der Sitzung Aufgaben rechnen. Die Gutachterin schreibt unter anderem, sie vermisse eine Erklärung, wie die beiden Gruppen gebildet wurden. Die Tabelle ordnet ihre Einwände.

Art des EinwandsEinwandWissenschaftliche Frage dahinter
methodischWie wurden die Gruppen gebildet?Haben sich Studierende selbst eingewählt? Dann könnten Vorwissen oder Motivation den Unterschied erklären, nicht das Format.
inhaltlichDie Diskussion übergeht ältere Studien mit gegenteiligem Ergebnis.Ist das eigene Ergebnis neu, oder bestätigt es nur einen Teil der Forschungslage?
DarstellungAbbildung 2 ist ohne Legende nicht lesbar.Kann ein Leser die zentrale Aussage ohne Rückfrage nachvollziehen?
PassungDas Journal veröffentlicht vor allem Studien aus Schulen.Erreicht der Artikel hier seine Leser, oder gehört er in ein hochschuldidaktisches Journal?

Was bedeuten Annahme, Revision und Ablehnung?

Am Ende jeder Runde steht ein Entscheidungsbrief der Redaktion. Die Bezeichnungen sind verbreitet, aber nicht genormt; maßgeblich ist der Wortlaut Ihres Briefs und die Regel Ihres Journals.

EntscheidungWas sie meist bedeutet
Accept (Annahme)Das Manuskript wird ohne weitere inhaltliche Änderungen angenommen; es folgen Satz und Produktion.
Minor RevisionKleinere Änderungen sind nötig. Die Redaktion prüft die neue Fassung selbst oder schickt sie noch einmal an Gutachter; eine spätere Annahme ist damit nicht zugesagt.
Major RevisionWesentliche Änderungen sind nötig, etwa zusätzliche Analysen. Rechnen Sie damit, dass die überarbeitete Fassung erneut an Gutachter geht.
Revise and ResubmitÜberarbeiten und erneut einreichen. Je nach Journal wird das laufende Verfahren fortgesetzt oder eine neue Einreichung nach Ablehnung verlangt. Maßgeblich ist der Entscheidungsbrief.
Reject (Ablehnung)Das Journal veröffentlicht den Beitrag nicht. Geschieht das vor der Begutachtung, spricht man von Desk Rejection.

Was Sie nach einem dieser Briefe konkret tun, vom Antwortschreiben bis zur Einreichung bei einem anderen Journal, steht im Artikel Desk Rejection und Überarbeitung.

Wie erkenne ich, ob ein Artikel begutachtet wurde?

Prüfen Sie drei Dinge: die Richtlinie des Journals, die Art des Beitrags und die Fassung, die vor Ihnen liegt.

Die Journalrichtlinie nennt das Reviewverfahren, oft unter „Peer Review Policy“ oder „Aims & Scope“. Nicht jeder Beitrag in einer begutachteten Zeitschrift durchläuft dasselbe Verfahren: Editorials, Nachrichten, Kommentare oder Buchbesprechungen werden häufig nur redaktionell betreut. Achten Sie deshalb auf die Rubrik oder den Artikeltyp über dem Titel. Manche Journals nennen außerdem Eingangs- und Annahmedatum oder veröffentlichen die Gutachten neben dem Artikel, wie The BMJ oder auf Wunsch der Autoren PLOS ONE.

Ein Preprint ist eine Fassung vor oder außerhalb der Begutachtung. Er kann sich vom späteren Artikel deutlich unterscheiden. Zitieren Sie nach Möglichkeit die veröffentlichte Fassung und prüfen Sie bei einem Preprint, ob es sie inzwischen gibt. Wie man Zeitschriften erkennt, die Begutachtung nur behaupten, erklärt der Artikel Predatory Journals erkennen.

Was kann Peer Review leisten und wo liegen Grenzen?

Peer Review fängt viele Fehler ab und macht Arbeiten verständlicher; es kann aber nicht alles prüfen, was in einer Studie steckt.

Im Beispiel der Lehrformate hätte die Frage nach der Gruppenbildung einen echten Schwachpunkt aufgedeckt. Ohne sie hätten Leser einen Unterschied dem Format zugeschrieben, den vielleicht nur die Auswahl der Studierenden erklärt. Das ist die Stärke des Verfahrens: Fachleute stellen die Fragen, die später jeder kritische Leser stellen würde, und zwar bevor der Text erscheint.

Die Grenzen liegen in derselben Konstruktion. Gutachter sehen, was eingereicht wird. Sie wiederholen keine Experimente, und ob ein Ergebnis in einer zweiten Studie hält, zeigt erst weitere Forschung. Gutachter können sich irren, unterschiedlich streng urteilen oder von bekannten Namen beeinflusst sein. Gegen diesen letzten Punkt richten sich die anonymen Modelle, gegen fehlende Nachvollziehbarkeit die offenen. Kein Modell schließt alle Verzerrungen aus.

Unsere Einordnung: Peer Review ist ein wirksamer Filter vor der Veröffentlichung, aber kein Gütesiegel für jedes Detail. Lesen Sie begutachtete Artikel kritisch und nehmen Sie Gutachten zu eigenen Arbeiten als Hilfe ernst, auch wenn sie unbequem sind. Und trennen Sie zwei Fragen, die oft vermischt werden: Ob ein Artikel begutachtet wurde, sagt etwas über das Verfahren. Wie angesehen das Journal in Ihrem Fach ist, beantwortet ein Journal-Ranking.

Wer gerade die erste Einreichung plant, steht oft am Anfang einer wissenschaftlichen Laufbahn. Passende Ausschreibungen finden Sie unter Doktorandenstellen und Postdoc-Stellen.

Häufige Fragen

Was ist Peer Review einfach erklärt?

Fachleute aus demselben Gebiet lesen eine wissenschaftliche Arbeit, bevor sie erscheint, und geben der Redaktion eine begründete Empfehlung. Die Redaktion entscheidet dann über Annahme, Überarbeitung oder Ablehnung.

Was ist der Unterschied zwischen Single Blind und Double Blind?

Beim Single Blind (single-anonymous) kennen die Gutachter die Autoren, aber nicht umgekehrt. Beim Double Blind (double-anonymous) kennen sich beide Seiten nicht; dafür reichen Sie ein anonymisiertes Manuskript und eine getrennte Titelseite ein. Wiley nennt das Single Blind als häufigste Form in naturwissenschaftlichen Journals, das Double Blind in den Sozial- und Geisteswissenschaften.

Was ist Open Peer Review?

Ein Sammelbegriff für transparentere Verfahren. Meist kennen sich Autoren und Gutachter während der Begutachtung. Ob die Gutachten auch veröffentlicht werden, regelt jedes Journal selbst; bei The BMJ etwa erfahren Autoren die Namen der Gutachter, und bei angenommenen Forschungsartikeln steht die Vorgeschichte in der Regel neben dem Artikel.

Wie viele Gutachter prüfen ein Paper?

Das legt jedes Journal selbst fest. Taylor & Francis verlangt für Forschungsartikel normalerweise mindestens zwei unabhängige Gutachten; bei PLOS ONE entscheidet die zuständige Editorin oder der Editor, wie viele Fachleute gebraucht werden. Eine feste Zahl für alle Journals gibt es nicht.

Wie lange dauert ein Peer Review?

Eine allgemeine Dauer gibt es nicht. Viele Journals veröffentlichen Kennzahlen, etwa die Zeit bis zur ersten Entscheidung. Diese Zahl enthält weder Ihre Überarbeitungszeit noch weitere Runden oder die Produktion. Planen Sie mit den Angaben Ihres Zieljournals und mindestens einer Überarbeitungsrunde.

Wer entscheidet, ob ein Artikel veröffentlicht wird?

Die Redaktion des Journals. Gutachter geben Empfehlungen, die Redaktion wägt sie ab und berücksichtigt das Profil der Zeitschrift.

Ist ein begutachteter Artikel automatisch richtig?

Nein. Gutachter prüfen das eingereichte Manuskript, wiederholen aber keine Experimente. Peer Review fängt viele Fehler ab, ob ein Ergebnis hält, zeigt erst weitere Forschung.

Ist ein Preprint begutachtet?

Ein Preprint ist eine Fassung vor oder außerhalb der Begutachtung und kann sich vom späteren Artikel unterscheiden. Prüfen Sie, ob es inzwischen eine veröffentlichte Fassung gibt, und zitieren Sie nach Möglichkeit diese.

Darf ich ein Manuskript, das ich begutachte, weitergeben?

Nein. Der Kodex der DFG zur guten wissenschaftlichen Praxis verlangt bei Begutachtungen strikte Vertraulichkeit: Fremde Inhalte dürfen weder an Dritte gehen noch für eigene Zwecke genutzt werden. Mögliche Befangenheit müssen Sie der zuständigen Stelle offenlegen.

Quellen

Verlags- und Journalseiten sowie Seiten der DFG, gelesen am 8. Oktober 2026: