Assistenzarzt: Gehalt und Einstieg in die Facharztweiterbildung

Als Assistenzarzt behandeln Sie Patienten und erwerben zugleich die Qualifikation für ein Facharztgebiet. Im TV-Ärzte der Länder beginnt das Grundgehalt bei 5.792,90 Euro brutto im Monat (40 Wochenstunden, gültig seit April 2026); Dienste kommen hinzu. Nicht jede Uniklinik wendet diesen Tarif an. Für Ihre erste Stelle zählt ebenso, wie die Klinik die Weiterbildung organisiert. Hier finden Sie die Gehaltstabelle, den Weg zum Facharzt und die Fragen, die Sie vor einer Zusage klären sollten.

Von Aktualisiert: 5. Oktober 2026 · Quellenstand 10/2026
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Ärztliche Rücksprache an den Bildschirmen einer Universitätsklinik

Kurz gesagt

  • Gehalt: Im TV-Ärzte der Länder 5.792,90 € brutto im ersten und 7.436,05 € im sechsten Jahr (40 Stunden, seit April 2026); Dienste werden zusätzlich vergütet.
  • Weiterbildung: Die Mindestzeit beträgt je nach Gebiet meist fünf oder sechs Jahre; es zählt nur Zeit an einer befugten Weiterbildungsstätte.
  • Status: Assistenzärzte sind approbierte Ärzte, keine Auszubildenden; eine Promotion ist dafür nicht nötig.

Vor der Zusage klären

  • Befugnis: Für wie viele Monate darf die Klinik in Ihrem Fach weiterbilden – vollständig oder nur einen Abschnitt?
  • Rotation: Sind Stationen, Funktionsbereiche und das eLogbuch geplant, oder müssen Sie das selbst organisieren?
  • Dienste und Vertrag: Wie viele Dienste, welche Laufzeit – und zählt Forschungszeit zur Weiterbildung?

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Inhalt

Was ist ein Assistenzarzt?

Ein Assistenzarzt ist eine fertig ausgebildete Ärztin oder ein fertig ausgebildeter Arzt, der in einer Klinik Patienten behandelt und dabei die Weiterbildung zum Facharzt absolviert.

Das Wort „Assistenz“ führt leicht in die Irre. Wer als Assistenzarzt arbeitet, hat das Medizinstudium und die ärztliche Prüfung abgeschlossen und die Approbation erhalten: „Wer im Geltungsbereich dieses Gesetzes den ärztlichen Beruf ausüben will, bedarf der Approbation als Arzt“ (§ 2 Abs. 1 Bundesärzteordnung, § 2 BÄO). Die Approbation setzt ein Medizinstudium von mindestens sechs Jahren und 5.500 Stunden mit bestandener ärztlicher Prüfung voraus (§ 3 BÄO). Eine Promotion gehört nicht zu diesen Voraussetzungen; den Titel „Dr. med.“ brauchen Sie für die ärztliche Arbeit nicht.

Assistenzarzt, Arzt in Weiterbildung, Ä1. In Stellenanzeigen und Weiterbildungsordnungen heißt dieselbe Stelle oft „Ärztin/Arzt in Weiterbildung“. Der Tarifvertrag der Länder spricht schlicht von der Entgeltgruppe Ä1, „Ärztin/Arzt mit entsprechender Tätigkeit“ (§ 12 TV-Ärzte, TV-Ärzte). Mit der Weiterbildung dürfen Sie erst beginnen, wenn Sie approbiert sind oder eine ärztliche Berufserlaubnis haben (§ 4 Abs. 1 Musterweiterbildungsordnung, MWBO).

Mit Berufserlaubnis statt Approbation. Wer eine abgeschlossene ärztliche Ausbildung aus einem Staat außerhalb von EU, EWR und Schweiz nachweist, kann auf Antrag eine Erlaubnis zur vorübergehenden Berufsausübung erhalten. Sie kann auf bestimmte Tätigkeiten und Stellen beschränkt werden und gilt höchstens zwei Jahre (§ 10 Bundesärzteordnung, § 10 BÄO). Für Absolventinnen und Absolventen deutscher Universitäten ist die Approbation der Regelfall.

Wo Assistenzärzte arbeiten. Weiterbilden dürfen Universitätskliniken, die die Ordnung von sich aus als Weiterbildungsstätte anerkennt, sowie Krankenhäuser und Praxen, die die Ärztekammer zugelassen hat (§ 6 Abs. 1 Musterweiterbildungsordnung). Für einzelne Gebiete wie die Allgemeinmedizin gehört eine Zeit in der Praxis zur Weiterbildung. Universitätskliniken haben zwei Besonderheiten: Dort kommen Forschung und Lehre zur Patientenversorgung hinzu, und dort gelten eigene Tarife.

Was die Stelle von Studium und Facharzt trennt. Im Praktischen Jahr sind Sie noch Studierende, als Assistenzarzt sind Sie angestellte Ärztin oder angestellter Arzt mit eigener Verantwortung für Ihre Patienten. Die Anleitung durch Fach- und Oberärzte gehört dazu, solange Sie in Weiterbildung sind. Fachärztin oder Facharzt werden Sie erst mit der Prüfung vor der Ärztekammer; wie der Weg danach weitergeht, zeigt der Überblick Arzt-Karriereleiter.

Assistenzarzt-Gehalt: Was verdienen Sie an der Uniklinik?

An den Unikliniken der Länder verdienen Sie im ersten Jahr 5.792,90 € brutto im Monat und ab dem sechsten Jahr 7.436,05 € – nach dem TV-Ärzte, Entgeltgruppe Ä1, bei 40 Wochenstunden; Dienste werden zusätzlich bezahlt.

Der Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken (TV-Ärzte) gilt für Ärztinnen und Ärzte, deren Arbeitgeber Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder ist (§ 1 TV-Ärzte). Die Tabelle steigt in sechs Stufen mit den Jahren ärztlicher Tätigkeit. Monatliches Tabellenentgelt brutto, Anlage A zum TV-Ärzte in der Fassung des Änderungstarifvertrags Nr. 10 vom 9. Juni 2026, gültig vom 1. April 2026 bis 31. August 2027 (TV-Ärzte, Entgelttabellen):

StufeÄrztliche TätigkeitÄ1 brutto im Monat
1im 1. Jahr5.792,90 €
2im 2. Jahr6.121,26 €
3im 3. Jahr6.355,79 €
4im 4. Jahr6.762,34 €
5im 5. Jahr7.247,00 €
6ab dem 6. Jahr7.436,05 €

Am 1. September 2027 steigen die Tabellenwerte um weitere 2,45 Prozent; Ä1 beginnt dann bei 5.934,83 € (Anlage B zum TV-Ärzte). Ihr Nettogehalt für Ihre Stufe zeigt der Gehaltsrechner TV-Ärzte; die Tabellen aller vier Gruppen und den Vergleich mit dem kommunalen Tarif finden Sie unter Gehalt Ärzte an der Uniklinik.

In welche Stufe Sie kommen

Maßgeblich sind die Jahre ärztlicher Tätigkeit. Bei der Einstellung werden „Zeiten mit einschlägiger Berufserfahrung als förderliche Zeiten berücksichtigt“, Berufserfahrung aus nichtärztlicher Tätigkeit „kann“ berücksichtigt werden (§ 16 Abs. 2 TV-Ärzte). Wer von einer anderen Klinik kommt, sollte deshalb Arbeitszeugnisse über alle ärztlichen Zeiten vorlegen; das Universitätsklinikum Münster schreibt in seinen Anzeigen ausdrücklich, die Stufenzuordnung erfolge „unter Berücksichtigung der einschlägigen Berufserfahrung“ (UK Münster). Teilzeit und Elternzeit: Zeiten mit weniger Wochenstunden werden für die Stufen „voll angerechnet“; Elternzeit ist „unschädlich“, zählt aber nicht mit (§ 17 Abs. 2 TV-Ärzte). Die Klinik darf außerdem zur Gewinnung oder Bindung von Personal ein bis zu zwei Stufen höheres Entgelt vorweg gewähren (§ 16 Abs. 3).

Wenn die Weiterbildung länger dauert. Überschreiten Sie die Mindestweiterbildungszeit unverschuldet um mehr als ein Jahr, erhalten Sie eine monatliche Zulage in Höhe der Differenz zur Stufe 1 der Gruppe Ä2, also bis 7.645,72 € (§ 13 TV-Ärzte). Das schützt Sie, wenn die Klinik Rotationen nicht rechtzeitig ermöglicht.

Was Dienste zusätzlich bringen

Ein großer Teil des tatsächlichen Einkommens kommt aus Diensten. Der TV-Ärzte regelt sie genau:

  • Bereitschaftsdienst wird als Arbeitszeit bewertet und mit Ihrem individuellen Stundenentgelt bezahlt: zu 60 Prozent, wenn die Arbeit darin bis zu 25 Prozent ausmacht (Stufe I), zu 95 Prozent bei mehr als 25 bis 49 Prozent (Stufe II). An Feiertagen kommen 25 Prozentpunkte hinzu, ab dem fünften Dienst im Monat je Dienst 10 Prozentpunkte, nachts zwischen 20 und 6 Uhr zusätzlich 20 Prozent (§ 9 Abs. 2, 2a, 3).
  • Rufbereitschaft von mindestens zwölf Stunden wird pauschal mit dem Zweifachen des Stundenentgelts an Werktagen und dem Vierfachen an Wochenenden und Feiertagen vergütet (§ 9 Abs. 1).
  • Zeitzuschläge für reguläre Arbeit: Nachtarbeit 20 Prozent, Sonntagsarbeit 25 Prozent, Feiertagsarbeit ohne Freizeitausgleich 135 Prozent des Stundenanteils der Stufe 3 (§ 8 Abs. 1).

Wie viel das im Monat ausmacht, hängt am Dienstmodell Ihrer Klinik. Fragen Sie deshalb vor der Zusage, wie viele Dienste welcher Stufe üblich sind. Eine laufende Jahressonderzahlung, wie sie der TV-L kennt, regelt der TV-Ärzte der Länder nicht (§ 20 TV-Ärzte); Ärztinnen und Ärzte im Drittmittelbereich können eine Sonderzahlung von bis zu 10 Prozent des Jahrestabellenentgelts erhalten (§ 18).

So lesen Sie Ihre Gehaltsabrechnung

Auf der Abrechnung stehen die Bestandteile getrennt. Prüfen Sie jeden Monat, ob alles angekommen ist:

  1. Tabellenentgelt: der Betrag Ihrer Gruppe und Stufe aus der Tabelle oben, bei Teilzeit anteilig.
  2. Bereitschaftsdienste: die Dienststunden, bewertet mit 60 oder 95 Prozent und Ihrem individuellen Stundenentgelt, dazu Feiertags- und Nachtanteile.
  3. Rufbereitschaft und Einsätze: die Pauschalen und die tatsächlich gearbeiteten Stunden aus der Rufbereitschaft.
  4. Zeitzuschläge: für reguläre Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit.
  5. Abzüge: Lohnsteuer, Sozialversicherung und gegebenenfalls Ihr Anteil an der betrieblichen Altersversorgung.

Fehlt ein Dienst oder stimmt die Stufe nicht, melden Sie es der Personalabteilung schriftlich. Ansprüche verfallen nach dem TV-Ärzte, wenn Sie sie nicht innerhalb von sechs Monaten nach Fälligkeit schriftlich geltend machen (§ 37 Abs. 1).

Nicht jede Uniklinik zahlt nach dem TV-Ärzte der Länder

Universitätskliniken, deren Träger nicht der Tarifgemeinschaft deutscher Länder angehört, haben eigene Regelungen. Lesen Sie deshalb in der Anzeige, welcher Tarif genannt ist:

UniklinikTarif laut QuelleHinweis
UKSH (Campus Kiel und Lübeck)TV-Ärzte (TdL), Ä1Tabelle oben
Universitätsklinikum MünsterTV-Ärzte, Ä1laut Stellenanzeige
Charité Berlineigener TV-ÄB CharitéÄ1 ab 1. Februar 2026 mit 5.841 € in Stufe 1, sieben Stufen
UKE HamburgTV-Ärzte/VKA mit Überleitungstarifvertragkommunaler Ärztetarif
Universitätsmedizin MannheimTV-Ärzte/VKAlaut Stellenanzeige
Universitätsklinikum Halle (Saale)Haustarifvertrag„bis zur Entgeltgruppe Ä1b“

Quellen: Marburger Bund, Landesverbände Schleswig-Holstein und Hamburg (MB Schleswig-Holstein, MB Hamburg); Charité, Änderungstarifvertrag Nr. 1 zum TV-ÄB (TV-ÄB Charité); Stellenanzeigen (UKSH, UK Münster, Universitätsmedizin Mannheim, UK Halle), abgerufen am 5. Oktober 2026.

Unsere Einordnung: Lesen Sie den Tarif in der Anzeige, aber wählen Sie die Stelle nicht danach. Für Ihr Einkommen zählen die Dienste, für Ihre Zukunft die Frage, ob Sie die Weiterbildung in der Mindestzeit schaffen. Eine Klinik, die Rotationen verlässlich plant, ist mehr wert als eine Stufe mehr beim Einstieg.

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Wie läuft die Facharztweiterbildung ab?

Die Facharztweiterbildung findet im Beruf statt: Sie arbeiten mindestens die vorgeschriebene Zeit unter einer befugten Ärztin oder einem befugten Arzt, dokumentieren Ihre Fortschritte im elektronischen Logbuch und legen am Ende eine Prüfung vor der Ärztekammer ab.

Welche Regeln für Sie gelten, bestimmt die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer. Die Bundesärztekammer gibt nur ein Muster vor, die Musterweiterbildungsordnung 2018 (zuletzt aktualisiert am 3. Juli 2026); „rechtsverbindlich“ ist „immer nur die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer“, deren Mitglied Sie sind (Bundesärztekammer). Die Ärztekammer Nordrhein etwa verlangt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin dieselben Zeiten wie das Muster (Ärztekammer Nordrhein).

Wie lange die Weiterbildung mindestens dauert

Mindestzeiten in ausgewählten Gebieten nach der Musterweiterbildungsordnung, Abschnitt B (MWBO):

FacharztMindestzeitPflichtabschnitte
Innere Medizin60 Monate48 Monate Innere Medizin, davon 30 stationär; je 6 Monate Notaufnahme und Intensivmedizin
Allgemeinmedizin60 Monate24 Monate ambulant hausärztlich, 12 Monate Innere Medizin stationär, 6 Monate in einem anderen Gebiet; 80 Stunden Psychosomatische Grundversorgung
Allgemeinchirurgie72 Monate36 Monate Allgemeinchirurgie; je 6 Monate Notaufnahme und Intensivmedizin
Orthopädie und Unfallchirurgie72 Monate48 Monate im Fach; je 6 Monate Notaufnahme und Intensivmedizin
Anästhesiologie60 Monate12 Monate Intensivmedizin
Kinder- und Jugendmedizin60 Monate6 Monate pädiatrische Intensivmedizin; 80 Stunden Psychosomatische Grundversorgung
Neurologie60 Monateje 6 Monate Intensivmedizin, Stroke Unit und Psychiatrie
Psychiatrie und Psychotherapie60 Monate24 Monate stationär, 6 Monate Neurologie
Radiologie60 Monatekeine Pflichtabschnitte
Frauenheilkunde und Geburtshilfe60 Monate80 Stunden Psychosomatische Grundversorgung

Das sind Mindestzeiten. Die Weiterbildungszeiten „verlängern sich individuell, wenn Weiterbildungsinhalte in der Mindestzeit nicht erlernt werden können“ (Präambel). Abschnitte können Sie in Blöcken von mindestens drei Monaten ableisten (§ 4 Abs. 4). In Teilzeit ab der Hälfte der Wochenarbeitszeit ist die Weiterbildung möglich, sie dauert dann entsprechend länger (§ 4 Abs. 6).

Befugnis, Logbuch, Prüfung

  1. Befugnis: Weiterbilden darf nur, wer von der Ärztekammer befugt ist, und nur in dem Umfang, den die Kammer festlegt; maßgebend sind Versorgungsauftrag, Leistungszahlen und Ausstattung der Abteilung (§ 5 Abs. 1 und 5). Universitätskliniken sind von sich aus zugelassene Weiterbildungsstätten (§ 6 Abs. 1). Die Kammer führt ein Verzeichnis der Befugten mit dem Umfang der Befugnis (§ 5 Abs. 6); die Ärztekammer Nordrhein stellt es als Datenbank ins Netz (Datenbank der Weiterbildungsbefugten).
  2. Programm und Gespräche: Die oder der Befugte muss Ihnen ein gegliedertes Programm aushändigen und mindestens einmal im Jahr mit Ihnen den Stand der Weiterbildung besprechen und im Logbuch festhalten (§ 5 Abs. 3 und 6).
  3. eLogbuch: Sie dokumentieren die vorgeschriebenen Inhalte fortlaufend im elektronischen Logbuch; die Befugten bestätigen den Stand mindestens jährlich (§ 8 Abs. 1).
  4. Zeugnis: Beim Wechsel oder Ausscheiden steht Ihnen „unverzüglich“ ein Zeugnis zu (§ 9 Abs. 2). Geht Ihre Weiterbilderin weg, erlischt ihre Befugnis an dieser Stätte (§ 7 Abs. 2).
  5. Prüfung: Die Kammer lässt Sie zu, wenn Zeiten und Inhalte belegt sind (§ 12), und prüft spätestens sechs Monate nach der Zulassung in einer Prüfung von mindestens 30 Minuten (§ 14).

Woran Sie eine gut organisierte Weiterbildung erkennen

Die Ordnung schreibt Zeiten und Inhalte vor, aber nicht, wie die Klinik sie organisiert. Gute Kliniken haben einen schriftlichen Plan: wann Sie auf welche Station, in welche Funktion und in welchen Pflichtabschnitt wechseln. Die Universitätsmedizin Mannheim bildet in der Radiologie zusammen mit der Nachbarklinik „aufgrund eines gemeinsamen Curriculums“ weiter (Universitätsmedizin Mannheim), das Universitätsklinikum Heidelberg für die Gefäßchirurgie eine „volle Weiterbildung inkl. Common Trunk mit transparentem Curriculum“ (UK Heidelberg), Münster die psychiatrische Pflichtzeit als Rotation in die eigene Psychiatrie (UK Münster). Fragen Sie nach solchen Plänen. Wer Rotationen selbst einfordern muss, verliert leicht ein Jahr.

Zählt Forschungszeit zur Weiterbildung?

Grundsätzlich nicht, wenn Sie in dieser Zeit nicht klinisch weitergebildet werden: Unterbrechungen wegen „wissenschaftlicher Aufträge – soweit eine Weiterbildung nicht erfolgt –“ werden nicht angerechnet (§ 4 Abs. 4). Einige Kammern lassen Ausnahmen zu. Die Ärztekammer Nordrhein rechnet Forschungszeiten aus Clinician-Scientist-Programmen „grundsätzlich“ an, wenn Art und Umfang vorab mit der Kammer abgestimmt sind, das Projekt direkten Patientenbezug hat und die Teilnahme mindestens zwölf Monate ganztägig dauert (Merkblatt Clinician Scientist). Klären Sie das bei Ihrer Kammer, bevor Sie eine Forschungsphase beginnen.

Welche Aufgaben und Dienste gehören zum Alltag?

Ihr Alltag besteht aus Stationsarbeit, Diensten und Lernen unter Anleitung: Sie nehmen Patienten auf, untersuchen und behandeln sie in Absprache mit Fach- und Oberärzten, dokumentieren und übernehmen Dienste am Abend, in der Nacht und am Wochenende.

Die Anzeigen der Unikliniken beschreiben den Einsatz ähnlich. Das Universitätsklinikum Münster nennt für die Neurologie einen flexiblen Einsatz auf Normalstation, Intensivstation und in der Notaufnahme (UK Münster), das UKSH die „Teilnahme an Bereitschaftsdiensten der Klinik bzw. Übernahme neurologischer Rufdienste“ (UKSH), die Charité schlicht: „Der klinische Dienst auf unseren Stationen wird durch Sie übernommen“ (Charité). An Universitätskliniken kommen Lehre am Krankenbett und Forschung hinzu; in einer Anzeige der Charité für die Hämatologie und Onkologie werden Assistenzärztinnen und -ärzte als wissenschaftliche Mitarbeitende mit Lehrverpflichtung beschäftigt (Charité).

Was Sie in den ersten Monaten lernen. Am Anfang stehen die Grundlagen der Station: strukturierte Aufnahme mit Anamnese und Untersuchung, Anordnungen nach Rücksprache, Visite, Arztbrief. Hinzu kommen die Gespräche, die kein Studium ganz vorbereitet – mit Patienten, die eine schwere Diagnose erfahren, mit Angehörigen, mit der Pflege bei der Übergabe. Welche Untersuchungen und Eingriffe Sie lernen, legt der Weiterbildungsplan Ihres Gebiets fest; im eLogbuch halten Sie fest, was Sie schon selbständig können.

Was der Tarif zu Arbeitszeit und Diensten vorgibt

  • Wochenarbeitszeit: durchschnittlich 40 Stunden ohne Pausen (§ 6 Abs. 1 TV-Ärzte).
  • Lange Dienste: Mit Bereitschaftsdienst darf ein Arbeitstag bis zu 24 Stunden dauern (§ 7 Abs. 4); im Durchschnitt höchstens 58 Stunden pro Woche in Bereitschaftsdienststufe I und 54 in Stufe II (§ 7 Abs. 5).
  • Zahl der Dienste: grundsätzlich höchstens vier Bereitschaftsdienste im Monat, in einem Monat pro Quartal fünf (§ 7 Abs. 5a).
  • Wochenenden: Arbeit, Bereitschaft oder Rufbereitschaft an höchstens zwei Wochenenden im Monat; „jedenfalls ein freies Wochenende pro Kalendermonat ist zu gewährleisten“ (§ 6 Abs. 9).
  • Kongresse: bis zu drei Arbeitstage Arbeitsbefreiung im Jahr für Fachtagungen (§ 29 Abs. 6).
  • Forschung: Die Tarifparteien „erwarten“ einen angemessenen Zeitanteil für Forschung und Lehre; ein fester Anspruch folgt daraus nicht (Protokollerklärung Nr. 1 zu § 6).

Beispieltag auf einer internistischen Station (zur Veranschaulichung, kein Durchschnitt): Frühbesprechung mit Übergabe aus der Nacht, dann Visite mit der Oberärztin, Blutentnahmen und Aufnahmen. Mittags Röntgenbesprechung, nachmittags Arztbriefe, Angehörigengespräche und die Übergabe an den Spätdienst. Einmal pro Woche ein Bereitschaftsdienst bis zum nächsten Morgen, in dem Sie die Notaufnahmen der Station versorgen und bei Unsicherheit den Hintergrunddienst anrufen.

Unsere Einordnung: Die Qualität einer Assistenzarztstelle erkennen Sie weniger an der Zahl der Dienste als an der Anleitung. Gute Kliniken zeigen Ihnen neue Eingriffe, bevor Sie sie allein machen, und der Hintergrunddienst ist nachts erreichbar und ansprechbar. Fragen Sie im Gespräch und bei einer Hospitation genau danach.

Uniklinik oder anderes Krankenhaus: Wo passt die Weiterbildung?

Eine Uniklinik bietet das ganze Spektrum eines Fachs, Forschung und oft die volle Weiterbildungsbefugnis; ein anderes Krankenhaus kann ebenso gut weiterbilden, deckt aber nicht immer alle Abschnitte ab – entscheidend ist die Befugnis, nicht der Name.

Eine pauschale Rangfolge gibt es nicht. Prüfen Sie beide Wege an denselben Merkmalen:

MerkmalUniversitätsklinikumAnderes KrankenhausWas Sie fragen
Fallspektrumbreit, mit seltenen und schweren Fällenhäufige Erkrankungen der Grund- und RegelversorgungWelche Fälle und Eingriffe sehe ich im ersten Jahr?
Befugnisoft volle Befugnisvolle oder anteilige BefugnisFür wie viele Monate ist die Befugnis erteilt?
Rotationim Haus, auch in Nachbarklinikenteils über Verbünde mit anderen HäusernGibt es einen schriftlichen Rotationsplan?
Forschung und Lehrefester Bestandteil, Promotion und Habilitation möglichselten verlangtGibt es Forschungszeit oder ein Clinician-Scientist-Programm?
Vertragnach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz oder dem Gesetz für Ärzte in der Weiterbildung befristetnach dem Gesetz für Ärzte in der Weiterbildung befristetWie lang ist der erste Vertrag, was folgt danach?
TarifTV-Ärzte der Länder oder eigener Tarifkommunaler Ärztetarif oder Tarife privater KlinikträgerWelcher Tarif, welche Stufe, welche Dienste?

Zwei Befristungsregeln. Ärzte in der Weiterbildung werden nach einem eigenen Gesetz befristet: „höchstens bis zur Dauer von acht Jahren“, und die Befristung „darf den Zeitraum nicht unterschreiten, für den der weiterbildende Arzt die Weiterbildungsbefugnis besitzt“ (§ 1 Abs. 3 ÄArbVtrG, ÄArbVtrG). Dieses Gesetz gilt aber nicht, wenn der Vertrag unter das Wissenschaftszeitvertragsgesetz fällt (§ 1 Abs. 6) – und darauf stützen sich Unikliniken, wenn sie Ärztinnen und Ärzte als wissenschaftliche Mitarbeitende einstellen: Die Charité befristet „nach WissZeitVG … auf bis zu 5 Jahre, um die Fachärztin / den Facharzt zu erwerben“ (Charité). Der TV-Ärzte empfiehlt für Weiterbildungsverträge einen ersten Vertrag von „nicht weniger als zwei Jahren“ und einen weiteren „bis zum Ende der Mindestweiterbildungszeit“ (§ 30 Abs. 2). Mehr zu den Regeln unter WissZeitVG.

Allgemeinmedizin verlangt 24 Monate in der ambulanten hausärztlichen Versorgung – dafür brauchen Sie neben der Klinik eine Praxis. Die Ärztekammer Nordrhein rechnet für Allgemeinmedizin bis zu vier Monate aus dem Praktischen Jahr an, wenn sie bei einem Befugten in der ambulanten Versorgung abgeleistet wurden (Fragen und Antworten).

Unsere Einordnung: Wer früh weiß, dass er forschen oder habilitieren möchte, ist an einer Uniklinik richtig. Wer vor allem schnell und breit operieren oder selbständig arbeiten will, sollte ein gutes Haus der Regelversorgung mit voller Befugnis nicht unterschätzen. Viele kombinieren beides im Lauf der Weiterbildung.

Erste Stelle: Bewerbung und Angebotsprüfung

Klären Sie vor der Zusage schriftlich drei Dinge: wie weit die Weiterbildungsbefugnis reicht, wie die Rotationen geplant sind und wie lange der Vertrag läuft – erst danach lohnt der Blick auf Gehalt und Dienste.

Bewerbung

Zur Bewerbung gehören Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse der ärztlichen Prüfung, Approbationsurkunde oder Berufserlaubnis sowie Bescheinigungen über Famulaturen und das Praktische Jahr. Begründen Sie die Fachwahl mit Erfahrungen, etwa einem PJ-Tertial im Fach. Eine Promotion ist an Unikliniken erwünscht, aber nicht Bedingung: Heidelberg nennt eine „begonnene oder abgeschlossene Promotion“ als „wünschenswert“ (UK Heidelberg), Mannheim heißt „insbesondere Berufsanfänger“ willkommen (Universitätsmedizin Mannheim). Fragen Sie nach einer Hospitation; einen Tag auf Station mitzulaufen zeigt mehr als jedes Gespräch.

Angebote vergleichen

Ein Vergleich zweier ausgedachter Angebote zeigt, worauf es ankommt (fiktives Beispiel, keine Marktwerte):

PrüffeldAngebot A (fiktiv)Angebot B (fiktiv)
Befugnisvolle Befugnis Innere Medizin36 Monate, Rest in einer anderen Klinik
RotationPlan mit Notaufnahme und Intensivstation schriftlich zugesagt„nach Bedarf“
Vertragzwei Jahre, Verlängerung bis zur Facharztreife zugesagtein Jahr
Dienstevier Bereitschaftsdienste im Monat, Hintergrund vor Ortfünf bis sechs, Hintergrund telefonisch
Tarif und StufeTV-Ärzte, Stufe 1TV-Ärzte, Stufe 1, eine Stufe vorweg gewährt

Angebot B zahlt zunächst mehr, lässt aber zwei Abschnitte offen. Fehlen Ihnen am Ende Notaufnahme oder Intensivstation, verlängert sich die Weiterbildung – und der Vorsprung beim Gehalt ist schnell weg.

Fragen für das Gespräch

  • „Für wie viele Monate sind Sie in meinem Fach befugt, und ist die Befugnis befristet?“
  • „Wie sieht der Rotationsplan für die ersten drei Jahre aus, und wer organisiert ihn?“
  • „Wie viele Dienste leisten Assistenzärztinnen und -ärzte im Monat, und wer ist nachts im Hintergrund?“
  • „Wie lange läuft der erste Vertrag, und wie wurde er bei anderen verlängert?“
  • „Gibt es Forschungszeit, und zählt sie bei Ihrer Kammer zur Weiterbildung?“
  • „Wann finden die Weiterbildungsgespräche statt, und wer bestätigt das Logbuch?“

Wie Unikliniken ausschreiben. Das UKSH befristet eine Stelle in der Neurologie „zunächst … auf zwei Jahre mit der Option auf Verlängerung für weitere vier Jahre bis zur Facharztreife“ und wirbt mit der „vollen Weiterbildungsberechtigung“ (UKSH); Münster „befristet auf 2 Jahre mit Möglichkeit der Verlängerung“ mit Rotation in die Psychiatrie (UK Münster); Heidelberg 24 Monate mit angestrebter Weiterbeschäftigung (UK Heidelberg). Die Probezeit beträgt nach dem TV-Ärzte sechs Monate, wenn nichts Kürzeres vereinbart ist (§ 2 Abs. 4).

Stellen finden. Offene Stellen für Assistenzärztinnen und -ärzte an Universitätskliniken finden Sie unter Assistenzarzt-Stellen, alle ärztlichen Stellen unter Ärztlicher Dienst. Am 5. Oktober 2026 trugen 129 unserer Anzeigen „Assistenzarzt“ oder „Arzt in Weiterbildung“ im Titel, 107 davon in Deutschland; 29 richteten sich an Assistenz- oder Fachärzte zugleich.

Wie geht es nach dem Facharzt weiter?

Nach der Facharztprüfung arbeiten Sie als Fachärztin oder Facharzt weiter; in die Gruppe Ä2 mit 7.645,72 € im ersten Jahr kommen Sie aber erst, wenn Ihnen auch eine fachärztliche Tätigkeit übertragen ist.

Der TV-Ärzte gruppiert in Ä2 die „Fachärztin/Facharzt mit entsprechender Tätigkeit“ ein (§ 12). Die bestandene Prüfung allein ändert die Gruppe also nicht; die Höhergruppierung folgt mit der fachärztlichen Aufgabe. Danach stehen drei Wege offen:

  • Klinische Laufbahn: Oberärztin oder Oberarzt wird, wem „die medizinische Verantwortung für Teil- oder Funktionsbereiche der Klinik“ übertragen ist (§ 12, Gruppe Ä3 ab 9.576,69 €). Mehr unter Oberarzt.
  • Wissenschaft: Wer forscht, publiziert und lehrt, kann sich habilitieren und auf eine Professur bewerben; den Weg beschreibt Habilitation in der Medizin.
  • Außerhalb der Klinik: Niederlassung in einer Praxis, Tätigkeit im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in der Industrie.

Alle Stufen der ärztlichen Laufbahn im Überblick – vom Assistenzarzt bis zum Chefarzt – zeigt die Arzt-Karriereleiter.

Häufige Fragen zum Assistenzarzt

Kann man ohne Doktortitel Assistenzarzt werden?

Ja. Für die ärztliche Tätigkeit brauchen Sie die Approbation, keine Promotion; die Bundesärzteordnung nennt sie nicht unter den Voraussetzungen. An Universitätskliniken ist eine begonnene oder abgeschlossene Promotion erwünscht, Bedingung ist sie in den Anzeigen nicht.

Kann ich mit einer Berufserlaubnis als Assistenzarzt anfangen?

Ja, wenn Sie eine abgeschlossene ärztliche Ausbildung aus einem Staat außerhalb von EU, EWR und Schweiz nachweisen. Die Erlaubnis nach § 10 Bundesärzteordnung kann auf bestimmte Tätigkeiten und Stellen beschränkt werden und gilt höchstens zwei Jahre. Mit der Weiterbildung dürfen Sie in dieser Zeit beginnen.

Wie lange ist man Assistenzarzt?

Mindestens so lange, wie die Weiterbildungsordnung Ihrer Kammer für Ihr Gebiet vorschreibt: in Innerer Medizin, Allgemeinmedizin, Anästhesiologie oder Neurologie 60 Monate, in Allgemeinchirurgie sowie Orthopädie und Unfallchirurgie 72. Teilzeit verlängert die Zeit. Überschreiten Sie die Mindestzeit unverschuldet um mehr als ein Jahr, zahlt der TV-Ärzte eine Zulage bis zur Stufe 1 der Gruppe Ä2.

Geht die Facharztweiterbildung in Teilzeit?

Ja. Nach der Musterweiterbildungsordnung ist das in der Regel gewährleistet, wenn Sie mindestens die Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit arbeiten; die Weiterbildungszeit verlängert sich entsprechend. Für den Stufenaufstieg im TV-Ärzte zählen Teilzeitjahre voll.

Zählt Forschungszeit zur Weiterbildung?

Nur, wenn Sie in dieser Zeit auch klinisch weitergebildet werden oder Ihre Kammer eine Ausnahme vorsieht. Die Ärztekammer Nordrhein rechnet Zeiten aus Clinician-Scientist-Programmen an, wenn sie vorher abgestimmt sind, direkten Patientenbezug haben und mindestens zwölf Monate ganztägig dauern.

Was verdient ein Assistenzarzt netto?

Das hängt von Steuerklasse, Krankenversicherung und Diensten ab. Ausgangspunkt ist das Tabellenentgelt von 5.792,90 € brutto im ersten Jahr nach dem TV-Ärzte der Länder; Bereitschafts- und Rufdienste kommen hinzu. Ihr Netto ohne Dienste berechnet der Gehaltsrechner TV-Ärzte.

Was passiert mit meiner Weiterbildung, wenn ich die Klinik wechsle?

Die abgeleisteten Zeiten bleiben Ihnen. Lassen Sie sich beim Wechsel ein Zeugnis über Zeiten und Inhalte ausstellen und das eLogbuch bestätigen; nach der Musterweiterbildungsordnung steht Ihnen das Zeugnis beim Ausscheiden unverzüglich zu. Abschnitte zählen ab drei Monaten.

Muss die erste Stelle die ganze Weiterbildung abdecken?

Nein. Viele wechseln während der Weiterbildung die Klinik. Wichtig ist, dass die Befugnisse Ihrer Stationen zusammen alle Zeiten und Pflichtabschnitte abdecken. Prüfen Sie deshalb schon vor der ersten Zusage, wo Sie fehlende Abschnitte wie Notaufnahme oder Intensivstation ableisten können.

Quellen

Tarif

Gesetze

Weiterbildungsordnungen

Stellenanzeigen (abgerufen am 5. Oktober 2026)

Alle Seiten und Dokumente abgerufen am 5. Oktober 2026; Gesetzestexte in der an diesem Tag veröffentlichten Fassung.